Hi zusammen,
okay, ich poste nicht so oft hier *g*. Aber... ich suche ein Forum, wo man etwas niveauvoll ansprechen und sich Gedanken machen kann. Mal sehen, vielleicht könnt ihr an einer entsprechenden Diskussion gefallen finden.
Mich hat in den letzten Tagen ein Thema wieder mal ziemlich beschäftigt und zwar weil ich mich selbst mit der Frage herumgeplagt habe. Die meisten hier wissen ja, was ich beruflich mache. Ich 'musste' jedenfalls am Freitag die Stuttgarter Therapietage ( http://www.alber-stiftung.de/stt06/ ) vor ca. 300 Leuten mit einem Eingangsvortrag zum Thema 'Lebensfreude' eröffnen.
Da stand ich nun *g*... und bei Lebensfeude, da kommt mir Michael schon ziemlich schnell in den Sinn. Wie vieleln Menschen er schon Freude am Leben (wieder)gegeben hat, wie sehr er es schafft (oder zumindest geschafft hat), trotz seiner schweren Situation, Freude an kleinen Dingen zu erleben...
Ich habe den Vortrag letztlich so aufgebaut, dass ich nebenher auf Großleinwand einen Film mit langsamwechselnden Bildern zum Thema Lebensfreude gebeamt habe. Hier ist er auf yourtube, falls es wen interessiert. Ist nicht die ganz endfültige Version, aber das Wesentliche ist geblieben.
http://www.youtube.com/watch?v=ExKNgOvRq2M
Da ist unter allen möglichen Bildern eines von Michael, das mir passend erschien. Und ich habe den Vortrag sogar noch mit einem Zitat von den Bambies abgeschlossen:
"Oder auch mit den einfachen Worten, die ich einst von einem weisen Mann gehört habe: 'Enjoy yourself, be happy and have fun.'"
Ich muss ganz ehrlich sagen - und ich denke, in diesem Forum hier kann man das ernsthaft diskutieren - dass es mir wirklich extren schwer gefallen ist, diese beiden Dinge zu tun. Ich habe Michael dann auch in letzter Minute noch 'verleugnet', indem ich ihn zu einem 'alten weisen Mann' gemacht habe. Sonst will natürlich gerade in so einem Publikum jeder wissen, wer dieser weise Mann gewesen ist. Ein 'alter Weiser' ist eher ein feststehenendes Bild.
Und dann vor allem das Bild von Michael vor einem Fachpublikum - ich hätte da unter Umständen wirklich Ärger bekommen können und habe mir zig mal überlegt, ob ich das so tun soll oder nicht.
Und immer wieder denke ich, Michael hat seinen Wert in und auf der Welt, er hat nichts verbrochen, und man muss sich eben seiner nicht schämen. Ich weiß nicht, wie ihr das seht. Trotzdem ist es total schwer, ihn auf so eine seriöse Art ins Weltgeschehen zurückzurufen. Das aber war ja gerade das, was mir dabei wichtig war. Ihn in einer Diskussion mit Freunden/Bekannten/Kollegen verteidigen, das kann ja jeder (selbst wenn schon das manchmal schwer fällt). Mir war es aber wichtig, ihn durch das eigene Wesen und 'Wirken' auf eine andere Ebene zu holen. Ihn durch eine kleine Geste in die Welt im Sinne von 'Lebensfreude' zurück zu holen, als ein Symbol für etwas, das nichts mit Skandalen etc. zu tun hat. Und sein wunderbares Zitat, das doch ganz Deutschland gehört hat und doch kaum jemand verstanden oder sich gemerkt hat.
Finde es total schwer, das zu beschreiben, v.a. auch meine Gefühl dabei zu beschreiben. Es war schon ne große Sache und für mich auch wirklich ein großes Risiko. Ich war so nervös vorher, das könnt ihr euch nicht vorstellen, und v.a. war ich wirklich wegen dieser Michael Jackson-Bezüge so nervös. Ich hatte wirklich Angst. Und das finde ich das Schlimme. Wenn man Angst haben muss, anstatt auf ihn stolz sein zu können.
(da geht es mir jetzt auch nicht um den Musiker, sondern das andere, das er auch präsentieren will, den Wohltäter und Revolutionär, der weiter denkt, als der normale Popstar.)
Ich denke mir nur, wenn wir es nicht tun, oder wenn wir nicht anfangen, es zu tun, also Michael vorsichtig aus seinem Sumpf heraus zu heben und hinauf auf ein 'Plateau', das ihm angemessener ist. Ihn auf einer guten Ebene würdigen für das, was er ist - wenn wir das nicht tun, wer soll es dann tun? Klar, in 100Jahren wird sich das von alleine richten, aber wollen wir bis dahin warten? Und mir 'Wir' meine ich jetzt Leute, die ihn und sich dabei nicht lächerlich machen, sondern die die Möglichkeit haben, andere auch zum Nachdenken zu bringen.
Ich nehme das 'Ergebnis' mal kurz vorweg: Das Publikum war durch die Bank begeistert. Ich denke, ich habe auch beim Vortragen sehr vieles von Michael übernommen. Einfach in der Art und davon, Stimmung zu transportieren. Dafür muss ihm wirklich auch mal gedankt sein! Das Feedback war jedenfalls der Hammer! Von allen Seiten, auch wo ich es nie gedacht habe. Noch bis heute, zwei Tage später. Meine engeren Kollegen, niedergelassene Kollegen, Supervisoren, Instituts- und Ambulanzleitung - alle echt angetan. Und niemand hat sich über 'den Jackson' gewundert oder sich deswegen muckiert. Nicht mal gefragt. Meine engeren Kollegen waren schon etwas pfiffiger. Wir sind dann noch zusammen gesessen am Freitag abend, und da kam schon die Frage: "War der weise alte Mann wirklich alt?" Und so weiter. Sie haben mich da schon durchschaut, weil sie im Bilde sind. Und auch dass ein Bild vom Mike dabei war, haben sie angemerkt, aber diesmal sehr respektvoll und einfach als 'du hattest da ja sogar ein Bild von Michael Jackson dabei.' Und ich im Joke: 'Ehrlich?? Wie kam das denn da rein?' *gg*. Das war völlig in Ordnung. Ganz anders als das ewige Kämpfen: hat er nun ein Kind angefasst oder nicht?!
Wollte euch an sich fragen, wie ihr das seht. Bezieht ihr Michael in euer berufliches und weiteres Leben ein? Bekommt er dort auch einen Platz und wirkt durch euch weiter? Auch so, dass Menschen ein anderes Auge für ihn bekommen?
Ich denke, vor den Michael hinzustehen und mit großen Augen zu sagen 'Juuhhuuu... Ich habe mich immer für dich eingesetzt!!', das würde jeder von uns. Nur - tun wir es auch in Situationen, in denen wir es könnten, wo es uns aber wirklich schwer fällt? In denen wir selbst dadurch ein gewisses Risiko tragen?
Ich bin sehr froh, dass es so gut gegangen ist - aber die Frage bleibt bestehen. Ich weiß auch nicht, wie oft ich die Kraft dazu hätte, ehrlich gesagt. Weil es echt ein Act war, und ich hätte es viel leichter haben können: einfach den Jackson nicht erwähnen...
LG
Stormy