Das Rezept des Genies: Michael Jackson und Steve Jobs
by all4michael on 8. June 2017
ORIGINAL: The Formula of Genius: Michael Jackson and Steve Jobs
Michael und Steve Jobs waren sich sehr darin ähnlich, wie sie jedes
ihrer Produkte – sei es ein Album, ein Video oder eine Single – zu einem
Event machten. Der Hype und die Vorfreude hatten viele Formen. Diese
Spannung war Teil der Marke, denn man wußte, was auch immer
veröffentlicht wird, wird hochmodern, einzigartig und von höchster
Qualität sein. (..)
“Ich denke, das wichtigste, das ein Unternehmer oder Geschäftsmann
von Michael Jackson lernen kann ist, dass etwas wirklich Großartiges zu
erschaffen, Visionen und Arbeit erfordert. Michael begann jedes neue
Projekt mit grenzenloser Leidenschaft, und diese Energie wirkte
ansteckend auf seine Mitarbeiter. Aber was diejenigen, die mit ihm
zusammenarbeiteten, wirklich beeindruckte, ist, dass er seine Ideen auch
verwirklichen konnte. Er hatte große Träume und arbeitete unermüdlich
daran, diese Träume zum Leben zu bringen.”
Joseph Vogel, in einem interview mit Business Daily
Vor ein paar Jahren, kurz nach Steve Jobs Tod, las ich seine
von Walter Isaacson geschriebene Biografie. (das Buch verkaufte sich zu
der Zeit wie warme Semmel). In dieser Zeit war ich auch sehr von allem
fasziniert, was mit Michael Jackson zu tun hatte, und ich sah die ganze
Welt durch den Filter seines Schicksals und seiner Person. Als ich die
Biografie Jobs las, konnte ich nicht umhin, Parallelen zwischen diesen
beiden herausragenden Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts zu ziehen.
Zudem interessierte mich von je her das Wesen eines Genies und ich
nutzte diese Gelegenheit, diese beiden Personen zu vergleichen, und
sozusagen eine Art „Rezeptur des Genies“ herauszuarbeiten.
Natürlich waren Michael Jackson und Steve Jobs sehr unterschiedliche
Charaktere, mit unterschiedlichen Eigenarten und Interessen. Sie waren
jedoch beide bemerkenswerte Menschen, die in ihrem Leben
Aussergewöhnliches erreichten. Dieser Erfolg fiel ihnen jedoch nicht
einfach so in den Schoß. Blickt man auf ihre Leben zurück, erkennt man
deutlich, dass sie neben ihren naturgegebenen Talenten, eine Reihe
ähnlicher Eigenschaften besassen, die ihnen dabei halfen, diese
Ergebnisse zu erreichen. Hier die auffälligsten Komponenten ihres
Erfolgs:
1. Arbeite nicht für Geld, sondern um die Welt zu verändern
Obwohl sowohl Michael als aus Steve schon in ihrer Jugend unglaublich
reich wurden, sahen sie nie den Sinn ihres Lebens im Reichtum und
persönlichem Wohlstand. Steve Jobs hatte ein wettbewerbsfähiges
Interesse daran, ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen, aber sein
Ziel war nie der persönliche Profit. Nachdem er Apple in den 80ern
verlassen hatte, verkaufte er all seine Anteile, und als er sich später
entschloss, zurückzukehren, lehnte er es ab, Geschäftsführer zu werden
und arbeitete stattdessen ein paar Jahre lang als Berater für ein
symbolisches Jahresgehalt von 1$. Er baute sich keine Paläste, machte
keine ausufernden Urlaube in teuren Resorts – für all das hatte er keine
Zeit. Er führte keine Zielgruppenuntersuchungen oder Marktforschungen
durch, denn auf die finanzielle Berechtigung von Ideen legte er keinen
Wert. Er glaubte, wenn man ein gutes Produkt herstellt, werden die
Menschen es auch kaufen. Michael spendete seine Gewinne ganzer
Welttourneen für wohltätige Zwecke – von Tourneen die körperlich
auszehrend für ihn waren. Aber seine Konzerte waren immer fantastisch,
denn der Masstab für die Qualität war nicht Geld, sondern die
Zufriedenheit des Publikums. Das erklärt auch ihre Bescheidenheit in
ihrem Privatleben. Obwohl sie Bequemlichkeiten nutzten, machten sie
keinen Kult daraus. Jobs lebte in einem fast unmöblierten Haus und
liebte es, barfuß zu gehen. Michael schlief oft auf einer Matratze am
Boden oder in einem Schlafsack.
Das scheint das Grundprinzip zu sein, um großartiges zu erschaffen –
Brillanz wird nicht aus dem Gedanken heraus geboren, möglichst großen
Profit zu machen. Um die Welt zu verändern, musst du eine romantische
Idee haben, und du musst wissen das Verlangen danach in anderen Menschen
zu inspirieren. Um die Welt zu verändern, musst du über die wunderbare
Zukunft der Menschheit nachdenken. Ein Genie des 20. Jahrhunderts muss
im Sinn der ganzen Welt denken, und mit ganzem Herzen daran glauben,
dass er/sie sie verändern kann. Weder Michael noch Steve haben jemals
daran gezweifelt. Es gibt keine Grenzen für das, was du tun kannst,
behauptete Jackson. Du musst nur an dich selbst glauben. „Ich möchte
nicht einfach nur eine Dose am Fliessband sein,“ sagte er. „Der
Schwerpunkt meines Lebens liegt darin, etwas zu verändern, unbekanntes,
unerforschtes Gelände zu betreten und dort Spuren zu hinterlassen.“ Jobs
lockte Talente mit einer einfachen Frage: „Möchtest du für den Rest
deines Lebens Zuckerwasser verkaufen? Oder willst du mit mir kommen, und
die Welt verändern?“
2. Charisma und die Fähigkeit, zu inspirieren.
Jedes Produkt eines Talents, auch wenn es von einem Genie erdacht wurde,
ist letztlich das Ergebnis einer Teamarbeit. Es reicht also nicht, die
Welt verändern zu wollen, man muss wissen, wie man diese Sehnsucht bei
anderen inspiriert. Jobs war ein sehr charismatischer Mensch, der die
Leuten um sich herum davon überzeugen konnte, dass das Unmögliche
möglich ist. Seine Kollegen machten machten Witze darüber, dass er ein
„Wirklichkeit verzerrendes Feld“ ausstrahle – Menschen um ihn herum
wurden völlig durchdrungen mit seinen Visionen und verloren die
Fähigkeit, die Dinge klar zu sehen. Michael inspirierte die Menschen mit
seinen Ideen auf ähnliche Art. Hört man seinen Mitarbeitern und
Mittänzern von TII zu, oder liest ihre Erinnerungen, erfährt man, dass
sie alle enthusiastisch Tag und Nacht daran arbeiteten Neues zu erfinden
und zu erschaffen, denn jeder hatte das Gefühl, dass man dabei war,
Geschichte zu schreiben.
3. Perfektionismus
Es ist nicht möglich, etwas wirklich cooles zu erzeugen, wenn du nicht
ein Perfektionist bist, der Unmengen von Zeit in jedes noch so kleine
Detail steckt, und andere mit dieser Detailverliebtheit auf die Palme
bringst. Denn wenn du nicht auf die Qualität deines Produktes achtest,
wird der Kunde es sofort sehen. Jobs wurde hysterisch, wenn die Computer
mit dem falschen Laufwerk zusammengebaut wurden, die einen extra
Schalter hatten. Jackson weinte, wenn sein Album nicht so klang, wie er
es sich vorgestellt hatte, und lies seine Toningenieure alles neu
abmischen. Jobs lies Erscheinungstermine platzen, in dem er endlose
Verbesserungsvorschläge für seine Produkte machte. Jackson machte 20
Aufnahmen eines Vocal-Parts, obwohl anschliessend oft die erste Aufnahme
im veröffentlichten Stück landete. Solange die Produkte nicht
fertiggestellt waren, durfte sie niemand sehen. Das Publikum sollte
nichts geringeres als vollendete Perfektion bekommen.
Und diese extrem hohen Standards galten für alle, die sie umgaben.
Michael erklärte dem besten Produzenten sehr höflich und nett, dass
keiner seiner 20 Songs gut genug war; Steve scheute nicht davor zurück
seinen Leuten mitzuteilen, dass sie Mist gebaut hatten; jeder der beiden
hatte seine ganz eigene Methode, sie wussten, wie sie das Beste aus den
Leuten herauslocken konnten. Über Jackson sagten Kollegen: „Er brachte
uns bei, alles so gut wie nur irgend möglich zu tun: Michael war
Perfektionist und wir mussten ganz von vorne beginnen und die Musik auf
die bestmögliche Art zu produzieren.“ Kollegen von Pixar schrieben über
Jobs: „Seine Stärke, Integrität und Lebensfreude machten uns alle zu
besseren Menschen.“
4. Weniger ist mehr
Durch all diese Perfektion, Abwägung von Möglichkeiten und unermüdlicher
Suche, verstanden beide dennoch den Wert von Einfachheit und
Minimalismus. Als Jobs zu Apple zurückkehrte, verwarf er die vielfältige
Produktlinie und beliess es bei nur 4 Modellen. Jedes davon musste die
einfachste Benutzeroberfläche haben, die möglich war. Er nahm denKunden
die Qual der Wahl ab, und auch die Last, unnötige Dinge erlernen zu
müssen. „Steve Jobs hat einen leistungsstarken Computer entwickelt, den
selbst ein 60-Jähriger ohne Anweisung benutzen kann,“ schrien ein Editor
von Forbes. „wenn das keine Magie ist, dann weiß ich es auch nicht.“
„Melodien müssen einfach sein“, sagte Michael Jackson gerne über seine
Kunst. Eine großartige Melodie ist die, die selbst ein Kind singen kann.
In den geräumigen Hallen der Applestores stehen nur 4 Modelle auf den
Tischen, aber die Auswahl zwischen diesen vier macht viel mehr Freude,
als unter 44 auszuwählen. Jackson veröffentlichte 7 Alben in 30 Jahren,
aber jeder darin enthaltene Song war perfekt. Jedes Produkt der kurzen
Liste von Apple ist für den Nutzer ideal. Jedes der 7 Alben Michaels ist
kostbar. Und das ist der Grund, warum jede Ankündigung eines neuen
Apple Produkts, genau wie jede Ankündigung eines neuen Michael Jackson
Albums, immer ein großes Event war.
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