Vincent Patersons Zusammenarbeit mit Michael Jackson
by all4michael on 9. March 2021
Der Choreograf Vincent Paterson erinnert sich an die Jahre, in denen er mit Michael Jackson zusammen an unterschiedlichen Projekten gearbeitet hat.
Vincent Patersons Zusammenarbeit mit Michael begann als Tänzer in den Videos zu Beat It und Thriller. Später war er verantwortlich für die Choreografie weiterer Videos, wie Smooth Criminal, The Way You Make Me Feel, Black Or White und Blood On The Dance Floor. Aber seine Mitarbeit bezog sich nicht nur auf die Kurzfilme. Er arbeitete auch an der Choreografie der Bad World Tour, Michaels Super Bowl Performance und des MTV 10thAnniversary Specials.
Vincent Paterson:
„Ich glaube, ich nahm Thriller das erste Mal wirklich wahr, als ich das Motown 25 Special mit Michael Jackson ansah. Ehrlich gesagt mochte ich ihn vor dieser Show nicht besonders, aber als ich ihn dort sah, war es um mich geschehen. Nie zuvor sah ich jemanden so tanzen, mit soviel überkochender Energie, mi soviel Kraft und Beherrschung. So etwas sah ich nach Fred Astaire nie mehr. Ich dachte, es sei unmöglich, das zu wiederholen. Ich verliebte im wahrsten Sinne des Wortes mich auf der Stelle in ihn.
Anfang der 1980er zog ich nach Hollywood. Ich wollte Tänzer werden. Ich war gerade von einer Welt Tournee mit Shirley MacLaine zurückgekehrt, und war mit dem Choreograf, der an Michael Jacksons Projekten arbeitete, bekannt. Sein Name war Michael Peters. Ich war einer seiner Schüler und half ihm, Tanzkurse zu unterrichten. Ich bewarb mich als einer der Tänzer für das Video Beat It. In Los Angeles fing ich gerade erst an, und zuvor war ich mehr mit Schauspielerei beschäftigt, und begann mit dem Tanzen erst relativ spät, erst mit 24 Jahren. Als ich dann in die engere Auswahl kam und hörte, dass es in dem Video um Street-Gangs ging, blieb ich unrasiert, steckte mir einen falschen Ohrring ins Ohr, gelte meine Haare und zog mir die Klamotten an, die man zu der Zeit auf den Straßen trug. Ich kam in den Raum, wo die Auswahl stattfand, und dort standen eine Menge Leute in glänzenden Tanz-Leggings. Im Vergleich zu ihnen, stach ich sofort hervor. In diesem Raum waren auch Michael Jackson und Michael Peters. Nach meiner Audition sagte Michael sofort: „Den Typ brauche ich! Den Typ brauche ich!“ Ich glaube er traf seine Wahl zum großen Teil deshalb, weil ich zu dieser Probe kam und schon in meiner Rolle war. Deshalb war es für Jackson und Peters viel leichter, den Charakter, den sie suchten, in mir zu erkennen.
Ich weiß nicht, ob zu dem Zeitpunkt das Script schon vollständig geschrieben war. Michael Peters rekrutierte einfach eine Gruppe von Tänzern und wies ihnen nach und nach die Rollen zu. Es stellte sich heraus, dass Peters auch selbst in dem Video mit tanzen würde. Er sagte zu mir: „Warum wirst du nicht einfach zu meinem Gegenspieler? Ich werde die Leute in zwei Gangs einteilen, rivalisierende Gangs. Du führst die eine an, und ich die andere.“ Das veränderte wirklich meine komplette Karriere als Tänzer! Von dem Augenblick an wurde ich auf der ganzen Welt bekannt und für eine Weile sogar zu einem Star. Peters und ich (er war mein bester Freund) liefen durch die Stadt, Los Angeles, New York oder Hollywood, und Leute kamen auf uns zu und wollten Autogramme. So etwas passiert Tänzern normalerweise nie! Vielleicht ist es heute anders, aber zu der Zeit war Tanz eine neue Kunstform, und auch Musikvideos waren eine neue Kunstform.
Michael Peters, Michael Jackson, Vincent Paterson
Am Set von Beat It
Michael Jackson war sehr, sehr schüchtern, er war introvertiert. Bei der Auswahl begrüßte ich ihn nur, er war sehr still und sprach mit niemanden. Als ich die Rolle bekam und Peters mit Jackson zu arbeiten begann, schloss ich mich Peters anderem Assistenten, Frances Morgan, an. Wir arbeiteten mit Jackson im gleichen Raum. Das war großartig! Er war so liebenswert und höflich, aber immer noch sehr still. Obwohl er auch gerne lachte und Leute neckte. Ich denke, er fühlte sich in diesem kleinen Raum, in dem nur wir vier waren, recht wohl.
Im Thriller-Video mit zu tanzen war Dank dessen aussergewöhnlichen Drehbuchs eine phänomenale Erfahrung! Zu der Zeit brachen wir mit jedem Video, das veröffentlicht wurde, die Rekorde. Es wurde zu einem historischen Ereignis. Das Video von Thriller war etwas anders als Beat It. Michael Peters führte auch hier, zusammen mit John Landis als Regisseur, die choreografische Regie. Peters übernahm einige Tänzer des vorherigen Videos und auch welche, die er aus der Zusammenarbeit bei anderen Projekten kannte. Wir waren begeistert! Waren wir doch schon durch Michael Jacksons Erfolg mit dem Beat It Video inspiriert, arbeiteten wir jetzt mit John Landis an Thriller. Ein zehn Minuten langes Video, von so etwas hatte man nie zuvor gehört! Wir wußten, wir würden in die Geschichte eingehen!
Vincent Paterson & Michael Jackson, Thriller
Anfangs war ich Choreografie Assistent und zu gleich auch einer der Zombie Tänzer. Als ich zum ersten Mal mit Peters ins Studio kam, noch bevor Jackson erschien, begann Peters schon diese Moves zu entwickeln und ich war wirklich fasziniert. Ich fragte Peters, woher diese Choreografie kommt, wie er auf solche Ideen kommt. Und er antwortete: „Ich hab keine Ahnung, die Musik hat mich mitgerissen und diese verrückten Dinge zeigten sich mir. Ich weiß auch nicht, in welche Richtung es gehen wird.“
Ich hatte das Talent, mir alles zu merken, was Peters tat und es dann zu wiederholen. Als Jackson dann eintraf… oh mein Gott, er war wirklich völlig aus dem Häuschen! Er hatte nicht gewußt, das wir es auf diese Art choreografieren würden. Und als er sah, was Peters erschaffen hatte, war er begeistert und sehr zufrieden mit der Art, auf die Peters seine Musik interpretierte.
Jahre später, als ich selbst als Choreograf und Bühnendirektor mit Michael Jackson zusammen arbeitete, sagte er etwas zu mir, das auch durch Peters Arbeit perfekt gezeigt wurde: “Versuche nie, der Musik eine Bewegung aufzuzwingen. Lass die Musik zu dir sprechen. Lass die Musik dir zeigen, welche Bewegungen sie verbunden werden möchte. Wenn du sorgfältig zuhörst, wird sie zu dir sprechen und dir den kompletten Tanz schenken.“ Das war es wohl auch, was mit Peters geschah, als er diesen Song hörte.
Als die Tänzer zusammenkamen und die Choreografie lernten, waren wir geschockt. Es war unglaublich! „Oh mein Gott, es sieht so unheimlich aus!“ – zu der Zeit war es etwas wirklich neues. Und seht nur, was passiert ist, dieser Tanz lebt noch heute, auf der ganzen Welt.