Es ist nun schon einen Monat her, dass Michael von uns gegangen ist. Erst jetzt fand ich die Zeit und die Ruhe, hier ein paar meiner Gedanken aufzuschreiben.
Als ich das erste mal (Freitag früh) von Michaels Tot erfuhr, lag ich noch im Bett. Meine Mutter hörte gerade Radio und bekam nur noch den Schluß der Nachrichten mit "... hinterläßt 3 Kinder". Zuerst dachte ich, dafür kommen doch viele in Frage. Doch als die Nachrichten wiederholt wurden, war es leider Gewissheit. Komischerweise empfand ich im ersten Moment gar nichts. Ich wollte es erst gar nicht wahr haben. Auch nachdem ich einige Minuten die Geschehnisse am Fernseher verfolgt hatte, änderte sich daran nichts. Kurze Zeit später bin ich übers Wochenende nach Österreich zu einem Fußball-Turnier gefahren. In der darauf folgenden Woche hatte ich viel zu tun und konnte mich deshalb auch kaum mit Michaels Tot auseinandersetzen. Mir ging das alles schon sehr nah und ich wollte heulen, aber es ging nicht. Um wenigstens etwas zu tun, bin ich am 3. Juni in Berlin in Madame Tussaud gegangen und habe mich dort ins Kondolenzbuch eingetragen. Das Buch war zu diesem Zeitpunkt schon fast voll. Zirka 3-5 Seiten waren höchstens noch frei. Mit zittrigen Händen schrieb ich dort eine kleine Widmung rein (diese werde ich noch hier ins Kondolenzbuch eintragen). Als ich draußen war, musste ich mich dann überraschenderweise stark zusammenreißen, um nicht sofort loszuheulen. In den nächsten Tagen konnte ich nicht sehr gut schlafen. Ständig musste ich an Michael denken und was er mir bedeutet hat. Ich bin in der DDR aufgewachsen und die erste LP die ich geschenkt bekam, war Thriller. Das muss ungefähr 1986 gewesen sein. Kurz nach der Wende kaufte ich in Polen MC-Kassetten (billige MC-Kassetten) von Thriller und Bad. Ich war Feuer und Flamme für seine Musik. Die weiteren Alben habe ich auch gekauft und konnte mich glücklich schätzen, in Berlin sowohl auf der Dangerous-Tour als auch auf der History-Tour live dabei gewesen zu sein. Den vielen Gerüchten & Verunglimpfungen habe ich kein Gehör geschenkt und immer zu ihm gestanden. Als dann der Tag der Trauerfeier begann, hatte ich die ganze Zeit ein flaues Gefühl im Magen. Zusammen mit meinen Eltern -die zwar keine Fans sind, ihn aber immer vorurteilsfrei behandelt bzw. sich über ihn geäußert haben - schauten wir uns die Trauerfeier im TV an. Als der Sarg von Michael reingetragen wurde fing ich sofort an zu heulen. Das hörte zwischendurch nur kurz auf. Hier kamen wahrscheinlich die angestauten Gefühle der letzten Tage zum Vorschein. Erst von diesem Zeitpunkt hatte ich es realisiert, dass Michael nicht mehr da ist. Für mich war er, obwohl ich ihn nur über seine Arbeit, Leidenschaft und seine Musik kennen gelernt habe, wie ein guter Freund. Seine Musik & seine Bücher "Moonwalk" und "Dancing the Dream", haben mich über die letzten 20 Jahre in allen Lebenslagen begleitet und mir Kraft & Freude gegeben. Michael ist mir damit richtig ans Herz gewachsen. Mittlerweile habe ich seinen Tod akzeptiert, aber das Gefühl, dass ein gewisser Teil von mir auch gestorben ist oder einen großen Knacks bekommen hat, bleibt. Es wird wohl noch sehr lange dauern, bis diese Wunden bei mir heilen werden.