Michael Jackson bewunderte die Musik Tschaikowskys.

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    Die Erzgebirgische Philharmonie spielte die 6. Sinfonie h-moll von
    Tschaikowsky mit tragischer Wucht. Auch Michael Jackson liebte diesen

    Komponisten.



    Von Rolf Pausch
    erschienen am 10.10.2016



    AUE. Sinfonien dieser Schwärze gibt es nicht viele im internationalen
    Repertoire. Pjotr Iljitsch Tschaikowskys Sinfonie Nr. 6 h-moll op. 74
    kam am Samstag beim 2. Konzert der Erzgebirgischen Philharmonie auf die
    Bühne des Auer Kulturhauses. Der Beifall war freundlich, denn viel Grund
    zur Freude gab es eigentlich nicht. Gerade war die vielstimmige Klage
    des Finalsatzes der Sinfonie kraftlos zerfallen und blutleer verstummend
    ins Nichts gesunken. Die 6. Sinfonie wurde in Aue zum erschütternden
    Ereignis.



    Auch Popstar Michael Jackson bewunderte die Musik Tschaikowskys. Dessen
    "Nussknacker"-Ballett fand Jackson unerreichbar genial von der ersten
    bis zur letzten Note. Aus der Zeit der Entstehung dieses Balletts, um
    1892, stammt auch Tschaikowskys nicht weniger inspirierte Sechste, die
    "Pathétique". Enttäuschung des Komponisten über den Lauf der Welt
    schwang in der Musik mit. Seine Enttäuschung über die Zerstörung von
    Mensch und Umwelt beklagte ein Jahrhundert später der "King of Pop" mit
    seinem erschütternden Earth-Song.



    Der trostlose Beginn der 6. Sinfonie mit ihren schmerzlichen
    Aufwallungen kam breit als abgründig raunende Klangwand von der
    Kulturhausbühne. Generalmusikdirektor Naoshi Takahashi und die
    Erzgebirgische Philharmonie türmten den 1. Satz immer höher zu einem
    Ungeheuer an Verzweiflung auf. Der skurril scheinoptimistische
    Geschwindmarsch des 3. Satzes steuerte wie mit eiserner Faust dirigiert
    auf eine Katastrophe zu.



    Der scharfsinnige Jackson mit seinem planetaren Talent orientierte sich
    an den besten musikalischen Schöpfungen, die humanistisch denkende,
    geniale Menschen bisher zu schaffen vermochten. Und er wollte selber
    zumindest ein Orchesterwerk beisteuern. Dazu kam es leider nicht. Dass
    das ein Verlust für die Musik der Welt ist, lässt sich leicht denken.
    Man muss sich nur Songs vergegenwärtigen wie das wütende "They Don't
    Care About Us". Dort zitiert Jackson als Symbol vom Sieg über die
    Rassentrennung das triumphale "Große Tor von Kiew" aus Modest
    Mussorgskis Orchesterwerk "Bilder einer Ausstellung".



    Josef Viorel Dragus, Jahrgang 1997, hatte vor der Pause das hier kaum
    bekannte Konzert für Violoncello und Orchester e-moll op. 85 des
    Engländers Edward Elgar (1857-1934) vorgestellt. Dragus hat die
    Fähigkeiten zu einer große Karriere. Den rezitativischen Beginn von
    Elgars Konzert ließ er gewissermaßen in ausdrucksvoller Rede vor den
    Hörern erstehen. Leichtflüssige Virtuosität bewies er im munteren
    zweiten Satz, leuchtenden Ton im langsamen 4. Satz und eine fein
    abgestufte Klangskala im Finale. Bravos waren der Lohn. Als Zugabe
    spielte Dragus aus einer Cello-Suite von Bach.



    Web-Tipp: Die beste unserem Rezensenten bekannte Einspielung der
    6. Sinfonie von Tschaikowsky ist die im Internet wenig beachtete Version
    des Staatlichen Sinfonieorchesters der UdSSR unter Jewgenij Swetlanow.
    Er gehört nicht zu den heute angehimmelten Pultstars, lieferte jedoch
    Erstrangiges. Seine Version der Tschaikowsky-Sinfonien ist in der DDR
    komplett auf Eterna-Schallplatten erschienen. www.youtube.de



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