„HIStory“ unter der Lupe

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    • „HIStory“ unter der Lupe

      „HIStory“ unter der Lupe
      6. Juni 2018

      Produzent Jimmy Jam erzählt ausführlich, wie der Song „HIStory“ entstanden ist. Von Michaels Wünschen, Ideen und wie die Gastsänger Boyz II Men den King of Pop beeindruckten. „Technisch gesehen, war das der verrückteste Mix, den wir je gemacht haben.“In einem neuen Artikel auf „Okayplayer“ werden einige Songs von Jimmy Jam und Terry Lewis beleuchtet und geschildert, wie die beiden talentierten Produzenten und Musiker zusammen gefunden haben.

      Jimmy Jam berichtet im Detail über die Entstehung von Janet Jacksons „Alright“, New Editions „Can You Stand the Rain“ und Michael Jacksons „HIStory“.

      Der Titelsong fehlte

      „Er wusste, dass das Album HIStory heissen wird. Also war es die Idee, tatsächlich einen Song namens „HIStory“ zu haben, da er noch keinen hatte. Das war gegen das Ende der Aufnahmesessions. Die Idee von HIStory war, einen Song zu kreieren, der wirklich stark ist, ‘over-the-top’, und verschiedene klangliche und textliche Elemente enthielt. Michael dachte immer sehr gross und ‘out of the box’. Das haben wir versucht, ihm zu geben. Der Song wurde in Stücken geschrieben. Wir kreierten den ersten kleinen Groove am Anfang, da Michael etwas funkiges wollte. Er wollte immer etwas, wozu er tanzen konnte.“

      Als Jimmy Jam und Terry Lewis einen ersten „Beat“-Entwurf mit Akkordänderungen und weiteren Wechseln – vom funkigen Anfang bis zum Refrain – Michael zeigten, habe dieser ihnen gesagt: „Es wäre grossartig noch jemand anderes auf dem Song zu haben.“ Also hätten sie über ihre Lieblingskünstler gesprochen und darüber, wie sie mit Boyz II Men zusammen gearbeitet hatten. Michael habe erwähnt, wie sehr er diese mag.

      Michael war beeindruckt von Boyz II Men

      „Ich erinnere mich als sie ins Studio kamen“, so Jimmy Jam. „Ich rief sie an und fragte: ‘Hey, seid ihr in der Stadt? Kommt ins Studio.’ Sie konnten es nicht glauben. Sie sagten ‘Oh, Michael Jackson’ Ich antwortete ‘Ja, kommt runter’ Wir arbeiteten entweder in der Hit Factory in New York oder im Record Plant in L.A. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, an welchem Ort wir aufgenommen habe. Ich werde jetzt einfach mal von der Hit Factory sprechen.“

      „Sie kamen und sangen ihren Gesang ein und brillierten absolut. Ich liebte Michaels Gesichtsausdruck, weil eines der Dinge bei Boyz II Men war, wir mussten ihre Hintergrundstimmen nie arrangieren. Sie wussten exakt, was sie zu tun hatten.“ Sie hätten sich das Lied angehört, sich angesehen und kurz abgesprochen, und dann sangen sie den Refrain perfekt und ohne zu zögern ein. „Michael war hin und weg, wie gut sie das konnten. Terry und ich waren ebenso überwältigt, obwohl das etwas war, was sie konnten, aber wir waren auch hin und weg. Während der Boyz II Men Teil entstand, war das andere, das geschah, dass Michael ein Orchester zum Song hinzufügen wollte.“

      Sie hätten das Minnesota Orchestra oder das St. Paul Chamber Orchestra vorgeschlagen, mit dem sie in Minneapolis bereits zusammen gearbeitet hätten. Diese hätten um die 16 Streicher gehabt. Aber Michael sagte: „Nein, ich möchte ein 80-köpfiges Orchester.“ Und: „Ich mag Elmer Bernstein sehr“. Also kontaktierten sie diesen. Etwa einen Woche, nachdem sie Bernstein den Song gesandt hatten, nahmen sie das Orchester im Capitol Studios auf.

      „Natürlich, einmal mehr, Michael beabsichtigte wieder grosses und zielte bis in den Himmel.“

      Michael wollte bis zum Schluss an Details feilen

      Sie hätten damals noch mit analogen Tonbändern gearbeitet. „Wir hatten buchstäblich ein ganzes Band nur mit der Musik. Wir hatten ein weiteres Band mit dem Orchester. Wir hatten ein anderes Band mit all den Boyz II Men Stimmen, und dann hatten wir ein weiteres Band mit Michaels stimmen.“ Normalerweise hätten sie die vielen einzelnen Audio-Spuren vor dem mixen zusammengefügt. Beispielsweise aus 20 Boyz II Men Gesangsspuren zwei Spuren gemacht.

      „Wir waren uns hinsichtlich der Mischung einig, und so waren wir es uns gewohnt. Michael wollte alles getrennt behalten. Als die Zeit kam, die Platte zu mischen, haben wir alles auf digitale Recorder übertragen. Wir benutzten Die Sony-Recorder, von denen ich glaube, dass es 48-Spuren-Recorder waren. Wir haben buchstäblich alles auf diese 18-Spur-Rollen übertragen. Dann mussten wir vier Maschinen zusammenschalten, um alles so hinzubekommen, wie er es wollte, ohne etwas zu trennen, so dass, wenn es etwas gab, das er bei einer Stimme, auf einem Streicher, auf einem Horn oder einer Harfe oder sonst wo ändern wollte, er das tun konnte.“

      Es habe kein Board gegeben, das genug gross war, um all das zu handeln. Sie seien ins Larrabee North Studio gegangen und hätten dort ein komplettes SSL-Board gehabt und dies zeitlich mit einem anderen SSL Board in einem anderen Studio abgestimmt.

      „Wir mussten zwischen den Studios hin und her gehen, um die Instrumente zu finden, die er auf- oder abdrehen wollte. Es waren die meisten Tracks, die ich je in meinem Leben mischen musste. Es war verrückt und irgendwie haben wir es geschafft. Und die andere lustige sache war, dass es der letzte Mix war, den wir gemacht haben, weil wir vier oder fünf Tage mit einem anderen Song namens Tabloid Junkie verbracht hatten, was meiner Meinung nach eigentlich der einfachste Mix aller Zeiten hätte sein sollen. Aus irgendeinem Grund dauerte dieser Mix vier oder fünf Tage und wir sagten: ‘Nein, nein. Wir müssen diesen HIStory-Mix machen. Das ist derjenige, für den wir vier oder fünf Tage investieren sollten.

      ’Die Überraschung, als HIStory erscheint…

      Sie seien dann mit dem Endresultat sehr zufrieden gewesen. „Es hatte den funkigen Teil, wo wir ihn haben wollten. Es hatte die Orchesterabschnitte und die Blaskapellenabschnitte. Wir haben ‘sounds mics’ eingebaut mit alten Radioshows. Wir haben viele dieser Dinge nachgemacht und versucht, den Song historisch zu machen, zusammen mit den alten Aufnahmen, Nachrichtenaufnahmen und all diesen Dingen.“

      „Ich denke, Michael war wirklich glücklich damit. Das wichtigste ist, dass der Künstler glücklich ist“, sagt Jimmy Jam. „Ich hörte den Song nicht mehr, bis das Album rauskam.“ Doch Michael habe nachdem sie ihn fertig gestellt hatten, nochmals etwas verändert. „Als ich den Song hörte, war Michael irgendwann reingegangen und da waren diese Handclaps auf dem Song, die er wirklich mochte, aber sie sollten nur in einem Abschnitt des Songs zu hören sein. Er verteilte sie über den ganzen Song. Die lauteste Sache auf dem Song waren diese Handclaps.“ Mir ging durch den Kopf: ‘Wenn ich gewusst hätte, dass du sie Handclaps aufdrehen wirst, so wären wir nicht derart auf all diese anderen kleinen Bewegungen fixiert gewesen. [Lacht] Das Handklatschen übertönt alles. Sie sind das lauteste Ding auf der Aufnahme. Wie auch immer, er war glücklich, wie es rauskam.“

      Er erinnere sich, wie Michael den Song auf dem HIStory Konzert in Hawaii gespielt habe. „Es war so aufregend, es in einem Stadion zu hören, mit Leuten, die dazu singen und die ganze Sache.“

      „Technisch gesehen, war das der verrückteste Mix, den wir je gemacht haben. Danach wurden die Dinge natürlich digital und Pro Tools, so, dass so etwas nie wieder geschehen ist und wahrscheinlich auch nie mehr passieren wird. Das war die Weise, wie das Lied gemacht wurde.“

      Die komplette Geschichte von und mit Jimmy Jam im Originallaut hier: okayplayer.com/originals/jimmy…talog-secret-history.html

      Anfang Januar 1997 sahen Jimmy Jam und Terry Lewis das HIStory Konzert in Hawaii und freuten sich riesig, dass Michael nebst „Scream“ auch das ebenso von ihnen produzierte „HIStory“ sang.




      Mit Boyz II Men (Background-Vocals auf „HIStory“) sang Michael sogar einst live im Fernsehen:


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