MJ im Großformat in Berliner U-Bahn

  • Geisterfahrt für Michael Jackson
    Von der Meisterzeichnung zur Plakatwand: Marc Brandenburgs magische Bilder im U-Bahnhof Alexanderplatz


    Sebastian Preuss


    Es gibt so viel zu schauen, dass man fast die U-Bahn verpasst. Auf der einen Seite der Station wälzt sich ein Demonstrationszug mit wehenden Bannern über die lange Reihe der Werbetafeln. Gegenüber rollt sich ein ganzer Motivfundus wie ein Filmstreifen ab: Michael Jackson, weiß wie ein Geist, ein burlesker Todesbote im Bikini, wirbelnde Jahrmarktkarussells, ein Mädchen in der Tasse, ein Mund mit Zahnspange, Fußballfans, die sich in ihre Fahnen hüllen, eine flanierende Frau im Afro-Look. Und alle Weiß- und Schwarztöne sind vertauscht, wie aus dem Röntgenlabor.



    Seit 1958 schon, das weiß kaum jemand, sind die 32 Plakatträger in der Station Alexanderplatz der Linie U 2 für die Kunst reserviert. Die Passanten sind es gewöhnt, dass es keine Werbung gibt, sondern Kunst an den Freiflächen hinter den Gleisen hängt. Doch diesmal ist alles anders. Denn Marc Brandenburgs Zeichnungen springen den Betrachter so unmittelbar an, dass sich ihnen keiner entziehen kann. Als sei es eine spektakulär bebilderte Wandzeitung, wird man förmlich von einem Bild zum anderen gezogen. Der 41-jährige ist hier ganz in seinem Element. Denn er liebt es, seine Zeichnungen zu reproduzieren und unters Volk zu bringen.


    So hat er seine Blätter, die auch schon das MoMA in New York in seiner Sammlung hat, auf transparente Folie kopiert und mit den ausgeschnittenen Stickern ein ganzes Fenster in der Kreuzberger Szenebar Möbel Olfe beklebt. Und auch die Besucher des Berghains kennen seine Bilder, denn er hat mit ihnen schon mehrfach den Flyer des legendären Clubs gestaltet.


    Brandenburg ist eine Bildmaschine. Unablässig saugt er Eindrücke aus seiner Umgebung, seinem Privatleben, aus Pop und Werbung bis hin zu banalen Kitschobjekten, die bei ihm zu Kultrelikten werden. Er macht unzählige Fotos und sammelt Ausschnitte, die er so lange durch den inneren visuellen Filter spült, bis die "richtigen" Bilder übrigbleiben. Mit Hilfe des Kopierers kehrt er dann die Vorlagen vom Positiv ins Negativ.


    Die fotorealistischen Bleistiftzeichnungen entstehen in oft wochenlanger Arbeit. Immer wieder überarbeitet Brandenburg die Oberflächen, bis eine harte, metallische Oberfläche entsteht. Diese magische Verfremdung macht den typischen Brandenburg-Sound aus. Durch die abermalige Manipulation, die aufgeblasene Kopie der Blätter ins Superformat der Plakatwände, entsteht jetzt ein Weichzeichnereffekt, der Brandenburgs Experimentierlust mit der Verhärtung und Verflüssigung der grafischen Zustände entgegenkommt.


    Brandenburgs Zeichnungen sind rar und begehrt. Die Galerie Thaddaeus Ropac in Salzburg wird die neuesten Arbeiten ab Sonnabend der angereisten Festspielprominenz präsentieren. Brandenburg hat dafür einen schwarz gestrichenen Darkroom mit Schwarzlicht eingerichtet. Hier werden seine Bilder gespenstisch aufglühen.


    Berlin - Alexanderplatz, U-Bahn-Station der Linie 2, bis 30. Juni.


    Salzburg - Galerie Thaddaeus Ropac, vom 7. April bis 19. Mai.


    http://www.berlinonline.de/ber…nt/feuilleton/643084.html


    Website des Künstlers

  • Hey cool :top Könnte die DB bei uns in Bremen auch mal aufhängen;D ;)

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    [FONT="Garamond"][SIZE="2"]"If you enter this world knowing you are loved
    and you leave this world knowing the same,
    then everything that happens in between
    can be dealt with." ♥[/SIZE][/FONT][/CENTER]

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