Denn alles, was zu stark kommerziell ausgebeutet wird, verliert irgendwie an Wert.
Hmm, na ja, das ist nur bedingt richtig. BOTDF sowie Invincible waren ja alles andere als kommerzielle Überflieger, und beinhalten dennoch zahlreiche wunderbare Nummern, die man nicht missen möchte. Im Umkehrschluss sind aber die Alben davor alle nicht weniger wertvoll, nur weil sie kommerziellen Erfolg hatten.
Michaels Werke vor BOTDF wurden bekanntlich ziemlich extrem kommerziell ausgeschlachtet, promotet ohne Ende.
Das begann sicherlich spätestens bei Thriller und endete wohl bei HIStory - auch HIStory stand noch zweifelsohne für Kommerz und Ausverkauf, das Ziel, soviel Geld damit zu machen wie nur möglich.
Ich sehe nicht, dass der Kommerz Platten wie Thriller, Bad, Dangerous oder HIStory kaputtgemacht hat. Auch diese Werke beinhalten viele Meisterwerke. Der Kommerz, das viele Geld, der ganze Hype sollte einfach auch eine Rolle spielen, und im Grunde konnte man Michael deswegen auch nicht böse sein. Es kann aber sein, dass diese Werke evtl. bei einigen Kritikern nicht den Status genießen, den sie verdienen, weil in der Tat häufig kommerziell erfolgreiche Musik als schlecht gilt. Was aber natürlich Unsinn ist.
Mich als Fan macht nicht zuletzt aus, dass ich weitgehend unvoreingenommen an Michaels Werke herangehe, insbesondere seine Alben. Das war schon immer so. Ich hab schon immer sämtliche Werke so beurteilt wie sie erschienen sind und kann das auch heute noch; die weitere Promotion der Alben, Singles, usw. hat das Ganze natürlich im weiteren Verlauf interessant und auch spannend gemacht, dennoch ließ ich mich davon nie so richtig bzw. wirklich beirren.
Keines von Michaels Alben steht bei mir unter Naturschutz oder so - sondern ich bewerte jeden Song einzeln. Ich hab somit kein Problem z.B. den einen oder anderen Song von Invincible oder TUC herauszugreifen (z.B. Speechless, We've Had Enough) und ihn für toll zu befinden, gleichzeitig aber auch schon mal ein Werk von Thriller oder Bad madig zu machen, z.B. zu sagen, dass ich Songs wie P.Y.T. oder Just Good Friends kaum was abgewinnen kann. Obwohl sie bekanntlich auf den Megasellern Thriller und Bad drauf sind.
Ich bin z.B. auch kein großer Fan des Songs "Black Or White". Daran änderte auch der riesige Hype um den Song nichts, man denke an den spektakulären Clip, die Aufnahme des Songs in die Konzerte, usw.
Umgekehrt liebe ich manchmal Songs, aus denen kommerziell so gut wie nichts wurde, z.B. eben diese 4 tollen BOTDF-Tracks, oder diverse Titel auf Invincible, aber z.B. auch auf TUC.
ZitatWas ich nie verstanden habe, und auch heute nicht verstehe ist, warum man das Album nicht in diesem Stil weitergeführt hat, und stattdessen irgendwelche Mixe draufgepackt hat. So sehr ich Mixe liebe, wenn sie gut gemacht sind, so zerstören sie doch in diesem Fall den Gesamteindruck des BOTDF Albums und es bleibt immer nur ein Anhängsel an History, wovon meistens nur die ersten 5 Songs gehört werden. Schade, wirklich. Irgendwie war Michael manchmal schlecht beraten, oder sein eigenes Gespür hat ihn zeitweise verlassen. Anders kann man das nicht erklären.
Na ja, was es mit BOTDF auf sich hat, weiß man ja. Dass daraus letztlich ein Remix-Album wurde, basierte ja auf einem Kompromiss zwischen Michael und Sony. Die wollten keine EP, sondern das Ganze wie ein Album aussehen lassen. Das heißt, die hatten noch nicht mal wirklich vor, ein durchdachtes Remix-Album zu machen, sondern haben das einfach so lieblos zusammengeschustert. Als Remix-Album betrachtet ist BOTDF einfach lächerlich. Würde Sony wirklich ein sinnvolles, vernünftiges, befriedigendes Remix-Album machen wollen, müßten sie eine Box mit am besten 50-60 Remixes oder so bringen. Und zwar mit wirklich interessantem Zeug, das zweifelsohne existiert. Die meisten Remixes auf BOTDF sind völlig uninteressant. Teilweise nicht mal nachvollziehbar, wozu man einen Remix wie von Money überhaupt nahm - zeichnete sich 1997 doch langsam ab, dass aus Money nichts werden würde. Die Veröffentlichung des 2 Bad - Remixes kann man evtl. noch nachvollziehen, schließlich ist "2 Bad" ja der Hauptsong im "Ghosts"-Film, in der 1996er Version des Films war es sogar, jedenfalls im Film selber, der einzige Song. Der "Ghosts"-Film war ja lange Zeit als ein Clip, short film zu "2 Bad" geplant.
Das BOTDF-Album ist insgesamt wohl in der Tat konzeptionell, umsetzungstechnisch gesehen als misslungen zu betrachten, denn konzeptionell passt dort vieles einfach nicht zusammen. Die wollten einfach nur die CD voll machen, auf LP-Länge ziehen, mehr nicht. Ob die Auswahl der Remixes eine wirkliche Logik, einen Sinn hat, hat die nicht wirklich interessiert.
Diese 4 grandiosen neuen bzw. bis dahin unveröffentlichten Songs hätten nicht einfach so auf so einem kleinen Projekt enden dürfen. Und die Remixes machen einfach nicht viel Sinn. 8 Remixes, von denen etliche bekannt waren. Remixes wurden zudem in den gesamten 90ern zur Genüge auf verschiedensten Tonträgern vertrieben, eines Remix-Album-Projekts wie BOTDF hätte es so in der Tat nicht wirklich bedurft.
Schon eher wertvoll und interessanter wäre es z.B. gewesen, eine CD wie diese wunderbare "The Bad Mixes" Promo in den 80ern kommerziell zu vertreiben, das wäre insbesondere auch Anfang der 90er, als sich die CD begann durchzusetzen sowie insbesondere für die damaligen Fan-Neuankömmlinge interessant gewesen, viele suchten damals Maxi-CDs aus der Bad- und Thriller-Zeit, teilweise ohne überhaupt zu wissen, ob es solche überhaupt gibt. Von Thriller gab es so gut wie keine vernünftigen Maxi-CDs, weil die CD damals sich noch lange nicht durchgesetzt hatte. Und Maxi-CDs aus der Bad-Zeit waren, sind ziemlich rar.
HIER hätte Epic nachhelfen können, und eine Mix-Sammlung wie diese 13trk-Promo-CD "The Bad Mixes" kommerziell rausbringen können.
So gesehen ist BOTDF im Grunde nicht wirklich klar einzuordnen - ein neues Album war es nicht wirklich, ein Remix-Album, v.a. ein wirklich sinnvolles und würdiges, durchdachtes, war es auch nicht.
Was ich mir von Sony wirklich mal wünschen würde, das wäre eine coole, intelligente Remix-Box, die am besten aus mehreren CDs besteht und dort die reinsten Raritäten zu finden sind. DAS wäre mal wirklich was Geiles und Großes und hätte auch den Wert der ganzen Remixes, der Remix-Ära etwas erhöht.
Das ist aber wohl alles meine Träumerei, von dieser Plattenfirma braucht man seit mindestens ca. 10 Jahren nichts mehr Vernünftiges erwarten, und auch schon in den 90ern war nicht mehr alles, was die so machten (teils auch Michael) nicht mehr wirklich nachvollziehbar.
ZitatJa, wie schon gesagt, das ist zwar vom wirtschaftlichen Standpunkt aus bedauerlich, aber ist es nicht meistens so, dass die wahren Schätze nur einem sehr begrenzten Kreis zugänglich sind? D.h., zugänglich wären sie ja allen, sie werden aber von der Mehrheit nicht gesehen oder gehört. So ist es eben auch mit Michaels Spätwerken. Das schmälert aber nicht ihren Wert, im Gegenteil. Ich empfinde es als die Musik, mit der Michael seine Seele offenbart. What more could he give???
Jepp, aber Thriller, Bad oder auch Dangerous, usw. sind sicherlich auch nicht schlecht, nur weil sie extrem promotet wurden. Nur weil etwas erfolgreich ist oder war, sollte es auch nicht gleich madig gemacht werden.
Das hat Michael damals im Grunde richtig gehandhabt. Geld ist eben auch wichtig. Sonst hätte er irgendwann quasi als ein armer, erfolgloser Musiker geendet, der sich dann irgendwann an einem kleinen Artikel in irgendeiner Musik-Fachzeitschrift erfreuen können, wo man ihn evtl. als Musiker oder so anerkannt hätte. So naiv war Michael nie, sondern er war nicht nur (wenn auch eher wenig anerkannter) Musiker sondern eben auch ein guter Geschäftsmann, jedenfalls ne lange Zeit mal. ![]()