Beiträge von hpduesi

    Grad hab ich eine lange Antwort geschrieben - und dann stürzte beim Absenden der Computer ab. Drum fasse ich mich diesmal kürzer.


    Also, wegen dem Titel muss ich mich insofern selber an der Nase nehmen, als mir einfach nichts einfallen wollte, was beiden, mir und dem Verlag, gefiel, und dann war plötzlich der Arbeitstitel des Verlages zum definitiven Titel avanciert, und jetzt war's zu spät. Beim Bild hatte ich überhaupt nichts zu sagen - das ist in der Branche wohl üblich.


    Von wegen des Inhaltes. Ich nehme an, dass die Ereignisse über das letzte Jahr hinweg etwa einen Drittel des Buches füllen werden, die Berichte der Fans und meine Bemerkungen zum Phänomen "MJ-Fan" den Rest (und ich verspreche es: keine faulen Sprüche!).


    Etwas ganz anderes: ich würde sehr gern auch eine internationale Perspektive dreinbringen, sprich, ein paar Fans aus nicht-deutschsprachigen Ländern zum Wort kommen lassen. Aber da renne ich derzeit auf eine Mauer ein. Bei mjjboard.com haben sie mich zwar meinen Aufruf - die deutsche Version auf englisch übersetzt - ins Forum stellen lassen. Eine gute Woche ist seither verstrichen, und ich habe keine einzige (!) Reaktion bekommen. Bei mjj2005.com haben sie mich nicht einmal einschreiben lassen, und ein Brief an den Administrator blieb unbeanwortet. Bei kingofpop.com hat sich gerade jetzt jemand gemeldet, der herauszufinden versucht, warum meine Anmeldung auch hier abgeblockt worden ist. Langer Rede kurzer Sinn: wenn jemand von Euch einen MJ-Fan im nicht-deutschsprachigen Ausland kennt, wäre ich sehr dankbar für eine Kontaktvermittlung. Ich würde diesem dann den gleichen Fragebogen auf englisch schicken.


    cheers!

    Also, liebe Leute, ich bin grad völlig überwältigt! Das ist nun wirklich supertoll, wie Ihr auf meinen "Hilferuf" reagiert habt. Bereits haben mehr als vierzig Fans die Fragen angefordert. Und was mich noch mehr freut: alle, die den Bogen bereits ausgefüllt zurückgeschickt haben, haben sich total Mühe gegeben und ihre Gedanken ausführlich und sorgfältig zu virtuellem Papier gebracht. Also, Euch allen schon jetzt ein ganz grosses Dankeschön! Und: je mehr desto besser.

    Eine kurze Bemerkung zur Einteilung positiv/negativ: Das gab halt zum Schreiben einen nützlichen Rahmen ab. Dass man oft nicht so klar in "positiv" und "negativ" einteilen kann ist klar. Doch fand ich es interessant, wie oft die Wurzeln eines Desasters in den positiven Zeiten zu orten waren. Dass MJ zum Beispiel gerade der Erfolg von "Thriller" sehr zu schaffen machte. Auch das Verhältnis zur Mutter ist bei mir eher in den "negativen" Seiten zu finden. Ich halte ihren Einfluss mit dieser ganzen Dulderhaltung und Hierarchiegläubigkeit weiterhin für ziemlich verhehrend.

    Liebe Michael Jackson-Fans,


    wie Euch ja nicht entgangen ist, führten die tragischen Umstände im letzten Juni dazu, dass mein "Black Or White"-Buch unversehens zum Bestseller wurde. Nicht ganz unverständlicherweise war der Verlag nun sehr erpicht darauf, dass ich ein zweites MJ-Buch schreiben würde, diesmal über die letzten Monate seines Lebens und die Umstände seines Todes. Ich habe mich gegen diese Idee gesträubt. Ich glaubte - glaube - nicht, in der Lage zu sein, über diese traurigen Ereignisse viel Material finden zu können, das noch einigermassen vertrauenswürdig erscheint und noch nicht überall breitgeschlagen worden ist.


    Dann aber meldeten sich immer mehr LeserInnen bei mir, um mir ihre Erlebnisse als Fans von Michael Jackson zu schildern. Mit einigen traf ich mich zu Bier und Kaffee, mit anderen kam es zu einem e-mail-Austausch. Ich fand ihre Schilderungen ausnahmslos sehr spannend und verfiel schliesslich auf die Idee, ein Buch zu schreiben, in welchem es zu gleichen Teilen um Michael und um seine Fans geht. Ich erkannte, dass MJ-Fans irgendwie anders motiviert zu sein scheinen als z.B. Marilyn Manson- oder Rolling Stones-Fans, dass zwischen ihnen eine andere Art von Zusammenhalt besteht. So möchte ich nun mit dem zweiten Buch dem Phänomen "Michael Jackson-Fan" nachspüren und zeigen, was diese Fans zu MJ-Fans gemacht hat. Darstellen, was ihnen MJ geschenkt hat fürs Leben.

    Im Mittelpunkt dieses Unterfangens stehen denn natürlich die Stimmen der Fans. Weil ich nicht mit allen persönlich sprechen kann, habe ich einen Fragebogen zusammengestellt. Ich wäre Euch allen sehr zu Dank verpflichtet, wenn Ihr Euch ein bisschen Zeit nehmen könntet, ihn auszufüllen. Es müssen keine langen Romane herauskommen, es reichen Stichworte. Es müssen auch nicht alle Fragen beantwortet werden, einfach die, die Euch wichtig erscheinen. Wichtig ist mir halt, dass möglichst viele Stimmen zusammenkommen, um einen schönen Ueberblick zu gewährleisten.

    Ich bin mir noch nicht ganz im Klaren, wie genau ich die Kapitel über die Fans gestalten werde. Je nach Anzahl der Antworten könnte ich mir zum Beispiel vorstellen, dass auf jeder Seite quasi als Fussnote ein Fan-Zitat erscheinen wird. Selbstverstänlich werde ich die Namen und den Ort der "Zitatlieferanten" angeben, es sei den, diese würden es vorziehen, anonym zu erscheinen.

    Also, please: es würde mich very much freuen, wenn ganz viele von Euch hier mitmachen würden. Wer es tun will soll sich bitte bei mir melden und ich schicke postwendend die Fragen: hpduesi@aol.com


    mit schönsten Grüssen aus London,


    Hanspeter Künzler http://www.hanspeterkuenzler.com

    Schönsten Dank, liebes Forum, für die (auch indirekte) Beschäftigung mit meinem Buch. Ich muss mich nun doch ein bisschen wehren.


    1) Wie ich schon bei meinen ersten Beiträgen an dieser Stelle gesagt habe ging es darum, eine Biographie zu schreiben für den zufälligen Passanten, der nicht die 700 Seiten Taraborrelli durchforsten will (der ja offensichtlich den wahrhaft eingefleischten MJ-Fans auch nicht passt).


    2) Ausser den wirklich nicht sehr tiefgründigen Festellungen von Adrian Grant und einigen anderen eher allgemeinen Zitaten gibt es ja in den letzten 25 Jahren keinen ausführlichen O-Ton von Michael, ausser den Interviews mit Oprah Winfrey, Jesse Jackson, Baschir (da sind wir uns alle einig - ein Schwein) und Ebony. Darum ist ja das MJ-Forum so spannend - man kann ungemein viel spekulieren und argumentieren. Aber Facts? Very difficult.


    3) Ein bisschen verwundert mich schon die Feststellung, man erfahre in dem Buch nichts Neues. Also, mal ehrlich: all die Motown-Hintergründe, die Stories über Motown und Geld, Motown und Zeitgeist, Homophobie in der schwarzen amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, Neverland-Fantasien bei den Zeugen Jehovas, etc. ist das wirklich Allgemeinwissen? In meinen Augen auf jeden Fall von grundsätzlicher Wichtigkeit für ein Verständnis von Michael's Perspektive.


    4) Man erfahre nicht genug über die spätere Musik. 250 Seiten - da musste ich Entscheidungen treffen. Persönlich finde ich "Dangerous" und die zweite CD von "History" echt nicht halb so spannend wie "Blood on the Dance Floor". Von wegen "Hoch-Zeit": da kann ich ganz und gar nicht einig gehen. Die Alben mögen interessante Musik beinhalten, aber im Rahmen dessen, was MJ zur Ikone machte - die Sprünge über die Grenzen hinaus vor allem - wirken sie in meinen Augen einfach nicht mehr so wegbereitend wie die Musik davor. Da gab es dann einfach schnell auch andere Leute, die mit ihrer Pionierarbeit in neues Unterholz vorgestossen sind (das Wort "Prince" sei hier nur hinter vorgehaltener Hand hingehaucht). Ich glaube, das habe ich auch geschrieben und so argumentiert. Betreffs "Invincible" - persönlich finde ich das Album nicht zum Aushalten, weil der Pionier MJ hier zum Nachahmer verkommen ist (aber so bös war ich Buch nicht, oder?). In halber Länge wäre das Album in meinen Augen sehr viel überzeugender rübergekommen.


    5) Abgeschrieben bei Margo Jefferson: da muss ich schon sehr protestieren. Was ich an Margo Jefferson's Buch hochinteressant gefunden habe ist das Kapitel über MJ und den amerikanischen Zirkusmeister Barnum. Da habe ich dann noch weiter geforscht (wer kennt schon in Europa die Bedetung dieses Mannes?) und daraus - glaube ich - ein paar eigene Schlüsse gezogen. Interessant finde ich an dem Vorwurf, dass Jefferson nicht der Vorwurf gemacht wird, seitenlange Passagen von Taraborrelli abgekupfert zu haben. Wenn sich andere Thesen ähneln zwischen Margo Jefferson's Buch und meinem, dann wohl eher deswegen, weil sie eben auf der Hand liegen. Und bei dem einen, unwiderstehlichen "steal" - nämlich, dass Joe Jackson aussehe wie Blacula - habe ich die Quelle auch sofort angegeben!


    6) Ein allgemeiner Gedanke: in meinen Augen hat es sich Michael von dem Moment an, wo er unermesslich viel Geld hatte, wahnsinnig einfach gemacht. Wenn ein Kommunikationsproblem mit Medien, Fans oder auch Geschäftsleuten auftauchte, plädierte er auf "ich will ja nur den Frieden zwischen allen Rassen etc.". Er hat sich in der Oeffentlichkeit auf keine Konflikte mehr eingelassen bis zu seinem in meinen Augen absolut verständlichen aber hoffnungslos ungeschickt aufgezogenen "Mottola-is-the-Devil"-Auftritt. Ja, das war halt Michael. So wie man - die Fans! - ihn liebten. Wenn man da die eine oder andere Frage aufwirft, heisst das nicht, dass man Michael nicht zu schätzen weiss, nur, dass man nicht ganz alles, was er uns aufgetischt hat, für bahre Münze nimmt.


    7) irgendwo - nicht in diesem Forum - ist als Beweis, dass das Buch Blödsinn sei, das Beispiel erwähnt worden, dass die Beschreibung von Michaels Liebe zur Mutter in den "negativen" Seiten erscheine. Nun - da und dort habe ich meine Zeilen auch als Gedankenanregung gedacht. Michaels Liebe zu seiner Mutter - schön. Aber ich glaube, die Mutter hat ihn genauso "verkauft" wie der Vater. Dadurch, dass sie Michael diese Zeugen-Jehovas-Doktrin eindrillte und gleichzeitig nichts zu unternehmen vermochte, den Vater von seinen Power-Drills abzuhalten, ist sie - und die ganze, verquere "Liebesgeschichte", die doch eher eine fatale Abhängigkeitsgeschichte ist - nicht minder negativ im Effekt als des Vaters Prügellust.


    8) "Ich bin der Meinung wer etwas anderes bei einer MJ Pressekonferenz erwartet als "Thank you all, i love you". Der hat sich nicht wirklich mit Michael beschäftigt...". Ein weiteres MJ-Paradox: sich immer, wenn ihm jemand zuhört, wo er den Kontext kontrolliert, beschweren, dass er missverstanden werde - aber dann die Möglichkeit sich zu äussern nicht zu ergreifen, die er sich notabene selber geschaffen hat! Wobei, please, ich muss nochmal drauf hinweisen: es ist etwas völlig anderes, ob man als Fan stundenlang vor der O2-Arena steht und mit anderen Fans Party macht, oder ob man als "Medienprofi" nach ewigen Identitäts- und Waffenkontrollen in seinem Käfig sitzt und sich nicht mehr bewegen darf, nicht einmal aufs WC gehen kann. Als Medienprofi spürt man in der Situation vor allem Mangel an Respekt, wenn man (wie es den Photographen passierte) fünf Stunden lang eingepfercht ist, ohne sich bewegen zu können (das sitzt einfach tiefer, wenn man von einem Künstler so behandelt wird, der sich seit dreissig Jahren über mangelnden Respekt ihm gegenüber beschwert hat; ganz klar: Journalisten sind nicht Michael Jacksons, die dürfen durchaus mal ein bisschen warten - aber was zählt ist "der Vibe", es wäre auch viel, viel freundlicher gegangen). All diese Medienprofis haben dutzende von solchen Empfängen hinter sich - selten sind wir so schlecht behandelt worden wie bei dem MJ-Event. Und das hinterlässt Spuren. Spuren, dich man in MJ's Medien-Rezeption bis in die frühen 80er Jahre zurückverfolgen kann. Solcher momentaner Zorn (wie von mir damals im Blog geäussert) hat aber keinerlei Auswirkung auf die Einschätzung der Musik und überhaupt der Bedeutung von MJ. Sie verfärbt höchstens ein bisschen meine Einschätzung von MJ als ein Mann, der wusste, wie man mit dem Pop-Business sachdienlich umging. Aber - wiederum - klar: Ein Stützpfeiler für die Bedeutung und Wirkung von MJ ist der, dass er die Starmaschinerie im gewaltigsten Hollywood-Stil für sich beanspruchte und es schaffte, die Medien dazu zu bringen, tägliche Freak-Stories über ihn abzudrucken. Und dass er es gleichzeitig schaffte, die Fans dazu zu bringen, diesen Freak-Stories keinerlei Glauben zu schenken. Daraus entwuchs eine "everybody against us"-Dynamik, wie sie Manchester United zu mehreren Fussballmeister-Titeln befördert hat. Solche Polaritäten setzen gewaltige Kräfte frei.


    9) Bruce Swedien: ein bisschen ein Muss, aber doch nicht unbedingt so ein grosses Muss, wie's ausschaut. In der neuesten "Elvis"-Ausgabe des englischen "Record Collector" ist ein Interview mit ihm abgedruckt. Dort lesen wir, dass MJ sehr viel selber beigesteuert habe zu den QJ-Sessions (aber das wussten wir ja - und QJ ist da immer noch nicht ganz gleicher Ansicht), dass er mit Bubbles und Muscles im Studio aufgetaucht sei, und dass die Sessions extrem kreativ ausgefallen wären (für Techniker soll das Buch allerdings ein gefundenes Fressen sein, viel "Talk" über spezifische Mikrophone und Aufnahmetechniken etc). Auch das haben wir schon gewusst, oder?


    Aber es ist echt so: was wissen wir? was nicht? In meinen Augen wirkte das Frank Dileo-Interview, auf das in diesem Forum letzthin aufmerksam gemacht wurde, absolut glaubwürdig. Und dann steht am nächsten Tag in der englischen Presse, der Arzt habe nicht $ 150'000 pro Monat bekommen, sondern $ 80'000.


    es grüsst herzlich
    hpk

    Gemäss dem oben erwähnten Buch - "The Trials of Michael Jackson" - musste er im April 2006 die Hälfte seines noch verbliebenen 50%-Anteiles an Sony ATV an Sony abtreten:


    "To avoid foreclosure and therefore the loss of his entire stake in Sony ATV, Jackson agreed to sell half his shares to Sony, which would give the Japanese 75% of Sony ATV and control of the company. Fortress's risk was now underwritten by Sony. Moreover, the Japanese didn't even have to shell out any cash immediately. They could exercise their option at any time of their choosing up until 2009..." (Seite 150).

    Ich finde das Buch hochinteressant. Es rollt wirklich die ganze Sony/CBS/Yetnikoff/Mottola-Geschichte von A - Z auf und nimmt kein Blatt vor den Mund. Ich habe mich mit dem Autor in Verbindung gesetzt. Er erklärte mir, Sony habe das Werk einfach ignoriert - was er/ich als Zeichen dafür erachtet, dass das, was darin steht, nicht so weit von der Wahrheit entfernt sein kann. Seine Angaben betreffs Darlehensbeträgen und Kaufkosten (von ATV) differieren zum Teil von denen, die Taraborrelli angibt - da Guest seine Ziffern über seine direkten Insider-Kanäle bezogen hat, habe ich mich diesbezüglich an seinen Text gehalten (nur um schon jetzt Protesten von Taraborrelli-Fans entgegenzuwirken!).


    hpk

    Aloha!


    Ich versteh natürlich gut, wie Streetwalker ob meines Blog.-Textes über das "Announcement" auf seine Schlüsse kommt. Ich hab aber über meine Arbeit an dem Buch seither ein, zwei weitere Kommentare gepostet (wenn ich mal zwei Minuten Zeit finden konnte!), und ich würde meinen, dass die doch ziemlich anders getönt haben. Ein Blog ist ja sowas wie ein Tagebuch, und an dem Abend nach dem Announcement hab ich mich halt so gefühlt - drum gehe ich den Eintrag auch nicht nachträglich ändern, selbst wenn er ein paar Leute vom Kauf meines Buches abhalten könnte. Den "Prize-plonker" hab ich in dem Sinn gemeint, dass MJ hier eine grosse Chance hatte, die Medien mit ein bisschen Charme für sich zu gewinnen, dass der Schuss aber dann doch wieder hintenhinaus gegangen ist (bei den Medien mindestens).


    Wie jemand anders richtig festgestellt hat, ist das Buch nicht unbedingt für Fans gedacht, die schon "alles" wissen. Es soll eher eine Chronik sein über sein Leben, verbunden mit dem Versuch, den Werdegang von Michael und überhaupt der Jacksons in einen historischen Kontext zu stellen. Auf gar keinen Fall ging es mir darum, Klatsch aufzurollen, einfach nur um Klatsch aufgerollt zu haben. Wobei ich natürlich auch die eine oder andere These aufzustellen gewagt habe, die dem einen oder anderen MJ-Fan krumm in den Hals geraten könnte...


    hpk

    Die Orientierung für die Journalisten war vorher einfach schlecht. Selbst als wir da angekommen sind, wusste niemand über nichts Auskunft zu geben. Mir wurde jedenfalls vorher klar gesagt, ich solle eine PK erwarten. Zu dem Zweck wurden von den Organisatoren auch hervorragende Aufnahme- und Wiedergabemöglichkeiten bereit gestellt. Wenn es auch schon irgendwie klar war, dass Michael nicht viel sagen würde, so hatten wir uns doch ein paar Worte mehr von anderen Leuten erhofft. Die einzigen schriftlichen Unterlagen, die wir bekamen, bestanden in einem Flugblatt, das über die unglaubliche Erfolgsgeschichte der Firma AEG und die O2 Arena schwärmte. Wenn es nichts zu sagen gibt als das, was man bereits vorher der Boulevardpresse zugespielt hatte, warum dann eine Presse-Orientierung nicht erst dann organisieren, wenn's etwas mehr zum Mitteilen gibt? Ich kam ja noch glimpflich davon: weil ich mich nicht an die Anweisungen hielt, musste ich nur zwei Stunden herumstehen (ohne z.B. aufs WC gehen zu dürfen! - wer raus musste, kam nicht wieder in die Medien-Enklave rein). Die Photographen waren alle mindestens fünf Stunden auf einer winzigen Tribüne eingesperrt. Nach fünf Stunden mit dem gleichen Material dazustehen wie jeder andere Photograph oder Schreiber es auch hat, ist besonders für einen Freischaffenden bitter.


    Die miese Laune hatte also wenig mit Michael selber zu tun, viel mehr mit der Organisation. Es ist aber schon komisch, wie es rundum Michael und die Jacksons immer wieder unnötige "Troubles" gegeben hat im Umgang mit den Medien. Bei einem Elton John oder einer Tina Turner, die sich in einem ähnlich hehren Star-Firmament tummeln, scheinen sich die Dinge über die Jahre hinweg wesentlich reibungsloser abgespielt zu haben.

    Aloha!


    Also, als erstes möchte ich doch gern festhalten, dass ich ganz und gar kein Michael Jackson-Hasser bin.


    Ich verstehe natürlich, warum der Eindruck aufgekommen ist: mein Eintrag auf meiner Website für die PK in der Londoner O2-Arena ist ja schon ziemlich aggressiv. Aber so habe ich mich an dem Abend gefühlt: vollkommen verarscht. Ich habe es echt nicht verstanden - verstehe es auch jetzt noch nicht - warum Michael die Gelegenheit, auch ausserhalb der innigsten Fankreise für "positive vibes" zu sorgen, so hat vermasseln können. Drei Minuten reden und dabei wirklich nichts sagen, was irgendwie über den Inhalt einer Boulevardschlagzeile hinausgegangen wäre: eine grosse, grosse Chance verpasst, würde ich sagen (zumal vorher die Rede von einer Pressekonferenz gewesen war). Der Medienkorps war nachher begreiflicherweise stinkesauer. Und zu diesen Stinksauren habe ich eben auch gehört.


    In der Zwischenzeit hat sich meine Meinung über jenen Event nicht geändert. Hingegen bin ich dem Verleger, der mich danach beauftragt hat, ein Buch ber Michael zu schreiben, wahnsinnig dankbar. Ich habe Michael in den letzten paar Jahren aus den Augen verloren, das gebe ich zu: all der Klatsch und die Marsmenschenstories haben mich nie besonders interessiert. Dazu hat mich mein Musikgeschmack nach meinen "funky eighties" in andere Richtungen getrieben (was aus meinem Blog ebenfalls ersichtlich sein dürfte). Dass ich im Verlauf meiner Arbeit an dem MJ-Buch nun all meine alten Soul- und Funkplatten wieder hervorholen durfte, war ein echter "eye-opener". I absolutely loved it. "Off the Wall" ist so brillant wie eh und je, nein, eher noch besser, denn dreissig Jahre später wirkt das Album immer noch unglaublich frisch. Und dann gibt es da ja auch noch gewisse andere Werke...Nur mit "Invincible" kann ich noch immer nichts anfangen. Und Jarvis Cocker finde ich noch immer witzig.


    Anyway. Ich hatte keinerlei Absicht, Michael mit meinem Buch in die Pfanne zu hauen. Ich habe es auch nicht getan. Ich habe versucht, auf Grund der Quellen, die mir zur Verfügung standen (eben zum Beispiel keine taufrische Pressekonferenz mit Originalzitaten), ein Buch zu schreiben, das die Jacksons im allgemeinen und Michael im besonderen in einem Kontext placiert, der seine zum Teil ja schon ziemlich eigenartigen Entscheidungen und Taten irgendwie verständlicher macht. Natürlich kann ich nicht sagen, ob mir das gelungen ist. Auch weiss ich sehr gut, dass die gestandenen Fans, die in Foren wie diesem seit Jahren Informationen austauschen, in meinem Buch nicht unbedingt Fakten finden werden, über die sie nicht schon seit Jahren in- und auswendig Bescheid wissen (naja: fürs Ne-Yo-Zitat über die Arbeit mit Michael am neuen MJ-Album würde es einen Hacker gebraucht haben, der sich in meinem Computer umgesehen hat). Hingegen hoffe ich, dass selbst der Fan, der "alles hat", in meinem Buch wenigstens ein, zwei Gedanken findet, die er anderswo noch nicht angetroffen hat. Zum Beispiel finde ich es eigentümlich, dass überall so viel Rummel gemacht wird um die verpasste Kindheit von Michael (er selber redet darüber ja auch genug oft), dass aber nirgends über die verpassten Teenager-Jahre geredet wird. Sicher: die Kindheit steht vor dem Teenager. Aber man stelle sich vor: nie Teenager gewesen zu sein!?


    Uebrigens: von wegen Herrenhaus umbauen lassen und allem Drumherum, die Meldung glaube ich ja auch nicht so ganz...


    Nun denn, ich wünsch rundum all the best,
    hpk