Ich sage es gleich von vorne weg: Es war alles in allem eine Enttäuschung. Mit den Erlebnissen, die aus London berichtet wurden, kann ich bei weitem nicht mithalten. Zusammengefasst kann man sagen, dass es ein kostenloser Kinobesuch war.
Ich kam bereits eine Stunde vor Beginn dort hin und dachte, ich schau mir mal die allgemeine Stimmung an. Welche Stimmung? Da war noch gar nichts. Im Kinofoyer standen zwei Bistrotische mit je einem Poster drangeklebt und das war's. Da wurde nix vorbereitet, keine Leute - nicht mal Fans. Ich dachte mir "Hmmm... ok... gehst halt noch was essen und kommst später wieder...". Gemacht, getan. Als ich dann später wieder kam, waren eine Handvoll Fans da. Die Stimmung war irgendwie erdrückend. Ich hatte das Gefühl, dass sich die Fans von oben bis unten gemustert haben, als würde man sagen "Was bist denn Du für eine...". Irgendwie ganz komisch.
Als wir dann hineingelassen wurden, wurde die Namensliste abgehakt und man bekam eine "Universal"-Tüte mit einem Poster und einer DVD. Man möchte meinen "Oh, wie grßzügig"... als ich in die Tüte sah, war ich erst mal baff: The Wiz lag da drin. Ich hätte schon gedacht, dass man wenigstens die DVD geschenkt bekommt, um die es aktuell geht... aber gut...
Immerhin bekam man noch zwei Gutscheine: einen für ein Glas Sekt oder einen Softdrink, und einen für eine Tüte Popcorn. Der angekündigte Sektempfang sah dann so aus, dass man sich den Sekt selber an der Theke holen musste. Na gut.
Dann gingen wir alle in Kino. Die Stimmung war relativ ruhig und ich war schon nervös, was mich erwarten würde. Wurde doch angekündigt, was wir nicht alles für tolle Geschichten über Michael erfahren würden. Eine Dame von Universal Pictures beglückwünschte uns und wünschte uns viel Spaß beim Film...
Vom Film war ich ebenfalls ziemlich enttäuscht. Ich bin mit der Erwartung da hineingegangen, dass es ein lustiger Abend werden würde. Aber als der Film dann schon mit dem Notruf begann, war meine Laune im Keller. Die Geschichten von Katherine kannte man allgemein eigentlich schon, das Positive an diesem Film waren jedoch die Geschichten der alten Motown-Legenden, die wirklich einige nette Anekdoten zu erzählen hatten. Das ging dann von Michaels Geburt bis zum PEPSI-Unfall. Dann wurden nur noch die Anschuldigungen 1993, Bashir und der Prozess 2003 erwähnt, auch die MSG-Konzerte... immer mit dem Hintergrund, dass Medikamente im Spiel waren. SO habe ich mir den Film nicht vorgestellt. Ich dachte wirklich, dass Michael mal in einem ganz anderen Licht dargestellt wird und man einfach mal diese Seite weglassen würde. Aber nein... Ich weiß nicht, ob ich zu empfindlich reagiere oder ob ich einfach nur mit falschen Erwartungen hingegangen bin... Auf jeden Fall lief mir mein gesamtes Make-up über das Gesicht, weil mich mal wieder die Trauer und all der Dreck überrannt hat. Viele andere Fans waren fähig, sofort wieder gute Laune zu haben und sind direkt zur After-Show-Party gegangen. Ich war nicht fähig, nach so einem Film einen auf gute Laune zu machen. Ich habe in Berlin eine alte Freundin wiedergetroffen, von der ich gar nicht wusste, dass sie mittlerweile in Berlin lebt; mit ihr bin ich dann in eine Bar gegangen und wir haben über den Film geredet und über alte MJ-Zeiten gequatscht. Auch sie war enttäuscht vom Film.
Bilder der Premiere erspare ich mir hier, weil es eigentlich nichts zu fotografieren gab. Es gab keine Prominenz, keine Kameras (doch eine, von N24...), kein großes Aufsehen.
Es tut mir leid, dass ich keinen positiveren Bericht abliefern kann, aber ich kann nur das schreiben, was ich erlebt habe. Irgendwie war es klar, dass es bei uns nicht so aufregend wird wie in London... aber so einen Flop hätte ich nicht erwartet. Schade.