http://www.bz-berlin.de/kultur…-ihm-kraft-bei-der-flucht
Sebastiao Pembele
Michael Jackson gab ihm Kraft bei der Flucht
<img
src="http://www.bz-berlin.de/data/uploads/2016/06/157915387_6d82055280-768x432.jpeg"
alt="Michael Jackson gab ihm Kraft bei der Flucht">
Nun ehrt Sebastiao Pembele sein Idol mit einem Konzert in der
Mercedes-Benz-Arena. Mit einem 70-köpfigen Orchester huldigt er Michael
Jackson.
Es hört sich an wie ein modernes Märchen: Ein Junge aus Afrika kommt
nach Deutschland, muss jahrelang in Asylbewerberheimen wohnen und
bangen, ob er zurückgeschickt wird. 25 Jahre später stellt er ein
70-köpfiges Orchester zusammen und bringt in Berlins größter Arena
Michael Jacksons Musik auf die Bühne.
Doch diese Geschichte ist wahr: Der Mann heißt Sebastiao Pembele (36).
Mit „Michael Jackson. The Symphony Experience“ in der
Mercedes-Benz-Arena am 10. Juni geht sein großer Traum in Erfüllung
(Mercedes-Platz 1, Karten zwischen 50 und 80 Euro), eine Weltpremiere:
Deutsche Soulgrößen wie Mic Donet oder Rino Galiano singen Jacksons
Klassiker „Billie Jean“, „Thriller“, „Man in the Mirror“ oder „Beat it“.
Ein 70-köpfigen Orchester begleitet sie.
„Michael Jackson ist der größte Popstar aller Zeiten!“, sagt Pembele im
Interview mit der B.Z. Er ist ein großer und breiter Mann, dem man auf
Anhieb vertraut. Sein Lachen ist ansteckend, seine Begeisterung noch
viel mehr. Er ist glühender Jackson-Fan. Und das hat seinen Grund: Der
King of Pop war bei ihm, als er es ganz schwer im Leben hatte.
Vor 30 Jahren tobte in Pembeles Geburtsland Angola ein Bürgerkrieg, auch
Kindersoldaten kämpften mit. Sebastiao und sein älterer Bruder sollten
kämpfen. „Also ist mein Vater mit uns geflohen.“ Aus der Hauptstadt
Luanda kamen die Pembeles über Rom und Amsterdam nach Deutschland und
beantragten hier 1987 Asyl. Die Mutter kam erst Jahre später nach.
Damals war Michael Jacksons Musik allgegenwärtig. Seine Hits „Bad“,
„Dirty Diana“ und „Can‘t Stop loving you“ dudelten in den staubigen
Straßen von Luanda und in der Küche des Asylbewerberheims in Solingen,
wo die Pembeles untergebracht wurden. In den Gängen ahmten die Kinder
Jacksons Schritte nach, der kleine Sebastiao hatte alle Moves drauf,
natürlich auch den Moonwalk. Vom Text verstand er kein Wort, aber er
fühlte es: „Den Rhythmus, die Power, die Tiefe.“ Michael Jackson gab ihm
Kraft in der Fremde, wenn er seine Mutter, seine Freunde, seine Sprache
vermisste. Michael Jackson, das ist der Soundtrack seines Lebens.
Es ist, als wollte er heute etwas zurückgeben. „Michael Jackson war für
die Arena gebucht, bevor er starb“, erzählt Pembele. „Nun bringen wir
ihn hierher! Er verdient es!“ Das ist ambitioniert. 4000 Plätze muss er
füllen, 27.000 Euro Miete hat er für die Halle bezahlt. Sonst
organisiert er kleinere Konzerte, managt den Soul-Sänger Mic Donet. Das
Startkapital gaben ihm Freunde. Vor wenigen Wochen sprang ein Sponsor
ab.
1995: Auf einer Hebebühne in Duisburg performte Michael Jackson zum ersten Mal seinen „Earth Song“ (Foto: picture-alliance/ dpa)
Doch Pembele ist überzeugt, dass sein großes Projekt erfolgreich sein
wird. „Als mir der Arrangeur die Lieder vorgespielt hat, habe ich eine
Gänsehaut bekommen“, sagt er. „Alle kennen Jacksons Hits. Und wir
präsentieren sie in einem neuen Gewand.“ Es soll keine Las-Vegas-Show
werden, keine Imitation. „Die Sänger stehen für sich selbst. Ihn
imitieren kann eh keiner.“
Seit 2010 ist Sebastiao Pembele deutscher Staatsbürger. Wenn er heute im
Fernseher die Flüchtlinge aus Syrien sieht, sieht er auch immer sich
selbst. „Wir müssen ihnen helfen, zurück können sie ja nicht!“ Er hofft,
dass auch sie Musik haben, die ihnen Kraft gibt. Ein paar lädt er zur
Show am Freitag ein.
Bei den Songtiteln „Thriller“, Billie Jean“ und „Beat It“ hat jeder direkt die Sounds und Texte des King of Pop im Ohr.
Exklusiv in B.Z. werden 25×2 Tickets für „Michael Jackson – The Symphony Experience Berlin“ am Freitag, den 10.06.2016 in der Mercedes Benz Arena verlost.