Wunderhengst tanzt zu Michael Jackson

  • Naja, also ein domestiziertes Tier wie einen Hund, den es so wild gar nicht gibt, der über Jahrhunderte menschenbezogen aus dem Wolf herausgezüchtet wurde, mit einem Pferd oder anderen Wildtieren, die als Haustiere gehalten werden, zu vergleichen, finde ich zumindest schwierig. Der Vergleich läuft, aber mit einem Hinkebein. Ich bin immer dafür, einem Tier seine größtmögliche Freiheit in seiner natürlichen Umgebung (zu der ggf. auch Artgenossen gehören) zu geben und ggf. auch Verbote für die Haltung als Haustier zu beschließen. Für einen Spitz, Pudel oder Dackel gelten hier allerdings andere Maßstäbe als meinetwegen für Geckos, Pferde oder Tiger. Manche Tiere lassen sich nicht domestizieren, auch wenn man sie - fälschlicherweise - zu Hause hält. Man kann ein domestiziertes Tier auch falsch halten und erziehen, aber der Fakt, dass es domestiziert ist, lässt es noch nicht leiden. Den Vergleich eines kleinen Fisches in einem gut ausgestatteten und angemessen großen Aquarium mit einem intelligenten Großtier halte ich auch an den Haaren herbeigezogen. Die individuellen Bedürfnisse sind ganz andere.
    Diese Pferdedressuren kann man auch nicht durch Zirkusse entschuldigen. Die sind nämlich ebenso pervers in meinen Augen. Bei Zoos würde ich wieder nach Tierarten und Haltungsformen unterscheiden.
    Was mir aber am meisten missfällt, ist der Gedanke dahinter: Im Vordergrund steht nicht etwa die Freude an dem Tier an sich und seiner Art, sondern das Fordern von Leistungen, die ihm als Fluchttier völlig unnatürlich sind, teilweise sogar Schmerzen bereiten - und das nur zu unserer Belustigung. Allein die körperliche Gesundheit (wobei man beim Fitspritzen hier schon zweifeln kann) ist in meinen Augen hier kein Argument. Anders gesagt: Die Benutzung des Pferdes für solche Dinge an sich halte ich schon für verwerflich. Ein Hund dagegen hat u.U. aber Spaß daran, etwas zu lernen.
    Wir sollten versuchen, Missstände zu ändern und nicht die einen durch die anderen rechtfertigen oder relativieren.

  • mir ging es nicht darum das eine durch das andere zu rechtfertigen, sondern darum, dass man nicht das eine akzeptiert, duldet und sogar selbst fördert,
    und das andere verteufelt. das ist für mich einfach zweizüngig.
    und ob ein hund spass am spielen hat finde ich auch keine rechtfertigung dafür, dass man sie dafür übertzüchtet und zu 'püppchen'
    und ner art zweiter handtasche macht. ein hund ist in seinem ursprung genauso ein freilebendes und freiheitsliebendes tier wie ein pferd.
    und ein fisch in 'angemessenem' aquarium habe ich persönlich noch nicht gesehn.
    fische ziehen kilometerweit durch ihre gewässer, um futter zu finden, sich zu vermehren, zu laichen.
    wobei ich eigentlich vor allem die gross-aquarien meinte, die eben tiere zur schau stellen, oder delphinarien..
    den hintergrund dass man die tiere rein zur belustigung dressiert, gegen ihren willen bewegungsabläufe vorführen lässt,
    das finde ich ebenso krank. aber dennoch - alle tiere die der mensch irgendwann anfing, für seinen 'gebrauch' zu domestizieren
    hatten ursprünglich nen eigenen willen und ne andere daseinsform.
    ich möchte hier nur plädieren, dass man sich nicht nur über solche auswüchse wie die dressur aufregen sollte,
    solange man seinen hamster alleine im käfig hält,
    oder seine maus/ratte/meerschweinchen/kaninchen. die möchten nämlich von natur aus
    auch grosse strecken im freien unterwegs sein, in gruppen/rudeln leben.
    und schildkröten sind auch keine tiere, die in ner 100x60 er box gehalten werden sollten.
    ich finds einfach falsch, das eine (weil mans 'schon immer' so macht) zu akueptieren,
    und beim anderen jedes haar in der suppe sehn.
    es kann nicht sein, dass das eine tier mehr wertig ist, als das andere. dass man dem einen rechte
    einräumt, die man dem anderen vor langer zeit genommen hat. das ist nicht logisch.
    sicher sind unsere 'haus'-hunde heute längst weit weggezüchtet von den ursprünglichen
    wildhunden. aber das darf man durchaus auch über diese hochzucht-dressurpferde sagen.
    nichtsdestotrotz sind wir uns einig, dass es reichlich dinge gibt, die nicht sein müssten,
    nicht sein dürften, im umgang mit den tieren.
    ne gruppe wilder pferde oder tiger oder elefanten etc würde mich auch glücklicher machen.
    allerdings kommen wir dann wieder zurück zu JEDEM einzelnen von uns -
    ohne lebensraum wird es diese tiere eben so nicht mehr geben.
    schlimm genug dass die einzige möglichkeit der rettung zoos oder wildparks sein sollen.
    (denn der mensch wird sich nicht einschränken, das wissen wir alle...)


    alleine der kampf um den brasilianischen regenwald treibt einem tränen in die augen.
    da müssen forscherteams unter zeitdruck ein minimum an unbekannten oder wenigstens seltenen arten nachweisen,
    damit man ein gebiet schützen kann, damit es zum nationalpark wird,
    und nicht der holzindustrie zum opfer fällt.


    von aussen betrachtet schüttelt man den kopf, dass es nicht anders geht, dass man nicht wenigstens
    die wichtigsten zonen unserer erde in ruhe lässt (regenwälder sind für unser aller klima lebenswichtig, wissen die meisten sicher..)
    andererseits will jeder seinen schrank oder schreibtisch oder sein bett haben. weltweit.
    und es gibt immer weniger wälder. ein irrsinn der sich in den schwanz beisst.


    wie dem auch sei, ich höre hier auf, 1. muss ich weg, 2. komm ich von den pferden weg.
    ich fand vor allem die art unpassend wie bronchsus angegangen wurde, als wäre sie (mit)schuld an
    solchen vorführungen. das geht einfach nicht.
    ich glaube dass letztlich alle hier es vorziehen würden, wenn pferde ihr leben in freiheit genießen könnten.
    wobei wir dann natürlich auch das reiten als solches nicht akzeptieren dürften, denn damit ist das tier bereits unterworfen,
    nicht erst mit der dressur.
    aber ich glaube das gäbe heftigen widerstand. geritten wird ja eben auch schon seit tausenden von jahren.
    quasi der ursprung der fortbewegung bis heute..

  • Ich mag Euch sehr - und ich bin wirklich beeindruckt! Sorry, dass ich mich nicht eher melden konnte. Ich muss mich auch einfach nun 'mal outen. Ich bin ja nicht nur Michael Jackson Fan mit Überzeugung, sondern gehöre auch zu der Gruppe, die die Karl-May-Filme, Winnetou und indianische Völker sehr mögen. Dazu jetzt erst einmal Alles - und ich kenne mich mittlerseile sehr gut mit der Dressur von Pferden für die Bühne und den Film aus. Waren das noch zu den John-Wayne-Filmen brutale Dinge, wie ein Seil spannen, dass die Pferde fielen und sich alles brachen und erschossen werden müssen, so geschieht heute die Trierdressur nur noch durch die Liebe, Vertrauen und den Respekt zu dem Einzeltier. Totilas empfindet Freude an der Arbeit, man sieht es an den aufgestellten Ohren. Und wir müssen uns auch einfach eingestehen, dass Tiere auch Wesen und Seele haben, auch wenn sie nicht unsere "Sprache" sprechen. Und wenn es nur ein leichtes Federbündel wie meine Vögel sind, so haben sie doch ihre eigene Identität und ihren Willen. Na ja, ich will da nicht ins Philosphieren geraten, aber bei Totilas sieht man wirklich, dass das Pferd, das Tier, Freude an der Leistung empfindet. Wenn das Tier es nicht will, kann man es auch nicht zwingen! Aber was wäre es, wenn wir uns nicht auseinandersetzen, nicht reden - wir würden nichts erfahren, nichts verändern und nicht lernen. Danke Euch Allen! Ich wünsche mir wirklich, dass Totilas mit einer Kür nach der Musik von Michael Jackson um Gold ringt. Ein Toer ist in seiner Liebe immer rein - und es gibt Trainer, die nur mit Liebe ein Tier zu Höchstleistungen bringen können. Polizeihunde, Hofreitschulen, ...

  • wenn wir nicht im kleinen und vor der eigenen türe anfangen, brauchen wir uns kaum über das grosse ganze aufplustern.
    das passt nicht.


    Genau! Und wenn einige die Meinung haben, ein Tier hätte Spaß daran, wenn es dressiert wird, dann bitte! Ich tue es nicht und gehe zu solchen und/oder ähnlichen Veranstaltungen auch nicht hin, weil mir kommt da leider das kalte Grausen!

  • Don't "Black or White me" - Auch dieses Thema zeigt hier, wie es um Meinungsbildungsprozesse heute steht. Da gibt es nur ja oder nein - und wenn man Pech hat zur falschen Gruppe zu gehören, wird draufgeschlagen. Ich finde das nur noch schrecklich, weil es Unwissenheit, mangelnde Toleranz und fehlenden Respekt gegenüber Meinung eines Anderen, Bequemlichkeit und mangelndes Zuhören zeigt. Und so sehe ich das auch!


    http://de.wikipedia.org/wiki/Dressurreiten

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