​Der Freispruch von Michael Jackson (Artikel vom 17. Juni 2005 )

  • Der Freispruch von Michael Jackson (Artikel vom 17. Juni 2005 )
    https://www.wsws.org/de/articles/2005/06/jack-j17.html

    Michael Jacksons Freispruch vom Vorwurf des Kindesmissbrauchs
    und ähnlichen Anklagepunkten ist in jeder Hinsicht zu begrüßen.
    Unabhängig davon, ob er auf einen Umschwung in der öffentlichen Meinung
    hindeutet, oder ob es sich bloß um eine isolierte Erscheinung handelt,
    die Entscheidung der Jury von Santa Maria
    (Kalifornien), die den Sänger in zehn Hauptanklagepunkten und drei
    minder schweren Delikten für nicht schuldig befand, kann sowohl in
    juristischer als auch menschlicher Hinsicht nur als korrekt bezeichnet
    werden. Im heutigen Amerika ist es leider nur allzu selten, dass in
    einem derart erbärmlichen Fall eine vernünftige und zivilisierte
    Entscheidung getroffen wird.


    Die Entscheidung der Jury, Jackson freizusprechen, kommt einer
    geharnischten Kritik an der rachsüchtigen Anklagebehörde in Person des
    Bezirksanwalts von Santa Barbara, Thomas Sneddon, gleich, der von der
    gesamten ultra-rechten Meute unterstützt wurde. Ob die acht Frauen und
    vier Männer der Jury sich darüber vollständig im Klaren waren oder
    nicht, das Urteil, das auch geringfügige Anklagepunkte abwies, ist an
    sich ein klarer Beweis für den betrügerischen und böswilligen Charakter
    der Anklage. Außerdem steht der Spruch der Jury in offenem Widerspruch
    zu mehreren Entscheidungen des Richters Rodney Melville, die den
    Bezirksanwalt begünstigt hatten.


    Jacksons Freispruch ist zudem eine Anklage gegen die üble Rolle der
    amerikanischen Massenmedien, die den Prozess gegen den Sänger
    gerechtfertigt haben und alles taten, um seinen Fall aufzubauschen. Das
    Urteil verblüffte viele Schreiberlinge, die in den letzten 18 Monaten
    alles in ihrer Macht Stehende getan hatten, um Jackson zu stigmatisieren
    und zu verteufeln.


    Unmittelbar nach der Urteilsverkündung, ehe die TV-Moderatoren und
    erlauchten Kritikaster die Möglichkeit hatten, ihre Version der Story zu
    basteln, mussten zahlreiche Fernsehreporter zugeben, was zuvor keiner
    von ihnen öffentlich eingestanden hatte - dass es niemals einen
    ernstzunehmenden Fall gegen Jackson gegeben hatte. Aber schnell fanden
    die Medien sich mit der neuen Situation ab und versuchten jetzt, die
    Bedeutung des Urteils herunterzuspielen und die Vorbehalte
    herauszustreichen, die einige Jurymitglieder wegen Jacksons früherem
    Verhalten hegten.


    Auch hier stellten die Chefredakteure und Schreiberlinge wieder ihre
    Ignoranz und unwillkürliche Feindschaft gegen elementare demokratische
    Prinzipien zur Schau. Ganz gleich, ob einige Jurymitglieder Vorbehalte
    gegen Jacksons Verhalten hatten oder früheres Fehlverhalten für möglich
    hielten, taten sie genau das, was sie tun mussten: Sie hörten sich die
    Beweisaufnahme an, diskutierten sie unter sich und kamen zum Schluss,
    dass die Anklage ihren Fall nicht über vernünftigen Zweifel hinaus
    bewiesen hatte. Gerade dieses hartnäckige Festhalten an juristischen
    Normen und demokratischen Prinzipien - einschließlich der
    Unschuldsvermutung - ärgerte das juristische und journalistische
    Establishment, das sich solcher Skrupel schon längst entledigt hat.


    Doch selbst wenn Jackson der sexuellen Belästigung schuldig gewesen
    wäre, hätte er eine so grausame Behandlung nicht verdient, wie sie ihm
    der Staat und die Massenmedien bereiteten. Diesen Kräften ist keine
    Erniedrigung zu groß und keine Entwürdigung zu weitgehend.


    Jackson machte gegen Prozessende einen erschöpften Eindruck, als bewege
    er sich am Rande des Zusammenbruchs. Sneddon verkörpert in seiner
    Brutalität das ganze Wesen der amerikanischen herrschenden Elite in
    ihrer ignoranten, rücksichtslosen und bösartigen Endlos-Verfolgung von
    allem und jedem, das auch nur entfernt nach Opposition oder
    "Gegenkultur" aussieht.


    Warum stand Michael Jackson eigentlich vor Gericht? Weil sein Lebensstil
    anders und sogar bizarr ist, weil er als schwul gilt, weil er schwarz
    ist. In der paranoiden, pornographischen Sicht der extremen Rechten,
    deren perverses Geistesleben es wert wäre, von Freud analysiert zu
    werden, stellt Jackson eine Provokation und eine Gefahr für die
    "amerikanischen Werte" dar.


    Für den Medienmainstream in den USA war der Jackson-Prozess ein
    Gottesgeschenk. Unfähig und nicht bereit, in wichtigen Dingen die
    Wahrheit zu sagen, greift die Medienwelt unwillkürlich alles auf, was
    die gesellschaftliche Atmosphäre vergiften kann. Während sie George W.
    Bushs Irakkrieg und seine Innenpolitik vollständig unterstützt, ist sie
    immer verzweifelter bemüht, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung von den
    brennenden Tagesfragen abzulenken.


    Die allgemeine Medienreaktion auf das Jackson-Urteil war gehässig,
    wenn nicht sogar verleumderisch. Ein Gast in Shepard Smith‘s Fox News
    bezeichnete Jackson als das "Teflon-Monster" und verstieg sich zur
    Aussage: "Wir brauchen IQ-Tests für Geschworene." Zahlreiche
    Kommentatoren fragten Sneddon, den Verteidiger Thomas Mesereau und
    mehrere Geschworene, ob sie nicht der Meinung seien, hier komme ein
    Kinderschänder ungeschoren davon. Das heißt, diese Elemente haben nicht
    nur die Unschuldsvermutung über Bord geworfen, ihnen bedeutet auch ein
    einstimmig von der Jury beschlossener Freispruch gar nichts.


    Nancy Grace, die ehemalige Staatsanwältin, die Abend für Abend ihr
    reaktionäres Gift über CNN verbreitet, konnte sich kaum von dem
    Jackson-Urteil erholen. Grace, die seit Monaten beteuerte, ihrer Meinung
    nach sei Jackson schuldig, eröffnete ihre Sendung mit den Worten: "Ein
    neuer Wind weht in einem kalifornischen Gerichtssaal. Im Fall Michael
    Jackson hat die Jury ein Urteil verkündet, das die Nation verblüfft:
    Nicht schuldig in allen Punkten.... Ein 13-jähriger hispanischer Junge
    hat Michael Jackson vor Gericht gebracht. Und heute Abend heißt es:
    Nicht schuldig - weil Jackson eine Celebrity ist."


    Grace hetzte gegen den Sprecher der Jury, Paul Rodriguez, und fragte an
    einer Stelle provokativ: "Was glauben Sie, hätte es noch gebraucht, um
    diese Jury zu überzeugen, dass Jackson diesen Jungen belästigt hat?"


    Debra Opri, die Anwältin von Jacksons Eltern, gab Grace endlich Kontra:
    "Nun, dies ist die bittere Pille, die Sie schlucken müssen, Nancy. Das
    ist die Wirklichkeit, und nicht das, was Sie seit einem Jahr als
    Wirklichkeit verkauft haben. Michael Jackson ist nicht schuldig. Man
    soll ihn sein Leben in Frieden leben lassen, aber nicht versuchen, den
    Fall wieder aufzurollen, und genau das ist es, was Sie hier versuchen."


    Wie schon bemerkt, stürzten sich die Medien besonders auf Bemerkungen
    eines Geschworenen, von Raymond Hultman, der es für möglich hielt, dass
    der Sänger früher im Umgang mit minderjährigen Jungen ein unangemessenes
    Verhalten an den Tag gelegt habe, auch wenn es nicht genug Beweise gab,
    ihn in diesem Verfahren zu verurteilen.


    Bezeichnend war folgender Wortwechsel zwischen Katie Couric, der
    Ko-Moderatorin der Today Show von NBC, und Jacksons Anwalt Mesereau:


    Couric : Einige Geschworene sagen, dies sei ein Nicht-schuldig-Urteil,
    kein Unschuldsspruch. Ein Geschworener sagte, er glaube, Michael Jackson
    habe andere Kinder, bloß nicht dieses eine, sexuell belästigt. Ist dies
    also wirklich die Rehabilitation, die Michael Jacksons Anhänger in ihr
    sehen?


    Mesereau : Ja, das ist sie. Macaulay Culkin kam und sagte aus, er sei
    niemals angerührt worden. Mr. Robinson sagte aus, er sei nie berührt
    worden. Mr. Barner bezeugte, auch er sei niemals angerührt worden. Ich
    meine, man hat versucht, Theorien über Mr. Jacksons Verhalten in Umlauf
    zu setzen, die in sich zusammengebrochen sind, weil sie nicht wahr sind.


    Couric : Aber finden sie es nicht beunruhigend, Mr....


    Mesereau : Ich denke, es ist eine vollständige Entlastung.


    Couric : Finden sie es nicht dennoch beunruhigend, Mr. Mesereau, dass
    ein Geschworener sagt: Ich glaube, dass Michael Jackson Kinder
    belästigt, oder früher einmal Kinder belästigt hat’?


    Mesereau : Nein. Ich finde es nicht beunruhigend, weil wir den Fall
    gewonnen haben, und wir mussten ihn auch gewinnen. Er ist unschuldig.


    Laut Meinungsumfragen glaubt weiterhin eine Mehrheit an Jacksons Schuld.
    Aber woher bekommt die Öffentlichkeit ihre Informationen? Verteidiger
    Barry Schenk wies in der Today Show darauf hin, dass die Öffentlichkeit
    den Prozess durch das Brennglas der Medien verfolgte, während die
    Geschworenen ihn direkt miterlebten.


    Die ausgekochte Verschwörung, die Sneddon Jackson vorwarf - er habe die
    Familie seines angeblichen Opfers entführt und sie nach Brasilien
    transportieren wollen - erwies sich als absurd. Mesereau konnte ohne
    Schwierigkeit beweisen, dass Familienmitglieder während ihrer
    angeblichen Gefangenschaft auf Einkaufstour waren. Die Mutter des damals
    13-Jährigen hatte sich sogar einer Schönheitskur unterzogen, und der
    Junge und sein Bruder waren beim Kieferorthopäden. Zeugen sagten aus,
    dass die Familie drei Mal von Jacksons Neverland Ranch "entwichen" und wieder zurückgekehrt sei, einmal in einem Rolls Royce, aber nie um Hilfe gerufen habe.


    Die Verteidigung legte auch unwiderlegte Beweise vor, dass die Mutter
    des Jungen von J.C. Penney eine Entschädigung von 152.000 Dollar
    kassierte, nachdem sie Sicherheitsleute beschuldigt hatte, sie
    begrapscht zu haben, obwohl die Verletzungen von Misshandlungen durch
    ihren Ehemann stammten. Es gelang Mesereau, die Mutter als geschickte
    Betrügerin darzustellen, die auch früher schon Geld für ihren
    Krebskranken Sohn aus Berühmtheiten herausgeholt hatte.


    Mitglieder der Jury sagten nach dem Prozess vor der Presse, dass die
    Mutter des Jungen einen sehr ungünstigen Eindruck auf sie gemacht habe.
    In ihrer Aussage hatte die Frau behauptet, "Killer" hätten ihr während
    ihrer angeblichen Gefangenschaft gedroht und geplant, ihre Kinder in
    einem Heißluftballon zu entführen.


    Mehrfach entpuppten sich Initiativen der Staatsanwaltschaft als
    Rohrkrepierer. Die von Sneddon als Zeugin aufgerufene Debbie Rowe,
    Jacksons Ex-Frau, erwies sich als dem Sänger recht gewogen. In seiner
    Eröffnung hatte der Bezirksstaatsanwalt der Jury angekündigt, Rowe werde
    aussagen, dass ein Video, das sie zur Unterstützung von Jackson
    aufgenommen habe, unter Druck gemacht worden sei, und dass ihr Auftritt
    genau festgelegt gewesen sei. In ihrer Aussage wies Rowe, die mit
    Jackson im Streit um das Sorgerecht liegt, diese Version zurück und
    nannte den Popsänger "meinen Freund".




    Die Anklage rief mehrere ehemalige Beschäftigte der Neverland
    Ranch in den Zeugenstand, die behaupteten, dass Jackson Anfang der
    1990er Jahre mehrere Jungen betatscht habe. Die meisten dieser Zeugen
    hatten entweder Jackson verklagt oder Geschichten über ihn an die Medien
    verkauft. Wie Mesereau im Interview mit Couric betonte, verneinten die
    Jungen, die selbst aussagten, jedes Fehlverhalten Jacksons.


    Verschiedene Geschworene erklärten gegenüber den Medien, dass die
    Staatsanwaltschaft die Anklage einfach nicht bewiesen habe. Eine der
    Geschworenen, eine Mutter mittleren Alters, sagte gegenüber der Presse:
    "Die Beweislage sagte alles. Es gab einen ganzen Haufen Beweise, die
    alle auf das gleiche hinaus liefen - es war einfach nicht genug für eine
    Verurteilung. Die Dinge ergaben keinen Sinn"


    In einer Erklärung, die vom Richter verlesen wurde, erklärte die aus
    acht Frauen und vier Männern bestehende Jury: "Wir, die Jury, fühlen das
    Gewicht der Augen der Welt auf uns lasten. Wir haben die
    Zeugenaussagen, die Indizien, Regeln und Vorschriften gründlich
    studiert. Wir sind uns unseres Urteils sicher."


    Einige Geschworene erklärten, dass sie im Verlauf des Prozesses Jackson
    immer weniger als Berühmtheit gesehen hätten. "Obwohl er ein Superstar
    ist, ist er ein Mensch," erklärte eine Geschworene. "Wenn man ihn so
    während des ganzen Prozesses gesehen hat, kommt man zum Schluss, dass er
    ein normaler Mensch ist. Er ist dadurch für mich zu einem realen
    Menschen geworden."


    Rodriguez sagte in ABC’s Good morning america, dass Jackson ihnen gedankt habe.


    "Er sah zu uns herüber. Gegen Ende der Urteilsverkündung hatte ich
    Augenkontakt mit ihm; er bewegte die Lippen und sagte deutlich `Danke’."


    https://www.wsws.org/de/articles/2005/06/jack-j17.html

  • Wie muß sich ein Mensch fühlen, der die Kinder über alles geliebt hat, selber eine Fußballmannschaft haben wollte und den man wie einen
    Schwerverbrecher behandelt hat. Er wußte, er ist unschuldig, wie verletzt muß ihn das haben. Er hat sich wie kein Anderer für die Kinder der Welt eingesetzt und gespendet, Kindern aus armen Verhältnissen Neverland zugängig gemacht und ihnen damit so manche Freude bereitet.
    Ich glaube aber, von diesen Anschuldigungen von 2005 hat er sich nie mehr richtig erholt.


    Eine Freundin von mir war mit ihrer Tochter beim Prozeß dabei, sie saß nicht weit von Michael entfernt. Für sie war es das Schönste, Michael erkannte sie, da sie immer dabei war.
    Anschließend sind sie mit dem Auto nach Neverland gefahren, wo sie Michael am Auto Geschenke zureichten. Bild dann unten.

  • ...auch die "Zeit" veröffentlichte zum Freispruch von Michael Jackson einen Bericht (16.06.2005)


    PROZESS
    Höchststrafe Freiheit


    Michael Jackson wurde für nicht schuldig befunden. Jetzt kehrt er in das Gefängnis seiner Kunstwelt zurück
    16. Juni 2005 14:00 Uhr


    Der Freispruch ist kein Freispruch. Michael Jackson ist in das Gefängnis
    seiner Kindheit zurückgekehrt. Nichts zeigte dies deutlicher als
    Jacksons letzter Auftritt selbst: Zur Verkündung des Urteils erschien er
    wie ein vorübergehend aus der Haft Entlassener. Die Wagenkolonne, die
    ihn zum Gericht brachte, war ein Gefangenentransport oder, düsterer
    noch, ein Leichenzug, schwarze Limousinen mit schwarzen Fenstern.


    Sie haben einen lebenden Toten gebracht – und wieder mitgenommen. Was
    sollte Jackson auch passieren? Es ist ihm alles schon passiert. Für
    Jackson ging es in dem Urteil nur noch darum, ob er in ein staatliches
    Gefängnis kommt oder ob er in dem Kerker weiterleben darf, den er sich
    mit seiner berühmt-berüchtigten Farm Neverland
    selbst gebaut hat. Neverland! Nur die aus Blumenrabatten gepflanzte,
    riesige Uhr zeigt, dass auch hier den Glücklichen wie den Unglücklichen
    noch die Stunde schlägt.


    Was immer die Details der Urteilsbegründung ergeben, die in den nächsten
    Wochen zerpflückt werden wird: Das Urteil ist gerecht, weil es dem
    Stand der Ermittlungen gerecht wird. Trotz der Tonnen angeblicher
    Beweismaterialien, die eine Hundertschaft Polizisten in der
    Neverland-Ranch beschlagnahmte, trotz eines kurz vor den
    Schlussplädoyers gezeigten Videos mit belastenden Aussagen des
    13-Jährigen, der durch Zufuhr von Alkohol gefügig gemacht worden sein
    soll, ließ sich der Verdacht gegen Jackson nicht erhärten. Die Jury
    hätte auch zu einem anderen Ergebnis kommen können. Es war die dünne
    Faktenlage, die den Ausschlag zum Freispruch gab. Die Geschworenen haben
    dem populistischen Druck zu Härte nicht nachgegeben und daran erinnert,
    dass auch für gefallene Popstars die Unschuldsvermutung gilt.


    Sage keiner, dies
    sei eine Selbstverständlichkeit. Der Jackson-Prozess war, obwohl die
    Öffentlichkeit aus dem Gerichtssaal verbannt wurde, ein Schauprozess im
    wahrsten Sinne des Wortes, in tragenden Rollen besetzt mit Talkmastern,
    die sich wie Richter gerierten, mit Prominenten, die sich spektakulär
    auf die eine oder andere Seite schlugen, mit einem Staatsanwalt auf
    Rachefeldzug und einem Angeklagten in strategischer Opferrolle. Dazu
    kamen investigative Journalisten, die für eine Hand voll Dollar mehr um
    Bilder kämpften. Zu den Gewinnern des Prozesses gehört allen voran der
    Besitzer eines Flachdachs in unmittelbarer Nähe des Gerichtsgebäudes.
    300000 Dollar soll er mit der Vermietung von Parzellen an die
    Berichterstatter verdient haben.


    Der "Fall Jackson" ist ein Lehrstück über die Macht geworden, die die
    Medien über die Wirklichkeit haben. Zugleich zeigt er, wie ambivalent
    die Beziehung des Publikums zu Stars dieser Größenordnung bleibt.
    Celebrities heißen die Personen, die so viel symbolische Energie auf
    sich ziehen, dass am Ende alle ihre Lebensäußerungen auch nur noch als
    Zeichen gelesen werden.


    Wenn es in Michael Jacksons Universum ein Zeichen gab, das alle anderen
    himmelweit überragte, dann war es seine Jagd nach der Kindheit. Davon
    war er besessen. Die Kindheit, so könnte man in Anspielung auf einen
    Satz von Jean Paul sagen, ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht
    vertrieben werden können. Für Jackson gilt das nicht. Er hat dieses
    Paradies in der Wirklichkeit seines Lebens nie betreten können, er hat
    es künstlich schaffen müssen. Am Anfang seines Lebens stand für ihn
    nicht Unschuld, sondern Gewalt. Der Vater hat ihn misshandelt und fürs
    Leben zugerichtet.


    Damit begann Michaels Drama. Er wurde mit harter Hand ins Leben
    geprügelt und in den Erfolg. Als der sich einstellte, schien der Vater
    gerechtfertigt: Seine Schläge waren eine Abschlagszahlung auf die
    Zukunft. Sie hatten sich rentiert.


    Das machte den Auftritt seiner Familie zur Urteilsverkündung so
    wirkungsvoll. Es war eine Inszenierung, und sie hieß: Dieser Mann ist
    kein Triebtäter, er ist selber ein misshandeltes Kind. Der Vater, der
    seinem Sohn das Leben zur Hölle gemacht hatte, stand nun als Zeuge an
    Michaels Seite. Ist es nicht die Schuld des Vaters, wenn Jackson heute
    wie eine leer gesaugte, kaum des Gehens mächtige Mumie wirkt? Aber dass
    der Sohn den Alten bei dieser Gelegenheit als Tröster und Stütze neben
    sich duldete, zeigte auch: Er hat dem Vater vergeben. Es war dieses
    Inbild familiärer Fürsorge, Abbitte, Gnade, das nach außen wirken
    sollte: Wenn der Sohn seinem Vater die Grausamkeit verzeiht, so sollen
    auch das Gericht, die Geschworenen, letztlich das Publikum in aller Welt
    seinem berühmten Star jene Taten vergeben, die nicht einmal bewiesen
    sind.


    Das ist das größte, vielleicht auch das letzte Bild, das Jackson seinen
    Fans hinterlässt. Und weil er seinem Vater den Raub der Kindheit
    verzeiht, ist für ihn selbst endlich der Weg offen in jene zweite
    Kindheit, die Neverland heißt. An Neverland
    klebt von Anfang an die ebenso große wie infantile Hoffnung, das ihm
    Vorenthaltene zurückerobern zu können. Jackson wollte sein Trauma
    unschädlich machen, deshalb suchte er das Leben vor der häuslichen
    Gewalt, deshalb stand alles im Zeichen des Unversehrten. Die
    Kindheits-Imago war der magnetische Pol im Territorium des Pop. Michael
    Jackson wurde zu Peter Pan. Aber Neverland,
    die naive Insel im Meer der Erwachsenen, wurde zu einem
    Freiluftgefängnis, ein kaltes und absurdes Paradies, eine Zuchtstätte
    manipulierter Träume.


    Nichts dokumentiert Jacksons Tragik trostloser als diese Ranch. Je
    verzweifelter er der Kindheit nachjagt, desto weiter entfernt er sich
    von ihr. Es gibt keine Rückkehr, denn die Bilder von Unschuld und
    Kindheitsglück sind längst selbst kalifornisiert und Bestandteil jener
    erwachsenen Welt, der Jackson entfliehen will. Nichts wirkt
    korrumpierter und zerstörerischer als die Techniken, mit denen Jackson
    auch körperlich versucht, sein Trauma abzustreifen und aus seiner Haut
    zu fahren. Die Serie von Operationen, die unzähligen Hautaufhellungen,
    überhaupt der Masochismus der methodischen Selbstdisziplin – es ist eine
    Gewalt gegen sich selbst, die nichts anderem dient, als in den Stand
    der Unschuld zurückzufinden.


    Die Farbe dieser Unschuld ist
    für ihn Weiß. Weiß ist Jacksons Haut geworden, weiß ist letztlich auch
    sein berühmter Moonwalk, jener schwerelos nach rückwärts vorauseilende
    Tanzschritt. Hätte er ihn gegen den schlurfenden, von fehlenden
    Schnürsenkeln behinderten Schritt eines schwarzen Strafgefangenen
    überhaupt tauschen können? In dieser Frage lag, von der Ikonografie des
    Pop her gesehen, schon eine Vorwegnahme des Urteils. Der Schlurfschritt
    ist die Geste einer weit jüngeren schwarzen Popkultur, die sich damit
    vor dem kriminellen Bruder im Gefängnis verbeugt. Hätte sich der einzige
    schwarze Musiker, der sich fast vollständig in einen Weißen verwandelt
    hat, im Gefängnis wieder einem schwarzen Code unterwerfen können?


    Nein. Man könnte mit der gebotenen symbolischen Übertreibung sagen:
    Einen Schwarzen, der so hart gearbeitet und sich den Weißen bis zur
    Selbstaufgabe genähert hat, nun zur Umschmelzung zurückzugeben in den
    Kessel, das konnten die nichtschwarzen Amerikaner, von denen die Jury
    gebildet wurde, nicht zulassen.


    Sie vermochten ihn aber auch nicht wirklich freizusprechen. Dass er, von
    der irreparabel darniederliegenden Karriere einmal abgesehen,
    glimpflich davonkam, ist begrüßenswert nur im Sinne der dürftigen
    Beweislage. Ob das Urteil auch den Tatsachen entspricht, wird wohl nie
    mehr ans Licht kommen. Zur Art der Prozessführung gehörte nämlich auch,
    dass mögliche Tatbestände unter einem Wust an Gutachten,
    widersprüchlichen Zeugenaussagen, vermeintlichen Enthüllungen und
    Gegenenthüllungen verschwanden. Wer hat noch einen Überblick über die
    hundertseitigen Anklageschriften, die im Internet kursieren? Und was
    wird dort aus ihnen, wenn sie weiter kursieren, als Kopien und Kopien
    von Kopien? Ein unerschöpfliches, unkontrollierbares Material von
    Legenden.


    Jackson kämpfte nicht nur mit Symbolen, er kämpfte auch mit den Mitteln
    des Rechts, und das ist am Ende sein Verhängnis. Denn es gibt auch eine
    Rache des Rechts. Jackson wurde freigesprochen, aber damit hat er, der
    immer seiner kindlichen Unschuld nachjagte, in den Augen der
    Öffentlichkeit seine Unschuld erst recht verloren. Der "King of Pop" ist
    auf mysteriöse Weise schuldig. Jackson hat den Prozess allein schon
    durch das Ausbreiten des Materials verloren, durch die öffentliche
    Intimisierung und Ausleuchtung seines Lebens. Der Prozess selbst war das
    Urteil, ein Standgericht in Permanenz. Er konnte ihn nur verlieren. Die
    Frage von Schuld oder Unschuld verwandelte sich für alle sichtbar in
    eine Frage der szenischen Aufbereitung vor Gericht. Dies ist die
    vorläufig letzte Lehre aus der Causa Jackson, und sie ist bitter:
    Prozesse solcher Prominenz sind wie sublimierte Kriege. Hier wie dort
    stirbt die Wahrheit zuerst.


    http://www.zeit.de/2005/25/Jackson

  • @ danceoflife, ich weiß nicht , was ich von dieser Berichterstattung halten soll, finde da sehr viel Zynismus.
    Der Prozeß war öffentlich, es wurde gelost und wer von den Fans Glück hatte, durfte hinein. Sie haben auch untereinander getauscht, damit die anderen
    auch mal mit hinein konnten.


    Wenn man das hier liest, na ich weiß nicht....


    http://www.zeit.de/2003/49/M_Jackson_N



    Eintrittskarte :

  • @ danceoflife, ich weiß nicht , was ich von dieser Berichterstattung halten soll, finde da sehr viel Zynismus.


    ... stimmt :ja ... habe den "Bericht" zu deinem link vorhin schon gelesen ... in den USA waren die "Berichterstattungen" aber noch um einiges krasser ... soweit ich das noch im Gedächtnis habe ... ein wahre Hysterie ... :never

  • ... einfach unfassbar ... :never


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    dazu auf dem allforlove.blog von Raven :


    PERSONAL REFLECTIONS, THE NEVER-ENDING MEDIA WAR, VIDEO
    THE QUESTION WE’D MOST LIKE TO FORGET: WHAT “IF?”


    Over the years, LunaJo67 has been bringing us some amazing videos. Her tireless efforts have helped to build a volume of invaluable research in the never-ending quest to learn what really happened to Michael Jackson. However, this latest brings with it a lot of painful memories.


    Although it is not something that most Michael Jackson fans like to dwell on, it remains perhaps one of the biggest “IF” questions that lurks in the backs of our minds. What “if” the verdict had gone down differently in 2005? What would have happened to Michael? What would his life have become?


    Over the years I have seen two distinct schools of thought on this subject, not necessarily from fans but from the populace in general. And they can be pretty much summed up to either one of two possibilities: Either he would be alive today (the wisdom of thought being that prison life would have forced him to clean up his act and adhere to a strict regimen, one that did not include access to propofol and Dr. Murray, obviously) or he would have died even earlier than he did. Some believe he would have committed suicide in prison. Even some members of his own family have expressed this belief. Others believe that his spirit would have been so broken that he would have died; perhaps not an immediate suicide, but that eventually, refusing food and medical care, he would have fallen into a downward spiral-with the same end result. Worse yet, he would have been vulnerable to attacks from other inmates even if isolated.


    Michael Was Stronger Than Many People Give Him Credit. But Could His Gentle Spirit Have Survived A 20+ Year Prison Sentence?I am of two minds on this. On the one hand, I believe that Michael Jackson was much tougher than people gave him credit for. He said that he had rhinoceros skin, and certainly he proved it throughout his life by how much he was able to endure. Even if wrongly convicted, I could see him using that opportunity to turn intensely inward, to grow closer, perhaps, in his faith to God. He might have even written some of his greatest work yet, for surely, the experience would have either fueled the kind of bitter anger that led to brilliant works like “They Don’t Care About Us” or to the kind of intensely raw self reflection of pieces like “Will You Be There.” However, the truth is more likely that the utter humiliation of being convicted and forever condemned in the public mind as a child molestor would have been too much. His whole life had been built on the adoration of the public and the everlasting quest for love. It was important for Michael that he be loved; it was, if anything, the single most driving force of his life. To be sure, I believe that his fans would have remained loyal to him even if he had been convicted. I believe that, even in the face of a conviction, most would have remained convinced that he had been unfairly railroaded. There would have been an outcry, for sure; an outcry against the injustice of the system. There would have been drives and petitions for appeals; there is a reason, after all, that Michael’s fans call themselves his “Soldiers of Love.”


    ...weiter im link: http://www.allforloveblog.com/

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