Hier... von mir für Euch! Eins zu eins aus dem Französischen ins Deutsche!
Habe sie bereits woanders gepostet, jetzt seid Ihr dran! ![]()
Ich hoffe Ihr freut Euch! ![]()
Ist noch nicht ganz fertig, das ist wirklich viel Arbeit, aber immerhin schon 30 von 85 Seiten! ![]()
Da "Call Hector" wohl unter vielen Fans die populärste Rubrik war, und stets zuerst, vor allen anderen Rubriken, aufgeschlagen wurde, habe ich diese zuerst übersetzt, dann jedoch direkt vorne begonnen (Seite 3).
OK viel Spaß... :-))
To be continued...
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"Call Hector" (Übersetzung Seiten 80-81)
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Man braucht sich nichts vorzumachen - wenn es Black & White zehn Jahre lang gab, dann dank dieser Rubrik. Das war das einzige wirklich Interessante in diesem Magazin.
Also wurde ich zwangsläufig darum gebeten zurückzukehren, um ein letztes Mal meine Rubrik zu machen. Und zwar um das Niveau zu heben. Doch ich – Hector – habe nein gesagt.
Ich springe doch nicht nur weil jemand pfeift. Und außerdem, mal unter uns, was habe ich davon? Ich bin längst der größte Sammler auf diesem Planeten. Das habe ich doch oft genug bewiesen. Mein Ruf eilt mir voraus. Und wenn ich die kleinen armseligen Sammler sehe, die ihre erbärmlichen Sammlungen auf ihren kümmerlichen kleinen Internetseiten zur Schau stellen, dann können die mir nur leid tun. Die glauben wohl, dass es genügt, jeden Sonntag auf ebay zu surfen, um sich große Sammler nennen zu können! Das tut wirklich weh, aua.
Mit Sicherheit liegt es wohl am Internet, dass die neue Generation sich nicht besonders viel Mühe gibt. Man geht eben dorthin, wenn man sich eine Picture Disc aus Brasilien oder eine Promo aus Tokio kaufen will. Ist klar. Die Fans wissen sich mittlerweile zu helfen. Zu meiner Zeit war das aber nicht so. Um Collectors zu ergattern, musste man sich komplett aufopfern. Aber ich sage Euch eins, das ist immer noch so. Um ein großer Sammler zu werden, muss man sein letztes Hemd hergeben. Ich habe über all das lange und gründlich nachgedacht und beschloss schließlich, für ein letztes Mal, zur Black & White zurückzukehren, nur um Euch Würmerhaufen zu zeigen, was einen wirklichen Sammler ausmacht.
Sechs Artikel – ja richtig gehört, sechs Artikel werden Euch wegpusten. Ich habe die sechs seltensten Platten meiner Sammlung rausgeholt. Absolut einzigartige Stücke. Ganz einfach, ich habe sie nur ein einziges Mal in meinem Leben gesehen. Ich habe von diesen Collectors niemals ein zweites Exemplar gesehen, nicht einmal Photos oder sonst was.
Das sind die schönsten und seltensten Stücke überhaupt. Und ich kann behaupten, dass ich mich damit auskenne.
Also, machen wir es „the old fashion way“, wie Mike sagen würde.
Ich mache es nicht nur, um Euch zu entmutigen, ich mache es auch für ihn, dort oben.
Das ist meine Hommage an mich, Mike. Ich werde komplett die Moral von Deinen Legionen von Mongolen zerstören, ich werde dafür sorgen, dass ihnen die Lust am Leben vergeht. Michael, ich weiß, dass Du von oben auf mich schaust und stolz auf mich bist.
This one is for you, brother.
Captain Eo – Laser Disc (test pressing – 1992)
Wir eröffnen den Ball mit einem Stück das derart selten ist, dass Ihr Euch dafür eine Wohnung im 16. Stock kaufen könntet, wenn Ihr es bei Drouot verkaufen würdet.
Doch es wäre krank, um sich von solch einem Prachtstück zu trennen. Ich mach’s kurz:
1992 plant Disney die Aufführung von Captain Eo in Disneyland und Disneyworld aus dem Programm zu nehmen.
Sie wollen Geld machen indem sie denn Film kommerziell veröffentlichen. Und früher gab es zwei Formate für Filme: VHS und Laserdisc. Für diejenigen unter Euch, die die Schule nach der 5. Klasse verlassen haben: Die Laserdisc ist der Vorgänger der DVD. Es ist eine große Platte in der Größe einer Langspielplatte die auf einem Spezialgerät abgespielt wird. Heute ist das nicht mehr modern, doch früher war es das Nonplusultra und vor allem in den USA erfolgreich. Disney bereitete somit das Erscheinen von Captain Eo auf VHS und auf Laserdisc vor. Und sie haben eine test pressing des Films auf Laserdisc hergestellt! „Was ist eine test pressing“ fragt der Analphabet hinten in der Klasse. Nun, es ist eine Testpressung einer Platte.
Total bescheuert. Sowas dient Testzwecken, um zu sehen, ob es gut funktioniert. Die von Captain Eo ist ultrarar. Es ist wirklich eine Testpressung, da auf der Rückseite des Covers nichts gedruckt ist. Unglaublich. Und was befindet sich auf der Platte? Tja, auf der A-Seite gibt’s den Film, und auf der B-Seite das making-of. Einfach genial. Und warum niemals erschienen? Wegen des Chandler-Skandals. So sieht’s aus.
Victory Tour – Laser Disc (1987)
Wir setzen den Ball fort mit einer weiteren Laserdisc, wenn wir schon dabei sind. Doch diesmal ist es keine test pressing, sondern eine geradezu kommerzielle Pressung. Außer dass sie niemals im Handel erschienen ist. Ich werde Euch erklären, warum nicht, Ihr Glückspilze... 1987 beschließt Joe Jackson ein paar Kröten zu machen indem er vorhat, das Kansas City Konzert der Victory Tour auf VHS und Laserdisc in den Handel zu bringen. Alle seine Söhne sind zufrieden, sie brauchen Geld. (wie immer) Joe unterzeichnet also einen Vertrag mit Vestron Video und visiert das Erscheinen einer Laserdisc für gegen Ende ’87 an, zu dem Zeitpunkt als Bad das Tageslicht erblicken wird. Die ersten Laserdiscs sind hergestellt (die Herstellung dauert länger). Kleines Problem in der ganzen Sache: Michael war nicht auf dem Laufenden. Man muss dazu sagen, dass keiner ihm was gesagt hat...Deswegen ist er wenig erfreut, als er von all dem erfährt...und schaltet seine Anwälte ein. Das Projekt wird abgesagt.
Wenig erfreuliches Ende: sämtliche Laserdiscs werden zerstört. Außer eine. Und zwar meine. Die, die ich habe und die ihr nicht habt.
Leave Me Alone – US Promo CD
So, zur Erholung reden wir mal über diese schöne Platte, die zunächst harmlos aussieht.
Worum handelt es sich? Ach um gar nichts, ist bloß die amerikanische Promo CD von Leave Me Alone. Jetzt wollt Ihr mir bestimmt sagen, dass Leave Me Alone in den USA nicht erschienen ist, auch nicht als Promo. Damit habt Ihr erst mal Recht. CBS hat den Titel nicht in den USA herausgebracht, nicht einmal fürs Radio. Doch was Ihr nicht wisst – die Plattenfirma hatte dennoch vor, den Titel kommerziell in den Staaten zu veröffentlichen. Bruce Swedien hat sogar Remixes davon angefertigt. Fünf unveröffentlichte Versionen existieren: Dance Extended Mix, 7“ Single Mix, Dance Remix Radio Edit, Dub Version und A Cappella. Letzten Endes ist diese unfassbar seltene CD alles was von CBS’ Absicht, Leave Me Alone als Single zu veröffentlichen, geblieben ist. Die müssen wohl alle Exemplare zerstört haben, weil ich sie nur ein einziges Mal gesehen habe. Um Euch auch alles zu verraten, es war im Büro eines Chefs von Epic USA. Der wird sich bestimmt fragen, wo er seine CD verlegt hat...
Black Or White – Pepsi Version (Promo CD)
OK, gehen wir über zu den ernsteren Dingen… Ihr erinnert Euch wohl an die Pepsi Werbung von 1984, als Michael eine spezielle Version von Billie Jean mit neuem Songtext gesungen hat. Und Ihr erinnert Euch sicherlich auch an die Pepsi Werbung von 1987, als Michael eine spezielle Version von Bad gesungen hat? Gut, nun, 1992, als Michael seinen Vertrag mit Pepsi erneuert hat, hat er dasselbe gemacht: er schrieb eine spezielle Version von Black or White mit Textzeilen die davon handeln, dass Pepsi supergut ist. Doch diese Version hat niemand jemals gehört. Ich lüge Euch nicht an, ich weiß auch nicht so ganz warum.
Alles was ich weiß ist, dass Pepsi trotzdem eine interne Promo-Platte herausgebracht hat mit eben dieser berühmten Version von Black Or White. Die CD ist ultrarar, ich muss es Euch nicht noch mal sagen. Aber ich sage es dennoch noch mal. Ihr könnt es Sadismus nennen, wenn Ihr wollt. Also, diese fantastische Promo CD enthält drei Stücke: die einfache Pepsi-Version mit den Pepsi-Lyrics, dann eine Instrumental-Version (es ist nicht dieselbe wie die auf der kommerziellen Veröffentlichung) und zu guter Letzt eine weitere Pepsi-Version von Black Or White, diesmal spricht ein Typ darauf, um mitzuteilen, dass Pepsi die Dangerous-Tour sponsert. Das ist schlicht und einfach die Inkarnation des Atomcollectors: schön, ultrarar und mit unveröffentlichtem Inhalt. Man muss noch dazu sagen, dass ich dabei einen Miniorgasmus bekommen habe.
Signature Series (CD #2)
Vor einigen Jahren habe ich Euch in meiner Rubrik einen unglaublich seltenen Collector vorgestellt: die Signature Series CD. Für diejenigen unter Euch, die an dem Tag abwesend waren – es handelt sich um eine CD, die als Geschenk den Leuten gegeben werden sollte die Sony-Produkte gekauft haben. Du hast Dir z.B. einen Sony-Walkman gekauft und sie gaben Dir dazu eine CD von Michael. Ganz nett. Doch als der Chandler-Skandal losbrach, wurde alles gecancelt. Und die CDs wurden zerstört, einige Exemplare ausgenommen. Diese Signature Series CD war somit eine wahre Rarität. Doch vor paar Monaten stieß ich zufällig auf eine weitere Signature Series CD von Michael! Ich wusste nicht, dass es eine weitere gab!
Sie wurde in den USA hergestellt – wie die Erste. 100% offiziell. Ich erzähle Euch von einem Glücksfall. Identisch mit der ersten, außer dass der Inhalt und das Cover anders sind. Das erste Stück ist dasselbe wie auf der ersten CD: Heal The World mit Michael der während des Songs spricht. Das zweite Stück – ist überraschenderweise I Just Can’t Stop Loving You auf französisch! Totaler Wahnsinn. Und schließlich – zwei völlig unveröffentlichte Remixes von Billie Jean und Wanna Be. Selbst heute noch sind sie unveröffentlicht. Die erste Signature Series war megarar, doch die zweite, ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, sie mehr als selten, das ist... das Nirwana.
Decade 1979 – 1989 test pressing (Doppel-Vinyl, 33t)
Es ist wieder so weit – Zeit diese Seite, die dem größten Sammler der Erde gehört, wieder zu schließen, mit einem letzten Collector. Doch vorsicht, ich habe eine gute Wahl getroffen.
Um mich zu empfehlen, zeige ich Euch, Ihr Armen, den Heiligen Gral, den ultimativen Collector, das schönste Stück in meiner Sammlung. Jawohl, ich sag’s ohne zu zögern, Ihr seht das Kostbarste auf der Welt was ich habe: die test pressing des Albums Decade 1979-1989.
Schon bei bloßem Erwähnen seines Namens, bekomme ich Angst, dass es kaputtgehen könnte...Es ist der überwältigendste aller Collectors, ein Tresor, ein Wunderwerk. Ich beschreibe ihn Euch mal... 1989, unmittelbar nach Bad, beschließen Michael und CBS Records eine Best-Of des King Of Pop herauszubringen, inklusive einiger unveröffentlichter Stücke. Doch nachdem er mehrere Monate an dem Projekt gearbeitet hat, ändert Michael schließlich sein Konzept und beschließt stattdessen ein komplett neues Album aufzunehmen.
Tatsächlich war er spät dran gewesen. Die Platte musste definitiv 1989 herauskommen, um ins Konzept zu passen. Doch Michael brauchte mehr Zeit. CBS hingegen war bereits in den Startlöchern. Sie hatten bereits damit begonnen, am Marketing usw. zu arbeiten. Sie haben sogar eine Pressung des Doppel-Vinylalbums hergestellt, von dem Ihr hier ein Photo seht. Für diese Platte dachte CBS an ein Doppel-Cover (gatefold) ohne jeglichen Tintendruck. Das Konzept war, alles quasi erhaben zu schreiben. Auf dem Cover sieht man Michaels Gesicht erhaben. Das ist sehr schön. Das sieht in echt besser aus als auf dem Photo. Und wenn man die Hülle öffnet, sieht man ebenso alle Songtitel erhaben geschrieben. Sehr, sehr schön. Doch das ist nicht alles. Für diese Best-Of hatte Michael unveröffentlichte Aufnahmen vorgesehen. Und sie sind auf der test pressing drauf... Insgesamt gibt es vier davon: Black Or White und Heal The World, die man kennt (außer dass die Version von Heal The World ein wenig anders ist), Come Together (ebenso bekannt), It Doesn’t Really Matter (es handelt sich in Wirklichkeit um Who Is It, jedoch in einer völlig anderen Version), und schließlich Strawberry Fields Forever, ein absolut grandioses Beatles-Remake. Insgesamt enthält das Album 20 Songs, auf 2 Vinylplatten verteilt. Das ist das schönste Sammlerstück was ich je in meinem Leben gesehen habe. Dessen Wert ist unschätzbar, da nur 3 Exemplare weltweit existieren. Dieses hier, das ich Euch zeige, gehörte Walter Yetnikoff, Präsident von CBS Records. Die anderen zwei befinden sich in den Händen von Tommy Mottola und Nancy Donald.
Und ich werde Euch nicht sagen, wie ich sie bekommen habe. Aber es war nicht bei ebay, Ihr Vollidioten!
So, damit verlasse ich Euch, ich hab auf einmal Lust mir Strawberry Fields Forever anzuhören, gesungen vom King Of Pop. Kennt Ihr das? Ach nee, natürlich nicht, Ihr habt ja die Platte nicht...
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Übersetzung Seite 3:
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Einleitung
Mehr als zehn Jahre lang haben wir Black & White herausgebracht, das offizielle Magazin des King Of Pop. Ein Jahrzehnt, das der Beobachtung des faszinierendsten und beliebtesten Künstlers unserer Zeit gewidmet war. Das Abenteuer von Black & White beginnt in den 80ern, mit ein paar Bengeln die vom Tornado namens Thriller erfasst sind. Es wird 25 Jahre später zu Ende gehen mit einem internationalem Begräbnis.
Heute tritt das Team des Magazins seinen Dienst wieder an, um ein allerletztes Mal denjenigen zu würdigen, der diese Magie erzeugt hat.
Hier also unsere Geschichte. Und die von Michael. Ein außergewöhnliches Abenteuer das uns sogar dazu gebracht hat, den King zu treffen, ihn kennen zu lernen und sogar für ihn zu arbeiten.
Im Laufe des Erscheinens von 73 Ausgaben der Black & White haben wir die Legende von Michael Jackson erzählt. Der Moment ist gekommen um den Schleier zu lüften und einen anderen Teil seiner Geschichte zu erzählen. Weniger frisiert, jedoch ebenso ganz wichtig.
Diese Ausgabe ist all den Fans gewidmet, die mit uns die Black & White Jahre erlebt haben.
Sowie denjenigen die nicht das Glück hatten, früher geboren zu werden – und dies bedauern.
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Übersetzung Seite 6:
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The Lost Children
Guten Tag, mein Name ist Laurent Hopman, Chefredakteur der Black & White, und Michael Jackson ist tot.
Die Nachricht klang wie ein gut vorbereiteter PR-Gag, eines der diversen Interna des King Of Pop. An diesem 25. Juni war ich im Büro, als ich ans Telefon gegangen bin.
Es war 23 Uhr und Isabelle war dran – eine Journalistin von uns, die mir die Sache mitgeteilt hat. „Michael Jackson wurde gerade ins Krankenhaus eingeliefert!“ sagte sie, überzeugt davon, dass sie mir eine alarmierende Nachricht überbrachte.
Ich erinnere mich, dass ich die Meldung mit einem ungezwungenen Lächeln zur Kenntnis nahm. Michael Jackson im Krankenhaus? Einige Tage vor seinem Aufbruch nach London wo 50 Konzerte auf ihn warteten, auf die er überhaupt keine Lust hatte und auf die er überhaupt nicht vorbereitet war? Das ist jetzt also die Show die er sich ausgedacht hatte, um aus den London-Konzerten auszusteigen. Wenn wir in all den vergangenen Jahren im Schatten des King Of Pop etwas gelernt hatten, dann zu misstrauen. Mit einer vor Zynismus triefenden Skepsis schalteten ich und mein Akolyth Julien also den Fernseher ein, um mehr über diese fantastische Meldung zu erfahren. Kaum hat CNN gerade die Meldung veröffentlicht, breiteten sich die Fernseh-Teams in den vier Ecken von Los Angeles aus, um zu versuchen Einzelheiten über die Sache herauszubekommen. Sämtliche Informationssender auf diesem Planeten folgten ihnen und unterbrachen ihr Programm, um unmittelbar den Entwicklungen dieses heißen Eisens zu folgen. Gleichzeitig begannen die Telefone im Büro zu klingeln.
Unsere Freunde und Mitarbeiter erfuhren von den Nachrichten. Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung, versicherte ich ihnen natürlich. Es handelte sich bestimmt um einen tollen Werbegag vom absoluten Meister im Manipulieren der Medien. Die mutige Inszenierung war nicht zu toppen. Wenn Michael Jackson seine London-Konzerte abblasen wollte, musste er sich was Spektakuläres einfallen lassen. Hat er nicht im Dezember 1995 eine ähnliche Veranstaltung abgesagt, nachdem er aufgrund eines Notfalls in einem New Yorker Krankenhaus gelandet ist?
Im ungezügelten Wettbewerb um exklusive Enthüllungen belegte TMZ den ersten Platz.
Den Milieu-Veteranen (darunter CNN, Fox und NBC) stets eine Länge voraus, hatte die Internetseite ihre Informationen aus seriösen Quellen, vor allem aus Polizeikreisen. Sie hatten die Einlieferung des Superstars ins Krankenhaus enthüllt, und es sickerten von Minute zu Minute weitere Informationen durch. Mit einem Auge auf CNN, mit dem anderen auf TMZ, verfolgten wir wie Millionen von Menschen in aller Welt diese aufregende Fernsehserie im modernen Zeitalter.
Angesichts der Beharrlichkeit der Medien, diese Neuigkeit ernst zu nehmen, kam in uns eine gewisse Unruhe auf. Und wenn ihm wirklich etwas passiert war? Der Zynismus wich der Ratlosigkeit und später einer gewissen Unruhe. Alle zehn Sekunden aktualisierte ich hektisch die Seite von TMZ, wobei ich nebenbei CNN schaute, dessen Helikopter sich über dem Ronald Reagan UCLA Medical Center befand, wohin der Krankenwagen der den King Of Pop transportierte, gerade hineingefahren ist.
Doch dann – die Nachricht ist eingetroffen. Sie erschien schwarz auf weiß nach einer allerletzten Aktualisierung der Seite, um 23 Uhr 12. „Michael Jackson ist tot“ gab TMZ bekannt. Niemals werde ich die sanfte Gewalt des Schocks vergessen. Sanft weil so irreal, unmöglich es zu glauben. Gewalt, weil absolut und unumkehrbar endgültig.
Ich erstarrte mit offenem Mund. Völlig benommen.
Eine unerhörte Ungerechtigkeit steckte in dieser Meldung. Eine nicht zu tolerierende Ungerechtigkeit. Wie konnte man so plötzlich sterben? Wie konnte ER so plötzlich sterben? Doch die Nachricht war da. Mit der grausam lakonischen Botschaft „Michael Jackson ist tot“ war alles gesagt. Ich sah Julien an und las ihm die Nachricht vor. Wir waren total bleich. Es gab nichts mehr zu sagen.
Die Medien aus aller Welt übernahmen die Meldung in den nachfolgenden Sekunden. Lediglich CNN weigerte sich, die Information umgehend zu bestätigen, da der Sender auf eine offizielle Bestätigung des Todes wartete. Die Zurückhaltung von CNN, bezüglich der Bekanntgabe von Michael Jacksons Tod hat bewirkt, dass Millionen von Fans, uns eingeschlossen, noch einen letzten Hoffnungsschimmer hatten. Etwa 20 Minuten lang schob der Sender den Schicksalsmoment vor sich her, begnügte sich damit, nach und nach die Namen seiner Kollegen mitzuteilen die den Tod bestätigten: „Wir erfahren gerade, dass NBC soeben den Tod von Michael Jackson gemeldet hat. Wir erfahren, dass Fox ebenso...“
Dennoch hörten wir nicht auf, an die wenn auch nur noch winzig kleine Möglichkeit zu glauben, dass sie sich alle irren, dass es sich um ein großes Missverständnis handelt. Das unwahrscheinliche Dementi kam jedoch niemals. CNN gab schließlich aus offiziellen Quellen Michael Jacksons Tod bekannt.
In der folgenden Sekunde schwappte eine neue Anrufwelle auf das Büro zu. Dieses Mal wollten die Medien Reaktionen festhalten. Die Journalisten von Europe 1 waren die ersten die angerufen haben. Sie wollten wissen, was der Michael Jackson Fanclub empfinden würde. Was wir empfinden würden... ? Wir waren geschockt, benommen von einer nicht verkraftbaren Nachricht, die über uns hereinbrach. Und wir waren traurig. Soviel dazu, was wir empfunden haben. Doch es gab nichts, was wir einem Radio- oder TV-Sender zu sagen hätten. Dieser arme Journalist tat mir leid, dessen Aufgabe es war, mir billig ein paar Statements abzuluchsen. Aber ich hatte eben nichts zu sagen. Keine Reaktion. Und jetzt lassen Sie mich bitte in Ruhe.
Wir waren traurig. Einfach traurig. Genauso wie wenn man jemanden verliert, den man geliebt hat. Und wie es unzählige Kundgebungen ab dem nächsten Tag beweisen sollten, ging es nicht nur uns so.
Im Büro von Captain Eo Productions hatte der Tod von Michael Jackson eine besondere Bedeutung in jener Nacht. Wie Millionen Fans in aller Welt, haben wir gerade einen Teil von uns verloren. Und während wir langsam begannen, das Endgültigkeit dieses Verlustes zu begreifen, haben wir verstanden, dass der Tag morgen in der Tat ein anderer sein würde, ein Tag ohne Michael Jackson, ohne den unbesiegbaren Held unserer Jugend, den Rekordbrecher, den der Rassenhindernisse überwunden hatte, den Künstler, der uns dazu gebracht hatte, Musik zu lieben, denjenigen der uns beigebracht hatte, den Wert von Perfektion zu schätzen.
Michael Jackson, das waren bereits 25 Jahre unseres Lebens.
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Übersetzung Seite 7: (Photo, kurzer Anmerkung rechts oben)
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Im Februar 2005, ein paar Tage vor Beginn des Arvizo-Prozesses, posiert Michael für den Photographen Jonathan Exley auf den Hügeln von Neverland.
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Übersetzung Seite 9:
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Thriller
Wir waren 12 Jahre alt, Julien und ich, als wir in den Kessel gefallen sind. Der Kessel hieß Thriller und wir sind dort regelrecht abgetaucht. Wie Dutzende Millionen von Fans überall auf der Welt, hatten wir unseren Held gefunden. Der perfekte Michael Jackson und seine musikalischen Spitzenleistungen, seine Tanzschritte, die nicht von dieser Welt waren, und sein einzigartiges Aussehen.
Das Thriller-Album ist die erste Platte die ich von meinem Taschengeld gekauft habe. Es war in Wirklichkeit sogar eine Kassette. Und an dem Tag, an dem das Band gerissen war, bedingt durch wiederholtes Anhören von Teilen davon auf meinem Hitachi-Kassettenrekorder, bin ich stolz losgegangen, um es mir nochmal zu kaufen. Mit Thriller haben wir die Musik entdeckt. In diesen goldenen Jahren, in denen die größten Namen im Pop-, Soul- und Rockgeschäft sich mit Hilfe von Megahits die Plätze in den zu begrenzten Hot 100 erstritten, gelangten wir wieder an den Hof des King. Es war der kreative Überfluss der eighties und Michael Jackson besetzte den Gipfel der Showbiz-Pyramide. Sein Triumph war ihm nicht auf dem Tablett serviert worden, den hatte er sich hart erarbeitet, in einer Zeit, in der man keinen weiteren Neger wie ihn mehr wollte. Michael Jackson hat das Rassenhindernis zersprengt, das bereits Sammy Davis, James Brown oder Sydney Poitier hatten beseitigen wollen. Er war der beliebteste Künstler in der Geschichte geworden, und herrschte in Alleinstellung über die reichste Periode, die die Popindustrie jemals kannte. Michael Jackson war der Gigant der Giganten. Seine Konsekration hat er nicht mitten in der künstlerischen Wüste bekommen, wie derjenige dem wie seit mehr als fünfzehn Jahren begegnen, der Chorsängerinnen vergöttert, die Sängerinnen geworden sind, oder von anderen komponierte Schlager-Sampler. Als Michael Jackson die erste Podiumsstufe bestieg und in den Charts die besten Plätze abräumte, ebenso wie die besten Trophäen in den Galas, waren seine Rivalen bereits Legenden oder Künstler die im Begriff waren, es zu werden. Wenn die weniger bedrohlichen Konkurrenten Prince, Whitney Houston, U2 oder Madonna heißen, der Wettbewerb ist hart...Durch diese gesegnete Fügung der Musikgeschichte wurde Michael Jackson der Größte. Der König der Plattenindustrie.
Wir waren zwölf Jahre alt und Michael Jackson wurde zu unserer Religion.
In unserer kleinen Stadt Eaubonne, am Stadtrand von Paris, waren Julien und ich wie die meisten Teenager in dieser Zeit fasziniert von diesem umwerfenden Sänger, der die Steinplatten vom Gehweg zum Leuchten brachte und mit den Gangs von L.A. tanzte.
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Übersetzung Seite 10:
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Alle Mädchen waren verknallt in ihn und alle Jungs wollten so sein wie er. Das war das erste Mal in der Geschichte, dass so viele Schwarze sich mit einem Schwarzen identifizierten.
In der erschütternden Ansprache, die Révérend Al Sharpton am 7. Juli 2009 gehalten hat, erinnerte er an den politischen und sozialen Einfluss, den Michael Jackson auf die amerikanische Gesellschaft ausübte. Seine Analyse ist keineswegs überzogen, wenn er dem Sänger bescheinigt, einen Verdienstanteil am Sieg von Barrack Obama bei den letzten Präsidentschaftswahlen zu haben. Selbst wenn diese Tatsache in den letzten Jahrzehnten seines Lebens nicht ganz so gut zu erkennen war, Michael Jackson war einer der besten Anwälte für Rassengleichheit in der Welt. Sein spektakulärer Erfolg hat nicht nur den Sender MTV, der sich weigerte Videos von schwarzen Künstlern zu senden, veranlasst, seine Politik zu ändern; er hat vor allem die Gesellschaft neu gestaltet, indem er die Mentalitäten einer ganzen Generation von Jugendlichen verändert hat. Jugendliche, die sich 20 Jahre später als fähig erweisen würden, über die Kandidatur eines Schwarzen zum Präsidenten der Vereinigten Staaten nachzudenken.
Wie dem auch sei, für uns Jugendliche, die wir damals waren, ohne Internet, ohne Kabelfernsehen, ja selbst ohne Videorekorder, war Michael Jackson 1983 beinahe eine Fata Morgana für uns. Jeder Auftritt von ihm hat uns überrascht. Man sprach ständig über ihn, aber niemand schien ihn wirklich zu kennen oder sich ihm jemals genähert zu haben. Er verkörperte ein authentisches Mysterium. Neuigkeiten sein Leben betreffend sickerten lediglich durch. Er würde eine Tournee mit seinen Brüdern machen. Es würde die Letzte sein. Vielleicht würde sie in Europa Station machen. Alles um Michael Jackson herum war faszinierend. Und wenn dieses Gefühl in uns beeindruckbaren Jugendlichen, die wie waren, zehn mal so stark war, dann konnte er die gesamte Bevölkerung berühren. Michael Jackson war niemandem egal. Das ist eine Tatsache, die man immer wieder im Laufe seiner Karriere wiederholen konnte, doch früher war dieses über die gesamte Welt, von einem bis zum anderen Ende des Planeten, verbreitete Empfinden eine Faszination, eine einstimmige Entzückung. Es war somit nichts Originelles, im Jahre 1983 ein Michael Jackson - Fan zu sein. Es war sogar das Banalste überhaupt.
Natürlich, nachdem er in der ersten Hälfte der 80er Jahre den ersten Platz in der Weltaktualität eingenommen hatte, begann Michael Jackson unter der Rückseite der Medaille hinsichtlich der medialen Überdosis, die ihn vergöttert hatte, zu leiden. Nach und nach setzte eine natürliche Entwicklung ein - das Publikum war übersättigt mit dem Phänomen Jackson. Der Planet hatte Thriller mehr als zwei Jahre lang morgens, mittags und abends konsumiert. Es war Zeit, zu etwas anderem überzugehen. Michael selbst hat es gut begriffen. Er hatte dies sogar vorhergesehen, als er sich ab seinem Weggang rar machte, da er fürchtete, dass die Überbelichtung und die schnelle Übermüdung sich beim Publikum bemerkbar machen würde. Nach We Are The World, im Februar 1985, seinem letzten großen öffentlichen Auftritt, zog er sich völlig zurück, und es wurde still um ihn.
Für die große Öffentlichkeit war Michael Jackson weg. Zumindest bis auf weiteres. Doch für einige unbeirrte Gallier ging der Kampf weiter. Einige hatten sich Michael Jackson besser eingeprägt als andere. Ich und Julien, wir gehörten zu diesen Bekloppten. Christophe Boulmé, ein paar Dutzend Kilometer von hier, ging es genauso, auch wenn wir ihn damals noch nicht kannten. Nach dem Ende von Thriller haben wir damit begonnen, entschlossen auf das nächste Kapitel zu warten. In der Überzeugung, dass es bald soweit sein würde, und es sich um das zwölfte Weltwunder handeln würde...
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Übersetzung Seite 13:
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Bad
Nachdem wir buchstäblich Jahre damit verbracht hatten, auf den Nachfolger von Thriller zu warten, wobei wir ihn uns von Tag zu Tag großartiger vorgestellt hatten, legten wir die Latte für Bad sehr hoch. Wir erwarteten nichts anderes als ein absolutes Meisterwerk. Unser Pop-Superheld war dazu absolut fähig. Es gab überhaupt keinen Zweifel daran... Dieser Druck, Michael Jackson brauchte uns dazu nicht, um jenen auf sich zu nehmen. Noch ein Gebiet, auf dem er glänzte. Im Badezimmer der Jacksons-Villa in Encino hatte er auf den Spiegel die Zahl „100 Millionen“ aufgeschrieben, das Verkaufsziel, das er sich für Bad setzte. Später einmal würde er es leugnen, dieses jemals getan zu haben. Doch es war dennoch die Realität. Michael wollte, dass Bad Thriller übertrifft. Das war viel. Und er tat alles dafür, um dies zu erreichen. Natürlich war das unmöglich. Der Blitz schlägt niemals zweimal an demselben Ort ein. Michael dachte stets, dass er dabei ist, immer größer zu werden, und dies war gewissermaßen auch der Fall. Doch wie auch immer er seine Musik, seine Videos oder Bühnenauftritte noch so sehr voller Hoffnung verbessern wollte, all das konnte Thriller nicht übertreffen – oder gar Thriller gleichkommen. Michael Jackson hat seinen Zenith 1982 erreicht, als er das perfekte Album abgemixt und die perfekten Clips abgedreht hat. Es war alles gesagt. Auch seine unzähligen Geniestreiche, die später kamen, würden daran nichts ändern. Wenn man an seinem Meisterwerk feilt, hat man eben manchmal Glück, und Michaels Glück war vorbei. Die Planeten hatten sich aneinandergereiht, das Universum hatte sich milde gezeigt: Das beste Popalbum in der Geschichte war erschienen. Dennoch liegt es nicht in der Natur eines Künstlers wie Michael Jackson, aufzugeben. Stets unzufrieden, war er immer der Ansicht, es besser machen zu können. Immer besser. Und genau diese, ja fast schon krankhafte Beharrlichkeit war es, die ihn dorthin geführt hatte, wo er war. Das ständige Hinterfragen führte dazu, dass er sich selbst untreu wurde. Michael hat sich Bad somit mit Leib und Seele verschrieben, indem er alles in Bewegung setzte, um es zu einem noch größeren Erfolg zu machen als Thriller. Als im Juli 1987 die erste Single in den Radios landete, waren wir 16 Jahre alt. Ich erinnere mich, dass wir sie regelrecht religiös auf einem kleinen Radio in Juliens Zimmer hörten. Der Song hieß selbstverständlich I Just Can’t Stop Loving You... und wir waren überhaupt nicht beeindruckt davon! Wir hatten auf eine donnernde Rückkehr gewartet, auf ein Billie Jean aus Eisenbeton, und man hat uns eine schöne Ballade serviert. Was Michael anbetrifft, den wir seit Jahren nicht gesehen hatten, so haben uns die beiden Photos, die auf dem Cover zu sehen waren, perplex gemacht. Auf der Vorderseite des Covers sah man ihn kaum, und auf dem kleinen Schwarzweiß-Bild auf der Rückseite war er nicht zu erkennen. Und er sah aus wie ein Mädchen... wir waren zumindest destabilisiert. Auf alle Fälle enttäuscht von diesem doch ruhigen Comeback, von dem wir so nichts mehr erwarteten.
Wir hatten natürlich die von Michael und CBS ausgetüftelte Marketingstrategie, die dahinter steckte, kaum begriffen, und die gerade erst begann. Langsam aber sicher begann die Maschine zu laufen. Aus Aberglaube wollte Michael ein Duo als erste Single veröffentlichen, wie zuvor bei Thriller. Ein langsamer Song und ohne Video, wie zuvor bei Thriller. Es sprang kein Funke über, aber das war Absicht.
I Just Can’t Stop Loving You wurde schließlich zu einem internationalen Erfolg, vermutlich aber nicht ganz so erfolgreich wie Michael es sich vorgestellt hatte. Der Titel hat den ersten Platz in den amerikanischen Hot 100 nicht geschafft, und konnte ebenso die seit Jahren eingeschlafene Jacksonmania nicht wieder erwecken. Man müsste dafür noch etwas warten.
Durch glücklichen Zufall fuhren Julien und ich in jenem Sommer für einen Monat nach Kalifornien, um Ferien zu machen. Lange geplant, wurde es zu einem schönen Aufenthalt.
Es gab viele Überraschungen, angefangen mit dem Tag, als wir zufällig auf ein Werbeposter fürs Bad-Album in den Regalen eines Plattenladens gestoßen sind.
Um die riesige Bedeutung davon zu erfassen, muss man sich in die damalige Zeit versetzen. Kein Internet, kein Satellitenempfang, kein Kabelfernsehen. Es sickerte überhaupt keine Information durch. Wir hatten Michael seit fast zwei Jahren nicht gesehen. Zuletzt war er schwarz, hatte kurze Haare, einen leichten Schnauzbart, und schminkte sich kaum. Niemand hatte jemals von seinem neuen Aussehen gesprochen oder gar ein Bild veröffentlicht. Eine Ausnahme war das Cover von I Just Can’t Stop Loving You, das auch nicht viel zeigte, es gab keine Möglichkeit herauszufinden, wie er aussehen würde oder wie nicht. Und da sind wir also, in den Gängen dieses Plattenladens und stolpern plötzlich über dieses riesige Werbeplakat fürs Bad-Album... Was für ein Schock.
Das besagte Poster enthielt das berühmte Photo von Michael im Stehen, in seinem Bad-Kostüm, von vorne, die Fäuste fest am Körper entlang. Mit offenem Mund erstarrten wir vor diesem Bild. War das wirklich er? Es war ein faszinierender Anblick, der aber auch total verwirrte. Das war nicht die Person die wir kannten. Sein Gesicht hat sich sehr verändert. Dieser neue Michael Jackson war androgyn. Auch war er viel weißer als früher. Und stark geschminkt. Seine Haare waren lang. Sein Outfit sollte Männlichkeit vortäuschen, stand aber im Kontrast zu seinen sichtbar femininen Gesichtszügen. Dieses Poster hat uns total perplex gemacht. Nachdem wir längere Zeit dieses spektakuläre Plakat betrachtet hatten – und vergeblich versucht hatten, es zu kaufen -, begannen wir zu verstehen, dass Michael Jacksons Rückkehr nun doch nicht so friedlich sein würde, wie wir noch angesichts der ersten Single befürchteten...
Absolut selbstverständlich, dass wir den Rest des Tages damit verbrachten, über diesen neuen Look zu diskutieren und mit dem früheren zu vergleichen. Wir hatten es so geschluckt, es schien von Stunde zu Stunde immer mehr annehmbar. Nur wenige Tage später haben wir ihn dennoch nicht ganz akzeptiert, als umständebedingt uns ein Dokument in die Hände fiel, das uns den Rest unserer Ferien verderben sollte.
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Übersetzung Seite 15:
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Als wir gerade in einem der größten Plattenläden in San Diego waren, traute sich eine kleine Französin, mit der wir unterwegs waren, und die um unser Interesse am neuen King Of Pop wusste, eine Mappe zu klauen, die den Titel „Michael Jackson – Bad“ trug, und hinter der Ladentheke herumlag. Sie war einfach hinter den Kassen vorbeigegangen und hatte den kleinen Diebstahl vor den Augen der Mitarbeiter begangen. Sie dachte sich wohl, dass das uns interessieren würde. Man wird wohl einsehen, dass solch eine großzügige Handlung, selbst wenn sie ein wenig illegal ist, nicht wirklich unter Straftaten fällt...
Als sie uns das besagte Dokument überreicht hat, waren wir erneut total baff.
Es handelte sich um das Dossier bezüglich der Vorbestellungen des Bad-Albums, gedacht für Großhändler und Großvertriebe. Klar, im Internetzeitalter erscheint einem so ein Dokument recht uninteressant, in einer Zeit wo es normal ist, sich gar etwas derart Vertrauliches durchzulesen wie einen Autopsiebericht. Doch 1987 war das für uns der Hammer.
Wir hielten eine kurze Präsentation des neuen Michael Jackson – Albums in den Händen,
ca. 3 Wochen vor dessen weltweitem Erscheinen. Auf dem Deckblatt das Cover vom Bad-Album. Innen dessen Formate – Kassette sowie CD. Ausgebreitet vor unseren verblüfften Fanaugen die visuelle Identität vom neuen Michael Jackson. Und als ultimativer Bonus – die komplette Songliste vom Album: elf Titel die dafür sorgten, dass wir gedanklich nur noch um die Platte kreisten – bis zu ihrem Erscheinen. Michael hat den Titeln seiner Songs stets eine große Bedeutung beigemessen. Doch bei Bad wurde daraus geradezu eine Kunstdisziplin. Man braucht sich lediglich anzusehen wo das Talent dieses Künstlers überall erkennbar ist, jenseits jeglicher Norm. Michael benannte jeden Song so, dass schon allein der jeweilige Titel einen Trommelwirbel erzeugte: meine Damen und Herren... Speed Demon! Dirty Diana! Liberian Girl! Smooth Criminal! Man In The Mirror! Vom Titel des Albums selbst ganz zu schweigen: BAD.
Die Kulisse stand. Michael Jacksons Comeback gewann endlich ordentlich an Tempo.
In Disneyland entdeckten wir Captain Eo, wo der Film seit etwa einem Jahr lief, dies hat uns beruhigt bis zum Erscheinen von Bad. Wir kehrten am 1. September nach Frankreich zurück, es war das Erscheinungsdatum des Albums in Europa, gerade rechtzeitig um uns am Tag X in die Fnac zu beeilen und die Galette vom König abzusahnen. Wir kauften das Album in „Fnac des Halles“, wobei wir uns bis an die Kasse die Ohren zuhielten, um die neuen Songs, die aus den Lautsprechern des Ladens dröhnten, nicht zu hören. Wir haben nicht 3 Jahre lang auf das Erscheinen dieses Album gewartet, um es unter diesen Bedingungen zu hören. Wir rannten so schnell wir konnten aus dem Laden und hielten uns dabei die Hände fest an die Ohren... solche Fans waren wir.
Und genau solche Fans waren wir auch während der gesamten Bad-Zeit, von 87 bis 89. Die dem Erscheinen von neuen Singles auflauerten, die seltene Platten sammelten, Videoaufnahmen mit Fans aus der ganzen Welt tauschten. Es gab damals wenige Dinge an die man herankommen konnte, und letzteres war auch noch sehr schwer.
Es hat uns in diesen Jahren sehr frustriert gemacht, vergeblich Infos oder Bilder zu suchen, und dies führte dazu, dass wir immer mehr Lust darauf bekamen, etwas zu erschaffen, was später mal Black & White werden würde. Die Bad-Zeit war also die Zeit von uns – die der Megafans. Wir waren vor Michaels Hotel – Le Crillon, als er mit der Bad-Tour nach Paris gekommen ist. Wir verbrachten einen Nachmittag unter seinen Fenstern, sahen ein Stück von seiner Hand, die sich hinter dem Fenster seiner Hotelsuite bewegte. Und dann fuhren wir wieder zu uns. Für zwei Groschen nicht mehr frustriert. 1988 trafen die Fans Michael Jackson nicht. Die Rollen waren klar verteilt: die Fans draußen, der King drinnen. Wir hatten nicht die Vorstellungskraft oder den Mut, welche die Fans einige Jahre später an den Tag legen würden, um zu versuchen, sich ihrem Idol zu nähern. Um am ersten Pariser Konzert der Bad-Tour teilzunehmen, wussten wir auch keinen Trick, um uns ins Stadion vor der Öffnung der Tore für die breite Masse reinzuschleichen, wie es später die raffiniertesten Anhänger des King machen würden. Julien und ich kamen um 6 Uhr morgens vor dem Parc des Princes an, am 27. Juni 1988, voll entschlossen, einen Platz in der ersten Reihe zu bekommen. An jenem Morgen gab es nur etwa fünfzehn Fans vor den Toren. Einige hatten die Nacht draußen verbracht. Das war wohl eines der letzten Male, dass solch eine kleine Gruppe am frühen Morgen sich vor einem Stadion versammelt wiederfand, um Michael Jackson zu sehen. Paar Jahre später sollte die kleinste Reise des King Hunderte von Fans in egal welche Stadt der Welt anschwemmen, Tag und Nacht. Doch 1988, ohne Internet, ohne einen Fanclub, ohne ein offizielles Magazin, lebten die Fans ihre Leidenschaft bei sich.
(Bemerkung oben rechts auf dem Photo unten:)
Wenige Augenblicke bevor er auf die Bühne steigt, amüsiert sich Michael, indem er so tut als würde er rauchen. Die Zigarette gehört seinem Manager, Frank Dileo.
[Yokohama, Japan, 27. September 1987]
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Übersetzung Seite 17:
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Fanclub
Die Promo vom Bad-Album ging ebenso leise zu Ende, wie sie begonnen hatte, mit einer letzten Single, Liberian Girl. Vorhang zu. Nach 3 Jahren intensiver Promo, sieben Singles, sechs Videos, einem Film, einer Autobiographie, und einer gigantischen Welttour, verschwand Michael Jackson von heute auf morgen aus dem Tagesgeschehen. Bad war ein bombastischer Erfolg gewesen, und wurde sogar – provisorisch – das zweitbestverkaufte Album in der Plattengeschichte. Der künftige King of Pop hatte sich eine ausgleichende Ruhe verdient.
Doch den Fans stand eine neue Dürrezeit bevor. Und auch wenn Janet – stets in Bereitschaft - ein wenig die Lücke schließen konnte, war die Musikszene total lasch. Genau in dieser Talsohle haben Julien und ich beschlossen, einen Fanclub zu gründen. Wir haben einen gemeinnützigen Verein aufgebaut, den wir Captain Eo Productions genannt haben. Der erste französische Michael Jackson – Fanclub war geboren... Als Geschäftssitz fungierte mein Schlafzimmer und seine zwei Betreiber hatten fast ihr Abi.
Unsere Anfänge waren sehr bescheiden. Unsere geringen Einnahmen erzeugten wir durch den Verkauf von Michael Jackson - Sammlerartikeln, die wir in England kauften und anschließend den Fanclubmitgliedern anboten. Die Gewinne daraus sollten eigentlich dem Ausbau des Unternehmens dienen. Diese Sache war richtiges Handwerk, das wir jedoch mit mehr Begeisterung ausübten als viele größere Projekte, die wir später noch machen würden. Ich kann mich erinnern, wie wir etwa in London oder Birmingham Plattenbörsen abklapperten, und anschließend unsere Taschen vor lauter Collectors zu reißen drohten...
Mit dem Verkauf von eben diesen Platten und anderen offiziellen Produkten haben wir die Herstellung der ersten Newsletter unseres Fanclubs finanziert. Und was für Newsletter!
Erstellt von völlig inkompetenten Amateuranfängern mit einem Atari 520 ST – PC als einziges Informatikwerkzeug. Wir erstellten Newsletter aus der Höhle...
Es muss in dieser Zeit gewesen sein, als ein gewisser Christophe Boulmé sich mit uns in Verbindung gesetzt hat. Dieser Herr behauptete, Grafiker zu sein, und bot an, uns bei eventuellen Michael Jackson – Projekten behilflich zu sein. Das war ein netter Vorschlag, den wir aber nicht wirklich ernst genommen haben, und ihn hinauskomplimentiert haben... Ein paar Tage später bekamen wir Post von demselben Christophe Boulmé. Es war ein schlichtes Blatt, ein Schwarzweiß-Druck mit einer Illustration und ein wenig Text. Darauf abgebildet war Michaels nackter Oberkörper. Eine prachtvolle Bleistiftzeichnung. Der kleine Text war eine Einleidung zur Zusammenarbeit an einem Projekt rund um Michael Jackson. Dieser Brief war der Anfang vom Black & White – Abenteuer.
So haben wir Christophe kennengelernt. Er war ein paar Jahre älter als wir, war aber bereits professioneller Grafiker. Die Idee von unserem Fanclub hatte ihn interessiert und er unterbreitete uns das großzügige Angebot, uns zu unterstützten. Gratis. Aus Spaß und um eine gemeinsame Leidenschaft zu teilen.
Diese Begegnung hat uns zum Nachdenken gebracht.
Seit einigen Jahren hat ein englischer Fan von Michael ein kleines Schwarzweiß-Magazin, das sich Off The Wall nannte, herausgegeben. Es war schwer, es sich zu besorgen, da es nur in bestimmten Plattenläden in London verkauft worden war. Es war zwar nicht besonders toll, da es aber die einzige Zeitschrift war, die komplett Michael Jackson gewidmet war, verpassten wir keine einzige Ausgabe. Als wir uns in dieses Fanclub-Abenteuer stürzten, war es stets unser Ziel, es möglich zu machen, eines Tages ein Magazin zu veröffentlichen, das komplett Michael Jackson gewidmet war. Es war nach dem Treffen mit Christophe Boulmé, als wir das Gefühl hatten, schließlich bereit zu sein, zu versuchen, die neue Erfahrung zu machen. Doch in Wirklichkeit war es weder soweit noch waren wir bereit. Doch mit der Arroganz gepaart mit dem Tatendrang, haben wir uns mit gesenkten Köpfen in das Abenteuer gestürzt. Kurze Zeit später nach dem Treffen mit Christophe, teilten wir ihm mit, dass wir die Absicht hatten, ein echtes Magazin zu machen, das komplett Michael Jackson gewidmet war, und es in ganz Frankreich über den Zeitschriftenhandel zu vertreiben... Ganz einfach...
Hinter dem Projekt steckte eine gute Mischung aus Unwissenheit und Wagemut. Wir hatten keinerlei professionelle Erfahrung, keine Ahnung von der Presse, und zur Krönung des Ganzen keine finanziellen Mittel. Dafür sprühten wir vor Geist. Den brauchte man, um an ein solches Projekt zu glauben. Das war es wohl, was Christophe überzeugte, sich mit uns in
dieses verrückte Abenteuer zu begeben.
Black & White
Im Mai 1991, machten wir uns also an die Arbeit. Im wahrsten Sinne. Um das nötige Geld für den Start unseres künftigen Unternehmens zusammenzukratzen, nahmen Julien und ich sämtliche Jobs an, die man uns angeboten hat. Und das waren nicht gerade die edelsten: nachts am Fließband in einer Plastikfabrik zu arbeiten, Fisch oder Käse zu verkaufen, faule Birnen aufsammeln, Bühnen aufbauen, Paletten beladen, Verzeichnisse alphabetisch sortieren, Gehsteige pflastern... ich komme dort raus und es wird besser.
Nach ein paar Monaten in diesem Regime, hatten wir gerade genug Geld zusammen, um eine kleine Gesellschaft gründen zu können.
Zur selben Zeit haben wir ebenso damit begonnen, darüber nachzudenken, welchen Namen wir diesem künftigen, voll und ganz Michael Jackson gewidmeten Magazin geben würden.
Die ersten Gerüchte das Dangerous Album betreffend kamen auf. Drei Songtitel waren in gut informierten Fankreisen im Umlauf: Black And White, Heal The World sowie It Doesn’t Really Matter (provisorischer Titel für Who Is It). Unsere Wahl fiel auf den ersten der drei.
Und als wir einige Zeit später erfahren haben, dass der richtige Name dieses Stückes Black Or White war, behielten wir trotzdem im Nu das „and“.
Die Monate bis zum Erscheinen der ersten Ausgabe des Magazins waren geprägt von einer Reihe von Enttäuschungen und Fallen. Ich erinnere mich an das erste Treffen mit Sony Music Frankreich, als wir gekommen sind, um unser Magazinprojekt vorzustellen und der damalige Verantwortliche uns all das aufgezählt hat, was wir nicht tun durften. Zunächst einmal hatte er Zweifel, ob wir das Recht hatten, den Namen „Captain Eo“ als Aushängeschild zu verwenden. Ebenso was die Photos anbelangte, die wir drucken wollten: sie waren alle geschützt. Auch durfte man nicht auf ihre Hilfe zählen, was Material anbelangte. Er hatte uns nichts zu geben.
Nach der Ermutigung von Sony Music, wandten wir uns an NMPP, der wichtigste Pressevertrieb in Frankreich. Wir stellten unser Projekt einem Verantwortlichen vor, der uns schlicht mitteilte, dass er nicht glaube, dass es für ein ausschließlich Michael Jackson gewidmetes Magazin einen Markt gäbe. Er empfahl uns, uns anderweitig umzusehen oder mit einem Projekt, das mehr Hand und Fuß hat, wiederzukommen. (Wir haben ihn angehört, und fanden bei der Konkurrenz mehr Resonanz)
Auch mussten wir eine Druckerei finden, um das Magazin zu realisieren, letztlich ein schwieriges Unterfangen für jemanden, der weder Geld hat, noch die Garantie, dass sich das auch lohnen wird. Sehr unsicher für unser kleines Unternehmen wurde es übrigens, als wir die ersten Kostenvoranschläge von den Druckereien erhielten. Es ging eindeutig um Summen, die wir nicht hatten. Unsere gesamte Strategie basierte darauf, die Druckerei nachher mit den erzielten Verkaufserlösen zu bezahlen – wenn alles klappen würde. Nicht unbedingt die beste Ausgangslage...
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Übersetzung Seite 18:
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Doch schließlich fanden wir eine Druckerei, die bereit war, sich auf diese Wette einzulassen. Und so erblickte die erste Ausgabe der Black & White das Tageslicht.
Damit das Budget nicht explodierte, dachten wir an ein Magazin im Riesenposterformat. Einerseits ein großes Bild, andererseits Artikel. So war es am wirtschaftlichsten. Doch wir waren sehr stolz auf das Resultat... In Wirklichkeit waren wir jedoch nur ein wenig in der Presse, etwa so wie der Bengel, der Makkaroniketten produziert, und sich wie im Juwelierladen fühlt. Wir hatten also zu tun... Doch stets ausgestattet mit unserer jugendlichen Arglosigkeit, kannte unsere Begeisterung an diesem Tag im Januar 1992, als das Magazin in ganz Frankreich in den Verkauf ging, keine Grenzen. Die Auflage betrug 20 000 Exemplare. Eine ganz ordentliche Zahl für eine Veröffentlichung dieser Art. Das Magazin erschien alle 3 Monate und kostete 15 Franc (2,1 Euro). Wir hatten geschätzt, anhand der Informationen die wir zusammengetragen hatten, dass es denkbar war, von der Erstauflage 50% zu verkaufen, d.h. etwa 10 000 Exemplare. Somit fielen wir aus allen Wolken als wir erfahren haben, dass unser prächtiges, weltweit einmaliges Magazin nur 4 000 Stück abgesetzt hatte... Das war nicht genug, um unsere Schulden zu bezahlen. Es reichte nicht ganz. Diese schlechte Nachricht hat uns dennoch nicht davon abgebracht, eine zweite Ausgabe herauszubringen. Davon überzeugt, dass es nötig war, das Konzept des Magazins nochmal zu überprüfen, haben wir es komplett überarbeitet. Es war vorher nicht kompakt genug, hatte zu wenig Photos, und zu wenige Artikel. Wir entwickelten somit ein mehr traditionelles Magazin, mit 32 Seiten. Davon überzeugt, dass die erste Ausgabe floppte, weil sie nicht gut genug war (womit wir gar nicht so falsch lagen), beschlossen wir also das Rad neu anzuwerfen, und uns eine zweite Chance zu geben. Alles oder nichts. Die zweite Ausgabe der Black & White erschien im April 1992. In dem Glauben, dass die bescheidene Auflage der ersten Ausgabe in den vollgestopften Regalen der Zeitschriftenhändler untergegangen war, beschlossen wir, die Auflage ein wenig zu erhöhen. Aus 20 000 Exemplaren haben wir 30 000 gemacht. Der Preis wurde auch erhöht, auf 32 Franc das Stück. Drei Monate später das gleiche knallharte Urteil wie beim ersten Mal: 6 000 Exemplare. Vulgär ausgedrückt: beschissen. Die Situation war relativ schlecht. Wenn wir etwas mehr Hirnschmalz gehabt hätten, hätten wir hingeschmissen und unser Studium wieder aufgenommen, das wir obendrein dafür unterbrochen hatten! Wir waren jedoch eine derartige Bande von unverbesserlichen Sturköpfen, dass wir es ein drittes Mal versuchen wollten, ein aller-aller-letztes Mal, und danach sollte es das gewesen sein, dann aber wirklich. Alles oder nichts oder: aller guten Dinge sind drei. Während wir dabei waren, erneut alles umzuwerfen, wurden die Konzertdaten der Dangerous Tour bekannt gegeben. Der King Of Pop sollte am 13. September 1992 in Frankreich sein. Das war die Gelegenheit und wir setzten diesbezüglich alles auf eine Karte. Im Leben gilt: friss oder Du wirst gefressen, ich bitte um Captain Eo Productions...
Dangerous Tour
Wir machten uns also an die Arbeit an der dritten Ausgabe von Black & White. Eines der Hauptprobleme mit denen wir konfrontiert waren, betraf die Photos von Michael. Angefangen damit, dass nur wenige unveröffentlichte erhältlich waren und dazu sehr teuer. Wir hatten nicht ansatzweise die Mittel, eine Ausgabe mit solchen zu füllen. Wir konnten uns kaum eines leisten. Um dieses Problem zu lösen, dachten wir an folgende Lösung: unsere eigenen Photos von Michael während der Dangerous Tour zu machen, und diese einfach fürs Magazin zu verwenden. Das Hauptproblem dabei: die Chancen für uns, einen Photoausweis zu ergattern, um Michael auf der Bühne zu photographieren, waren sehr gering.
Die Dangerous Tour sollte das Ereignis des Sommers werden: Sony Music war überschwemmt mit Anfragen von Photographen aus sämtlichen europäischen Ländern. Darüber hinaus, wenn wir eine Ausgabe der Black & White im September herausbringen wollten, während die Tour in Frankreich Station machte, musste man natürlich schon viel früher Photos machen, und demzufolge in einem anderen Land. Da wir mit einer Unterstützung von Seiten von Sony Music Frankreich nicht rechnen konnten, die sich um Wichtigeres zu kümmern hatten, machten wir uns auf die Suche nach einem Datum, um unser Glück zu versuchen. Rotterdam war logischerweise die beste Wahl. Dies war die zweite Station der Tournee, und zwei Schritte von Paris entfernt. Ganz offensichtlich waren wir an einem Punkt in unserem Black & White Abenteuer angekommen, wo es das Glück noch nicht gut mit uns gemeint hatte. Wenn nicht bald ein neuer Wind wehen würde, würden wir an dieser Stelle ganz schnell das Kapitel erörtern, das man für gewöhnlich „the end of the haricots“ nennt.
Zu unserem Glück, wehte schließlich ein neuer Wind. Er begann so stark zu wehen, wie die Ventilatoren von Earth Song, machte unsere Entscheidungen zu Geniestreichen und all unsere Anstrengungen zu Riesenerfolgen. Unser erster Glücksfall war der Erhalt eines Photoausweises, um Michael auf der Bühne in Rotterdam zu fotografieren. Ich verstehe immer noch nicht so ganz, wie es genau dazu kam. Alles was ich weiß ist, dass dieses Kunststück nicht nur auf reines Glück zurückzuführen war. Es muss auch der Einsatz meines Vaters – Herrn Hans Hopman, gewürdigt werden. Seht, Hans ist Holländer. Was könnte es natürlicheres geben, als ihn darum zu bitten, seine Artgenossen bei Sony Music Holland anzurufen, und sämtliche erdenkliche Mittel einzusetzen, um sie dazu zu überreden, uns einen Photoausweis zu gewähren? Auch dafür sind doch letztlich die Eltern da. Nach einem längeren Gespräch mit jemandem namens Joos, holländischer, mit Michael Jackson betrauter Marketing-Verantwortlicher, ergatterte Hans Hopman einen Photoausweis für uns. Ich habe nie genau gewusst, wie er es ausgeklügelt hat, ob er uns als kranke Kinder hingestellt hatte, oder ob er versprochen hatte, ganz Sony Holland auf die Kartoffelparty einzuladen, doch nach diesem Gespräch, waren wir auf der Photographenliste für das Konzert vom 2. Juni 1992 in Rotterdam. Glückstreffer number one. Christophe Boulmé hat also diesen berühmten Photoausweis aufgebrummt bekommen, um den King Of Pop live abzuschießen.
[Rotterdam, Niederlande, 30. Juni 1992] (Text auf Photo rechts unten)
Text links unten, Seite 19:
Michael hat sich sofort in diese Illustration von Christophe Boulmé verliebt. Da sie Anfang 1992 in der Black & White erschienen ist, wurde sie komplett von Hand gefertigt. Früher gab es kein Photoshop, um sich die Arbeit zu erleichtern, wir hatten nicht die Mittel, um die Software zu kaufen!
Kurzer Text, Photo Seite 20:
[Rotterdam, Niederlande,
30. Juni 1992]
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Übersetzung Seite 21:
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Neben der Tatsache, dass er talentierter Grafiker war wie er im Buche steht, war Christophe Boulmé schon auch ein leidenschaftlicher Photograph. Doch nichts konnte ihn auf die Erfahrung vorbereiten, die er an jenem Tag machen sollte. Mit seinem eigenen, bescheidenen Photoapparat, gegenüber den übermäßig ausgestatteten Berufsphotographen, die sich mit dem unfairen, rücksichtslosen Gedrängel gut auskannten, fand er sich in einem absoluten Chaos wieder, mit dem Auftrag, einige perfekte Schnappschüsse hinzukriegen. Es ging hier um die Zukunft von Black & White.
Doch dann... ereignete sich etwas Verblüffendes. Das erste und einzige Mal auf der Dangerous-Tour begann das Konzert an helllichtem Tag, eine Viertelstunde vor Nachtanbruch. Das kam nie wieder vor. Doch die Folgen dieser kleinen, scheinbar harmlosen Anomalie, waren für uns von großer Bedeutung. Ganz einfach, Christophe hatte weder den richtigen Photofilm noch einen entsprechend geeigneten Photoapparat, um in der Nacht Photos zu machen. Die Qualität seiner Schnappschüsse wäre dürftig gewesen. Doch in diesem irrealen Licht der letzten Augenblicke vom Tag, gelang es Christophe, den Auftritt des King Of Pop in einer nicht gekannten Qualität festzuhalten. An jenem Tag hat er einige der besten Bilder der Dangerous Tour gemacht, die wir jemals zu sehen bekommen sollten.
Der dritte Glückstreffer, welcher aus dem naiven Denken zwei unerfahrener Geister entstand, und der Black & White vor dem Tod bewahrte, war aber auch gleichzeitig der am wenigsten ruhmvolle von allen. Immer noch in der Überzeugung, dass die bescheidenen Resultate von den ersten beiden Ausgaben der Black & White darauf zurückzuführen waren, dass das Magazin an den Zeitungsständen nicht sichtbar genug war, erschien es uns logisch, erneut die Auflage erhöhen zu müssen. Diesmal aber so richtig.
Die Auflage der zweite Ausgabe belief sich auf 30 000 Exemplare. Wir beschlossen, dass es bei der dritten Ausgabe 100 000 werden sollten. Angesichts von siebzehn Jahren, die wir in der Presse verbracht haben, können wir heute sagen, dass die Vorstellung, die Auflage zu steigern, um im Zeitschriftenhandel mehr aufzufallen, nicht wirklich richtig war. Doch 100 000 Stück waren einfach Unsinn. Durch glücklichen Zufall brachte diese absurde Entscheidung die Dinge dennoch zum Laufen. Man hat tatsächlich mehr Notiz von uns bekommen als vorher. Plötzlich entdeckten Scharen von Michael-Fans das Magazin, das seine endgültige Form gefunden hatte, zum Preis von 28 F, 4 Riesenposter inklusive. Diese dritte Ausgabe der Black & White hat 25 000 Exemplare verkauft. Das war ein echter Erfolg, trotz der riesigen Auflage. Endlich hatte die Maschinerie zu laufen begonnen. Black & White hatte sein Publikum gefunden.
(Anmerkungen in rot, unter den Magazinabbildungen rechts oben: )
Die ersten Ausgaben von Black & White erschienen in einer Zeit, als das P.A.O. (Periodicals Archives Online) noch in den Kinderschuhen steckte. Um das Cover zu machen, hat Christophe Boulmé einen Entwurf von Hand erstellt, mit Bleistift auf Papier! Wir hatten keinen Scanner und nur einen PC, den wir uns teilen mussten. Anfangs waren alle Artikel mit der Schreibmaschine getippt, daraufhin erneut auf dem Computer getippt. Andere Zeit, andere Arbeitsweise. Der erste Mac von Christophe hatte einen 20 MB Arbeitsspeicher. 30 000 weniger als der Rechner, auf dem er diese Ausgabe gemacht hat...
(handschriftliche Notiz rechts oben: )
Entwurf 80%
Kleiner Text auf dem Bild unten:
[Tokio, Japan, 31. Dezember 1992]
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Übersetzung Seite 23:
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Auf der Jagd nach Michael
Seit dem Beginn des Black & White – Abenteuers, haben Julien und ich nie wirklich an die Möglichkeit gedacht, Michael Jackson zu treffen. Auf jeden Fall war dies nicht eine Motivation, um den Fanclub oder das Magazin zu gründen. Früher wäre das sowieso nicht realistisch gewesen. Niemand hat Michael Jackson getroffen, von einer Hand voll Privilegierter abgesehen. Jedoch versuchten wir mehrmals, mit seinem Team in Kontakt zu treten, stets in der Hoffnung, eine Hilfestellung für das Magazin zu bekommen, Infos, unveröffentlichte Photos.
Der erste Versuch war zaghaft und ziemlich erfolglos. Wir stellten uns an der Rezeption von Michaels Hotel vor, in Rotterdam, am Tag nach dem Konzert, und baten darum, mit Bill Bray zu sprechen, der für Michaels Sicherheit zuständig war. Das war der einzige Name, den wir aus Michaels Umfeld kannten. Nach einigen Minuten Wartezeit, kam ein Bodyguard um uns zu sagen, dass Bill Bray nicht da sei, und dass man hier bleiben dürfe. Wir versuchten, ihm einen Stapel von Black & White Heften zu überreichen, und baten ihn darum, sie an Mister Bill Bray weiterzuleiten. Bevor er wieder auf sein Zimmer ging, gab der Hofhund sie dem Portier, dieser wiederum hat sie in eine Ecke gelegt. Dort liegen sie wahrscheinlich immer noch.
Unser zweiter Versuch, Michaels Team zu kontaktieren, war zwei Monate später, in Paris, einen Tag vor dem Konzert im Hippodrome de Vincennes Stadion. Michael wohnte im Plazza Athenée Hotel, und wir waren entschlossen, Exemplare der Black & White jemandem aus seinem Team persönlich auszuhändigen. Wir warteten stundenlang in der Eingangshalle seines Palastes, lauerten auf jemanden aus seinem Staff. Als schließlich Bill Bray durch die Halle ging, umgeben von drei fetten Bodyguards, stürzte Julien sich schreiend auf ihn „Mister Bill Bray! Mister Bill Bray!” Der alte Bill hielt kaum an, als er über seine Schulter schaute, was man von ihm wollte.Wir hielten ihm das Magazin vors Gesicht, brabbelten irgendwelche Erklärungen, doch seine Assistenten wimmelten uns ab. Wir kehrten zurück in die Halle, um uns hinzusetzen, verärgert, und warteten noch ein wenig. Der Nachmittag neigte sich dem Ende zu und war besonders unproduktiv. Dann wohnten wir dem unglaubwürdigsten Spektakel überhaupt bei. Am anderen Ende der Eingangshalle erblickten wir das Erscheinen einer anderen grotesken Person, die aus dem Aufzug kam. Er trug alte Turnschuhe, einen gelben Jogginganzug, eine unpassende weiße Strickweste, und hielt in der Hand eine Supermarkt-Plastiktüte, offenbar mit Zeitschriften. Er hatte einen beliebigen Gesichtsausdruck. Er trug Brille und Bart. Er trug eine weiße Baseballmütze. Der Typ war ca. 30 Jahre alt, recht dünn. Wahrscheinlich vom Mittleren Osten. Iran, Saudi Arabien, Libyen. Sein Expressset war derart lächerlich, dass ich Julien zuzwinkerte. Der Typ ging an uns vorbei und wir folgten ihm mit dem Blick nach bis zum Ausgang. Da er uns nun mit dem Rücken zugewandt war, konnten wir seine Haare sehen. Er trug ein Haarband. Ungewöhnliche Frisur für so einen bedauerlichen Spießer. Sein erbärmliches Haarband fiel aus dem Luxusrahmen dieses Palastes. Wir brauchten eine Weile, eins uns eins zusammenzählen. Als wir über die seltsame Vorstellung schmunzelten, dass so ein Individuum Kunde im Plazza Athénée sein konnte, machte es klick: Hatten wir nicht gerade Michael Jackson vor uns, in einer seiner berühmten Verkleidungen? Sofort liefen wir Richtung Ausgang und suchten auf dem Gehweg nach dem seltsamen Person, doch sie war bereits verschwunden...
Mir gefällt der Gedanke, dass unser erstes Treffen mit Michael an jenem Abend stattgefunden hat.
Es ergab sich somit keine Gelegenheit, an Michaels Team heranzukommen, als die Dangerous Tour in Frankreich gastierte. Dennoch markierte sie den Startschuss von Black & White. Parallel zum Magazin leiteten wir den Fanclub sowie einen Videotextservice, getauft 3615 Dangerous. All das von unseren jeweiligen Schlafzimmern aus, da wir natürlich nicht die Mittel hatten, um Büros aufzumachen. Somit wurden die ersten 4 Black & White – Hefte aus Nebeneinnahmen finanziert. Was unser Selbstbewusstsein jedoch nicht schmälerte. In den drei Monaten bis zum Erscheinen der vierten Ausgabe von Black & White (das Magazin erschien 3-monatlich), bereiteten wir die Veröffentlichung einer deutschen Version vor.
Germanien war früher der zweitwichtigste europäische Markt für den King Of Pop, hinter Großbritannien und vor Frankreich. Insofern war es gewissermaßen logisch, eine entsprechende Version für unsere sympathischen Freunde jenseits des Rheins zu produzieren.
Und das haben wir auch gemacht. Ab der 4. Ausgabe von Black & White erschien somit gleichzeitig eine deutsche Version. Diese Version hatte umgehend Erfolg, übertraf manchmal sogar die in Frankreich erzielten Resultate.
Tokio, 31. Dezember 1992
Ende 1992, ein Jahr nach dem Start von Black & White, haben wir uns die ersten Büros in Paris genommen. Prachtvolle 20qm hinter einem Hof, nahe bei öffentlichen Mülltonnen. Es gab gerade mal genug Platz um zwei Büros einzurichten, basierend auf einem Brett und Gestell, sowie unserem allerersten Computer (ein Mac IIci, für diejenigen, die eine Leidenschaft für Archäologie besitzen). Nach den Erfolgen der Ausgaben 3 und 4, hatten wir gewissermaßen einen Tugendkreis betreten, wo eine gute Nachricht die nächste jagte. Unsere Beziehungen zu Sony Music hatten sich spürbar verbessert, seitdem wir für sie ein verkaufsförderndes Werkzeug darstellten. Deswegen unterstützten sie uns, als wir beschlossen, das letzte Konzert der Dangerous Tour 1992 zu besuchen, das am 31. Dezember 1992 in Tokio stattfinden sollte. Sie gewährten Christophe einen Photoausweis und einen Sitzplatz in den ersten Reihen für eine Begleitperson. Julien ließ mir den Vortritt.
Text Photo unten:
Mit Sylvester Stallone in Monza, in Italien, am 6. Juli 1992
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Übersetzung Seite 24:
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Hinter dieser vermeintlichen Großzügigkeit verbarg sich vermutlich eine echte Weitsicht, da dieser Ausflug nach Japan ein sehr unangenehmes Unterfangen war. Aus Kostengründen hatten wir die tolle Idee, einen Hin- und Rückflug nach Tokio zu buchen, ohne vor Ort zu übernachten, in etwa wie wenn man tagsüber von Paris nach Deauville fährt, um am Strand zu picknicken. Doch die Normandie und Japan, das sind letztlich doch zwei paar Schuhe.
Christophe und ich kamen um 16 Uhr in Tokio an, am Dienstag, den 31. Dezember 1992. Dann begaben wir uns zügig in Michaels Hotel, um Christophes Photoausweis sowie mein Ticket beim Tour-Pressesprecher abzuholen, und brachen dann auf Richtung Tokio Dome, das ortsansässige, japanische Bercy, wo Michael sein achtes und letztes Konzert in der japanischen Hauptstadt geben sollte. Während ich zu meinem Platz im Saal ging, paar Minuten vor Konzertbeginn, ging Christophe ins Backstage, um sich erneut aufs Photographieren des King Of Pop in action vorzubereiten. Wie einige Monate zuvor in Rotterdam, meinte es das Glück in Tokio erneut gut mit uns. Weil das Konzert das achte war, das Michael in dieser Stadt gab, und weil es an einem 31. Dezember stattfand, gab es nur einen einzigen weiteren Photographen, der für dieses Spektakel akkreditiert war. Somit kein Gerangel an der Tagesordnung. Und da ein Glück selten allein kommt, hat der Tour-Pressesprecher an jenem Abend etwas gemacht, wozu er nicht berechtigt war, und was er während der gesamten Tour niemals gemacht hatte: er ließ die Photographen rein, bevor Michael auf der Bühne war. Dies war entgegen dem Usus, da eigentlich niemand photographieren sollte, wie Michael auf die Bühne kommt, natürlich weil es eine Überraschung sein sollte. Doch an jenem Abend, zum ersten und letzten Mal, änderte sich die Regel. Zuviel Sake (jap. Rotwein) getrunken oder ein depressives Syndrom kurz vor dem neuen Jahr? Man wird es nie erfahren, was den Verantwortlichen dazu brachte, uns derart entgegen zu kommen. Wie auch immer, Christophe hat die Gelegenheit beim Schopfe gepackt. Er fand sich allein vor der Bühne wieder, paar Sekunden vor Michaels Ankunft, und wusste, im Gegensatz zu seinem japanischen Kollegen, der keine Ahnung hatte, was gleich passieren würde, dass Michael von unten auf die Bühne springen würde. Also stellte er sich an der richtigen Stelle hin, um diesen Augenblick mit seinem Photoapparat einzufangen.
Und es hat geklappt. Dieser Schnappschuss wurde ein Klassiker und einer von Michaels Favoriten. Nachdem er während der ersten beiden Songs des Konzerts Photos gemacht hatte,
wurde Christophe vorschriftsgemäß aus dem Stadion geführt. Und während er auf mich wartete, wohnte ich dem Konzert bei, das eher ruhig verlief, wie am Schnürchen, ohne weitere Überraschungen, von der Anwesendheit von Slash bei Black Or White abgesehen.
Am Ende des Spektakels, meldete sich Michael aus seiner Loge, im Bademantel, und wünschte dem Publikum ein gutes Neues Jahr 1993. Ich weiß nicht, wie es für die
45 000 Zuschauer im Dome war, doch für Michael war es letztlich kein gutes Jahr. Aber dazu kommen wir noch...
Paar Minuten nach diesem überwältigenden Konzert, machten wir uns auf den Weg zum Flughafen, und während Tokio das neue Jahr begann, flogen wir, ziemlich erschöpft, Richtung Frankreich. Wir hatten 18 Stunden im Land der aufgehenden Sonne verbracht, laut Armbanduhr... Aber wir hatten unsere Reportage für die fünfte Black & White – Ausgabe.
Kurz nach dem Erscheinen von Heft Nummer 6, als das Magazin mittlerweile recht etabliert war, dachten wir, dass der Moment gekommen war, es Michael zukommen zu lassen, in der Hoffnung, dass er mitmacht. Nach schwierigen Recherchen bekamen wir schließlich die Adresse von den Büros von MJJ Productions ins Los Angeles heraus. Was heute ein 12-Jähriger, der Internet hat, in 5 Minuten erledigen kann, hat uns viel Anstrengung gekostet.
Und wir waren nicht einmal sicher, ob es überhaupt die richtige Adresse war. Michaels Angelegenheiten drangen in dieser Zeit de facto kaum nach Außen. Er hielt sein Reich mit eiserner (in einem weißen mit Pailletten besetzten Handschuh steckender) Hand, und hatte auch die nebensächlichsten Aspekte seiner Karriere unter Kontrolle. Glücklicherweise war die Adresse von MJJ Productions, die wir gefunden hatten, richtig. Und nachdem wir dort die letzte Black & White – Ausgabe hingeschickt hatten, erhielten wir paar Wochen darauf ein Fax von MJJ Productions.
Genau in dem Moment, als wir das blöde Blatt Papier sahen, wurde uns klar, dass wir überhaupt nicht mit einer Antwort vom Jackson-Camp rechneten. Es war also doch möglich!
Wir waren total außer uns. Es war unser erster Kontakt mit dem Hauptsitz. Eine Art drittklassiges Treffen per Fax. Wir kamen uns in unseren Räumlichkeiten neben den Mülltonnen auf einmal sehr groß und wichtig vor. Wir hatten ein Fax von MJJ Productions bekommen. Mit allem drum und dran. Michael hat das Magazin gesehen, fand es super, und wollte, dass man ihm weitere schickt. Auch wollte er Übersetzungen von den Artikeln. Das Fax war unterzeichnet von Bob Jones, dem Vizepräsident von MJJ Productions. Der erste Kontakt also zu Michaels Team. Wir haben uns nicht lange bitten lassen, um Michaels Forderungen zu erfüllen. Und im Laufe der folgenden Monate, kamen regelmäßig weitere.
Ständig wollte Michael Magazine, weitere Magazine und noch mehr Magazine.
In diesem Stadium des Abenteuers, waren wir immer sehr gemäßigt hinsichtlich unserer Kontakte zu MJJ Productions, zögerten mit etwaigen Bitten, um nicht zu fordernd zu wirken.
Trotzdem hatten wir ein Magazin zu füllen, und begannen in Gedanken an all die Fans, die immer eifriger unsere Abenteuer bei jedem Erscheinen eines Hefts verfolgten, uns Hoffnungen zu machen, ihnen irgendwann von dem ultimativen Erlebnis berichten zu können: von einem Treffen mit dem King Of Pop.
Irgendwann Ende Juni 1993 versuchten wir also unser Glück, indem wir eine offizielle Anfrage bei MJJ Productions starteten: Sehr geehrter Herr, wäre es bitte möglich, Michael Jackson zu treffen? Immerhin war die Frage verdientermaßen einfach zu formulieren. Paar Tage später erhielten wir die genauso einfache Antwort: Ja, das sei möglich. Bob Jones bemerkte, dass es möglich sei, etwas in Istanbul, in der Türkei, zu organisieren, oder auf Teneriffa, auf den Kanarischen Inseln. Das waren auf dem Tourplan der Dangerous Tour 1993, die im Wesentlichen in Asien und Südamerika stattfand, die Orte, die Frankreich am nähesten waren. Doch die Bestätigung für das Treffen verzögerte sich. Einige Wochen später wurde die Welt vom einem nicht vorher dagewesenen Skandal erschüttert: die Chändler-Affäre.
Übersetzung des Faxes, in der Mitte auf Seite 24:
Das erste Fax von MJJ Productions:
„18. Juni 1993
Das Magazin sieht toll aus, könnten Sie uns mindestens sechs weitere Exemplare besorgen, und gibt es eine Möglichkeit, dass jemand den Leitartikel für Herrn Jackson übersetzt.
Danke nochmal und geben Sie uns Bescheid.
Bob Jones“
Kurzer Text Bild rechts (Seite 25):
Tokio, Japan, 31. Dezember 1992
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Übersetzung Seite 26:
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Erstes Treffen...
Wie alle Fans nahmen wir die Nachricht mit Ungläubigkeit auf. In Frankreich nahm der Skandal nicht die gigantischen Ausmaße an wie in den USA. Die Nachrichten erreichten uns in abgemilderter Form. Dennoch herrschte um Michael ein riesiger Sturm. Er war in Bangkok, in Thailand, im Begriff, den zweiten Teil der Dangerous Tour zu beginnen, als Ende August 1993 als die ersten Anschuldigungen bezüglich der Pädophilie auftauchten.
Obwohl sein Team seit mehreren Wochen ein Einvernehmen mit der Familie Chandler aushandelte, kam die Skandalmeldung für ihn überraschend . Sein Anwalt Bert Fields sowie sein Privatdetektiv Anthony Pellicano hatten ihm versichert, dass sie die Sache unter Kontrolle hatten. Doch deren Ungeschicklichkeit veranlassten Evan Chandler, Jordies Vater, schließlich, seine Anschuldigungen öffentlich zu machen.
Die Boulevardpresse berichtete über Michaels extreme Reaktionen, als der Skandal losbrach.
Und einmal war ihre Berichterstattung sogar zutreffend. Allein auf seinem Hotelzimmer in Bangkok, verlor Michael den Boden unter den Füßen. Nervenzusammenbrüche, Panikattacken, Wutausbrüche... hinzu kamen die Schmerzmittel. In hohen Dosen. In Bangkok war es, wo Michael zum ersten Mal Morphium verfiel, unfähig, mit den gemeinsten Anschuldigungen fertig zu werden, die man gegen ihn erheben konnte.
Aus allen vier Ecken der Welt, zeigten die Fans sofort ihre Unterstützung, und weigerten sich, die Kinderschändervorwürfe zu glauben. Und die Dangerous Tour, deren Name nie zuvor richtiger geklungen hatte als jetzt, zog weiter, wenn auch immer mehr Konzerte abgesagt wurden, ebenso immer mehr berichtet wurde, je nach Belieben über Michaels Angstzustände, die ihn lähmten, oder seinen exzessiver Medikamentenkonsum, der ihn kaputt machte. Natürlich waren wir weit davon entfernt, die Realität dieser Situation richtig einzuschätzen. Das Jackson-Lager machte gute Miene zum bösen Spiel, indem es jedes noch so kleine Gerücht abmilderte, und den Star dazu drängte, die Tournee fortzusetzen, koste es was es wolle.
Genau mitten drin in diesem Sturm trafen wir Michael zum ersten Mal, in Teneriffa, eine kleine Kanarische Insel, im großen Senegal. Julien und ich reisten an, ohne sicher zu sein, dass das Treffen wirklich stattfinden würde. Es waren besondere Umstände, und MJJ Productions konnte nichts garantieren. Was sich wohl jeweils von selbst versteht.
Erst begegneten wir auf Teneriffa Bob Jones. Damals 50 Jahre alt, war er Michael Jacksons Pressesprecher, eine Rolle für die man ihm den schickeren Titel des Vizepräsidenten von MJJ Productions verliehen hatte. Bob Jones war eine wirkliche Persönlichkeit. Während des Großteils seines Lebens hatte er für Motown gearbeitet. Da er bereits Pressesprecher der Jackson 5 war, kannte er Michael schon immer. Er hatte eine tiefe Stimme, dunkle Augen, und er mochte es, damit zu spielen, um sich Respekt zu verschaffen. Als wir ihm das erste Mal gegenüberstanden, in Michaels Hotel in Teneriffa, verhielten wir uns eher schüchtern. Wir waren gerade mal 23 Jahre alt, und dieser imposante Amerikaner machte keinerlei Anstalten, um die Situation aufzulockern. Er fand Gefallen daran, lange Augenblicke verstreichen zu lassen, ohne irgendwas zu sagen und antwortete auf unsere Fragen stets so knapp wie möglich.
Natürlich hat er nur eine Rolle gespielt, nämlich die des hohen Tiers. Und das gelang ihm auch. Wir waren beeindruckt und fühlten uns unwohl. Er blieb vor uns sitzen, ohne etwas zu sagen, und kuckte müde in die Ferne! Er beantwortete lässig unsere Fragen, so als ob wir ihn langweilten. Was vielleicht auch so war. Nach diesem surrealen Rendezvous bekamen wir dennoch zwei Backstage-Pässe, um hinter die Kulissen des Konzerts zu gelangen, das Michael am selben Abend auf dem Santa-Cruz Hafen in Teneriffa vor 70 000 Personen geben sollte.
Es war nicht möglich, sich in irgendeiner Weise auf das Treffen vorzubereiten, das an jenem Abend stattfinden sollte. Als wir hinter die Bühne kamen, in das große Gehege bei offenem Himmel, wo die Zelte der Techniker aufgebaut waren, die Logen der Musiker und Tänzer sowie die Kantine, gingen wir weiter. Das ist für jeden ein faszinierendes Erlebnis, aber noch aufregender für einen Fan, der vorher davon geträumt hat. Wir blieben etwa eine Stunde hinter der Bühne, begegneten Leuten, die wir kannten. Darunter Siedah Garret, eine von Michaels Backgroundsängerinnen, oder Sam Emerson, sein offizieller Photograph. Und dann kam Bob Jones im Laufschritt an, und gab uns Bescheid, dass Michael bereit sei, uns zu treffen. Wir folgten ihm in Richtung eines kleinen Zeltes, das auf Abstand von den anderen errichtet war. Zwei Bodyguards saßen am Eingang, die so taten, als ob es eine unmittelbare Gefahr gäbe. Sie nahmen ihren Job sehr ernst. Als sie uns ankommen sahen, streckten sie instinktiv die Hände aus, um uns auf gutem Abstand zu halten. Unwichtig, dass wir von Bob Jones begleitet wurden, sie bewachten eben den unnahbaren King.
Plötzlich kam Michaels Mutter, Katherine Jackson, hinkend aus dem Zelt. Die Bodyguards begannen zu handeln, und wir bekamen ein Zeichen, das Zelt zu betreten. Bob Jones ließ uns vor. Ich kam als erster rein. Man musste im Zelt durch einen kleinen Gang durch, um in einen Hauptraum zu gelangen, wo ein Photostudio aufgebaut war. Unser Treffen mit Michael sollte vor dem Objektiv von Sam Emerson stattfinden, der das Ereignis verewigen würde.
Text Photo oben:
Mit Katherine, seiner Mutter.
Text Photo unten:
Das erste Treffen mit dem King Of Pop, am 26. September 1993 in Teneriffa, auf den Kanarischen Inseln. Ein surrealer und unvergesslicher Augenblick.
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Übersetzung Seite 28:
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Dies wurde für Michael zum Ritual seit der Bad Tour. Vor jedem Konzert empfing er besondere Gäste in einem in den Kulissen eingerichteten Photostudio. Natürlich war das eine Gelegenheit, mit jedem seiner Gäste ein Erinnerungsphoto zu machen, jedoch ebenso eine Art, all diese Treffen systematisch zu dokumentieren, was für Michael sehr wichtig war. Schließlich, wenn der König des Pop seine Gäste in einem Photostudio stets wenige Minuten vor jedem Konzert empfing, dann deshalb, weil er damit einen Vorwand hatte, nicht lange mit jeder Person diskutieren zu müssen. Sobald die Gäste ankamen, begrüßten sie Michael, nahmen Position ein für das Photo, dann ließen die Bodyguards die nächsten Gäste reinkommen, die Vorgänger mussten gehen, und so weiter. Diese gut organisierte Prozedur lief in einer elektrisierenden Stimmung ab, wo der Zeitmangel die Hektik von jedem Treffen rechtfertigte.
Seit wir das Zelt betreten hatten, waren wir Zeuge dieser Inszenierung. Die Bodyguards waren ständig in Aktion, verteilten überall Befehle, was den Eindruck noch mehr verstärkte, dass wir etwas Außergewöhnliches erleben sollten. So war es auch, dem war nichts hinzuzufügen...
Schließlich hat man uns gestattet, den kleinen Gang zu verlassen, und den Hauptraum zu betreten. Und da hatten wir Michael zum ersten Mal vor uns. Es war ein Schock. Das erste was wir wahrgenommen haben, war natürlich sein Aussehen. Seine Haut war sehr weiß, die Haare sehr schwarz, und er war übertrieben stark geschminkt. Als ich dieses Treffen damals in der Black & White schilderte, verglich ich Michael mit einer Elfe. Und es gab in der Tat Ähnlichkeiten. Seine Gesichtszüge waren extrem weich, was ihm eine gewisse Art von Schönheit verlieh, dennoch war sein Gesicht nicht weniger beunruhigend. Er hatte falsche Wimpern und aufgetragenen Lippenstift. Seine Haut war bedeckt mit einem sehr dicken weißen Teint. Wie alle Fans, die es gewohnt waren, ihn auf Photos oder in seinen Videos zu sehen, hatten wir beinahe die Androgynität in seinem Aussehen vergessen. Doch jetzt, wo wir ihn das erste Mal sahen, war es atemberaubend. Außerdem waren wir ja in einem Photostudio, unter starkem Projektorlicht, was die Realität dieses seltsamen Gesichts nur verstärken konnte. Diese Begegnung war insofern besorgniserregend. Wie eine fiktive Figur aus einem Comic, die plötzlich vor unseren Augen zu leben begann. Es war schlicht irreal. Wir teilten diese Eindrücke mit mehreren Leuten, die damals die Gelegenheit hatten, Michael Jackson zu treffen, und wir hörten stets dieselben Kommentare.
Nachdem wir Michael begrüßt hatten und ihm die Hand geschüttelt hatten, nahmen Julien und ich neben ihm Platz, und Bob Jones schaltete sich ein, damit wir etwas zeigten. Also holten wir die 7. Ausgabe der Black & White hervor, die Michael noch nicht gesehen hatte. Während er anfing, im Magazin zu blättern, drängte Bob Jones darauf, Michaels Gedächtnis aufzufrischen, ihn daran zu erinnern, wer wir waren. Also beschloss er, die Seite mit den früheren Ausgaben zu finden, damit Michael die vorherigen Cover sehen konnte, und sich an das Magazin erinnern konnte. Doch Michael wollte Bob Jones’ Hilfe nicht, und sobald letzterer die Seite mit den früheren Ausgaben gefunden hat, hat Michael sie nicht mal angeschaut, und setzte die Lektüre des Magazins fort, da wo er aufgehört hat. Da er verstand, dass seine Anwesendheit nicht unbedingt erforderlich war, verließ Bob Jones sofort das Studio, und ließ uns mit Michael allein.
Dann wurde die Situation ziemlich surrealistisch. Michael blätterte vor uns im Magazin, sprach aber nicht direkt mit uns. Jedoch gab er Kommentare ab, die aber nicht an uns gerichtet waren. Tatsächlich sprach er mit zwei amerikanischen Teenagern, die auf der Tour mit ihm unterwegs waren, und 3 Meter vor uns saßen, hinter der Sichtblende vom Photographen.
Michael zeigte ihnen die Seiten aus dem Magazin, und sagte ihnen, was er darüber dachte.
Wir fanden dieses Verhalten amüsant, und voll und ganz dem exzentrischen Image entsprechend, das der Star hatte. Michael Jackson machte nichts so wie die anderen. Wahrscheinlich war das auch ein krasses Beispiel für seine ausgesprochene Schüchternheit. Während der gesamten Zeit machte Sam Emerson Photos von dem „Treffen“. Ständig sagte er Michael, er möge doch in die Kamera schauen. Doch Michael hörte ihm nicht zu, und blätterte weiter im Magazin, gleichgültig was die Rufe des Photographen anging. Von den Photos, die an jenem Tag gemacht worden sind, hat Michael das ausgesucht, welches Ihr auf Seite 26 sehen könnt, und hat es uns schicken lassen. Man sieht in der Tat, wie er gerade im Magazin blättert, ohne den Kopf fürs Photo zu heben. Das war eine schöne Hommage an die Arbeit, die wir geleistet hatten. Das war ebenso der Anfang einer engeren Zusammenarbeit mit Michael und seinem Team.
Seitdem sollten wir berechtigt sein, unsere Zusammenarbeit mit dem Jackson-Camp fortzusetzen. Eine unerhoffte Anerkennung, die uns erlauben sollte, Black & White in ein wirklich offizielles Michael Jackson – Magazin zu verwandeln. Wir würden unsere Unabhängigkeit bewahren, aber wir würden einen privilegierten Zugang zu seinen Mitarbeitern, seinen Photos, und sogar seinen Projekten haben.
Doch im Moment waren wir immer noch in Teneriffa, in diesem berühmten Zelt, in Begleitung von Michael Jackson. Das Treffen neigte sich dem Ende zu, und Bob Jones erschien, um uns zum Ausgang zu führen. Wir verabschiedeten uns von Michael, der sich bei uns sehr bedankte und uns die Hand gab.
Wir gingen also wieder durch den kleinen Gang, durch den wir gekommen waren, folgten Bob Jones und den Bodyguards, die sich um das Treffen mit den nächsten Gästen kümmerten.
Doch anstatt das Zelt zu verlassen, wechselten wir direkt vor dem Ausgang den Weg, und gingen in einen anderen Gang, der direkt hinter Sam Emerson führte, in dem Photostudio.
Roter Text unter dem Photo oben (mit Bob Jones):
Bob Jones in Begleitung von Michael, in Los Angeles, 1988. Die zwei Männer kannten sich seit mehr als fünfzehn Jahren. Bob Jones war Pressesprecher der Jackson 5 in den 70er Jahren, bevor er ab 1987 offizieller Sprecher des King Of Pop wurde. Er sollte Michael auf allen Fronten verteidigen, insbesondere als er sich weigerte, während des Prozesses von 2005 gegen Michael auszusagen. Bob Jones sollte am 20. September 2008 im Alter von 72 Jahren versterben.
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Übersetzung Seite 30:
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Jeder Fan mit Verstand hätte das an unserer Stelle auch getan. Wir befanden uns also hinter dem Photographen, abgetrennt von Michael durch die Sichtblenden und andere Lichtreflektoren. Doch als wir uns sozusagen in das Reich von Sam Emerson begaben, der seine Photos auf einem kleinen Hocker stehend machte, konnten wir Michael sehen. Etwa eine Viertelstunde lang konnten wir ihn somit ungestraft beobachten. Niemand kümmerte sich um uns, niemand kam, um uns zu sagen, dass wir gehen sollten. Wir hatten dort nichts zu suchen, doch niemand hat etwas bemerkt. Es war absolut faszinierend, so nah bei Michael zu sein – 3 Meter von ihm entfernt, und ihn so sehen zu können. Er hatte immer noch ein Exemplar der letzten Black & White in den Händen, und betrachtete es aufmerksam. Als sie auf die Ankunft von neuen Gästen warteten, versuchte Sam Emerson Michael dazu zu bringen, zu posieren. Michael hörte widerwillig auf ihn, da er dafür vom Magazin wegschauen musste.
Während wir also da standen, folgten mehrere Personen nacheinander ins Studio. Wir haben kein einziges Detail davon verpasst. Michael wusste sofort, dass wir ihn anschauten, da er unsere Köpfe durch die Fensteröffnung sehen konnte, die für den Photoapparat vorgesehen war. Und jedes Mal wenn unsere Blicke sich trafen, warf er uns ein kleines Lächeln zu.
Schließlich bemerkten die Bodyguards unsere Anwesendheit, in dem Moment als sie Michael abholten, um ihn in seine Loge zu bringen. Nicht einmal verärgert, dass sie uns da fanden, begnügten sie sich damit, uns zu bitten, zu gehen. Dieses Mal gehorchten wir höflich...
Als wir aus dem Zelt kamen, trafen wir auf Bob Jones, der uns seit einer Weile suchte. Wenn wir das Konzerten vom Regieturm aus verfolgen wollten, mit den anderen „besonderen“ Gästen, durften wir nicht zu lange brauchen. Die letzte Fahrzeugkolonne startete vom Feld. Also schlossen wir uns einer Gruppe an, die aus Katherine Jackson, Michaels Mutter, bestand sowie weiteren Damen. Von drei gewaltigen Bodyguards umgeben, betraten wir also die Gemäuer vom Santa Cruz – Hafen, wo die Bühne der Dangerous Tour aufgebaut war. Wir kamen aus den Kulissen, hinter der Bühne, und sollten in den Regieturm gelangen, die sich in der Mitte des Zwingers befand. Die 70 000 Zuschauer bildeten eine geschlossene Masse, vor allem an den Rändern der Bühne.
Ich erinnere mich, wie ich dachte, dass es unmöglich wäre, durch diese Masse zu kommen. Doch wenig später, öffneten Michaels Hofhunde einen Weg, die Leute traten beiseite, zunächst verärgert, dann lächelnd, als sie Michaels Mutter erkannten. Katherine Jackson Schritt humpelnd voran, die Augen tief gesunken, verlegen aufgrund der Aufmerksamkeit, die sie auslöste.
Es war in Teneriffa, wo wir unser erstes Konzert vom Regieturm aus verfolgten, neben Mama Jackson. Einige Songs vor dem Ende, verschwand sie heimlich, um der Menge und den Staus aus dem Weg zu gehen, wie es gewöhnlich ablief. Was uns angeht: wir blieben bis zum Schluss, um das Konzert unter diesen besonderen Bedingungen zu genießen...
Warten
Die Dangerous Tour endete schließlich 2 Monate später in Mexiko, im November 1993. Die letzten beiden Konzerte der Tournee sollten abgesagt werden, doch Michael hat seinen Vertrag erfüllt: er hat seine Zusagen eingehalten. (Blödsinn, Dutzende Konzerte wurden abgesagt... Anm. des Übersetzers) Die Anstrengungen, die er mehr als zwei Monate lang auf sich aufnahm, um die Qualen der Chandler-Affäre zu überstehen, kamen ihn teuer zu stehen. Er wurde abhängig von Schmerzmitteln, und seine Gesundheit ist in Gefahr.
Schließlich gelingt es Liz Taylor, ihn dazu zu überreden, eine Entgiftungskur in Europa zu machen. Von einem Tag auf den anderen, verschwindet der King Of Pop wie vom Boden verschluckt, und wird zum meistgesuchten Menschen auf der Welt. Man glaubt, dass er vor der amerikanischen Justiz geflohen ist. Doch das stimmt nicht. Er ist in einer englischen Klinik, und dabei, gegen seine Medikamentenabhängigkeit zu kämpfen.
Wie er es bereits 1989, nach der Bad Tour, gemacht hatte, zog Michael sich ab Ende 1993 vom Mittelpunkt der Szene zurück. Die Chandler-Affäre war dabei, sich wieder einzurenken, und er musste wieder auf die Beine kommen, außerhalb der Medien. Wie zu befürchten war, wurden die Black & White – Leser weniger. Ohne neues Album, Video oder Konzert, war Michael Jackson für die Massen weniger interessant. Von Ausgabe zu Ausgabe, verkauften wir immer weniger vom Magazin, näherten uns gefährlich des Messers Schneide... Trotz der Unterstützung von MJJ Productions, die damit begannen, uns unveröffentlichte Photos zur Verfügung zu stellen, oder uns Zugang zu Michaels Mitarbeitern für Interviews zu ermöglichen, lief Black & White schlecht. Was zwei Jahre davor als ein Jugendtraum begonnen hatte, war mittlerweile eine kleine Firma. Wir wohnten nicht mehr bei den Eltern. Wir hatten Büros, Mitarbeiter... und einen Banker. Jeder Monat, der vorüberging, ohne dass die Rückkehr des King Of Pop in Sichtweite war, näherten wir uns ein Stück mehr dem Untergang. Was uns gerettet hat, war unbestreitbar unser Glaube an die Tatsache, dass Michael Jackson zurückkehren würde, und seine Rückkehr ein Erfolg werden würde. Es gab da aber auch noch eine gewisse Unwissenheit unsererseits. Wir hatten alles auf eine donnernde Rückkehr von Michael gesetzt. Während der Hauptbeteiligte selbst daran zweifelte, fähig zu sein, an die Spitze zurückzukehren, während Sony daraus Alpträume machte, und während kein Finanzanalytiker viel auf den King setzte, der beschmutzt war mit der medial gewaltigsten Pädophilie-Affäre des Jahrhunderts.
Doch wir glaubten daran. Und solange wir alles in dasselbe Projekt steckten, waren wir sehr zuversichtlich bezüglich Michaels Rückkehr. Ab 1994, getreu unserem Ehrgeiz, weiter zu wachsen, begannen wir auf einer großen Baustelle zu arbeiten. Wir wollten, dass Black & White auf internationaler Ebene das offizielle Michael Jackson – Magazin wird. Also beschlossen wir, das HIStory Magazine zu gründen, eine englische Antwort auf Black & White. Damit das Magazin sich „offiziell“ nennen durfte, setzten wir uns in den Kopf, mit MJJ Productions einen offiziellen Lizenzvertrag zu unterschreiben. Die Verhandlungen mit dem Büro von John Branca zogen sich über Monate hin, und erwiesen sich als besonders öde. Doch schließlich wurde der Vertrag aufgesetzt, und Michael zur Absegnung vorgelegt. Seine Reaktion war unglaublich: er weigerte sich, ihn zu unterschreiben. Wir erhielten eine Mitteilung von seinen Anwälten, die besagte, dass er sich weigere, mit uns einen Vertrag zu machen, weil er uns vertraue, und Black & White bereits als sein offizielles Magazin betrachte. Es gab viele von solchen Gesten von Michael an uns. Er liebte seine Fans sehr, und vertraute ihnen.
Wir wurden somit das offizielle Magazin des King Of Pop. Und der 40-Seiten-Vetrag, den seine Anwälte aufgesetzt hatten, wanderte in unsere Archive...
Michael war absolut begeistert von der Vorstellung, dass eine englische Version von Black & White erscheint, und akzeptierte, dass eine Werbung für das Magazin im Booklet seines nächsten Albums enthalten sein sollte.
Einen guten Teil des Jahres 1994 verbrachten wir damit, das Erscheinen vom HIStory Magazine vorzubereiten. Ein besonders komplizierte Sache insofern, dass das Magazin per Post in allen Ländern der Welt erhältlich sein sollte. Schließlich haben wir ein Netz in den USA aufgebaut, das damit beauftragt war, alle Abos zu zentralisieren.
Unterdessen ließ Michaels Comeback auf sich warten. Nachdem es zunächst für September 1994 angekündigt worden war, wurde es zum wiederholten Male verschoben. Wir erlebten jede dieser Verschiebungen mit einer furchtbaren Angst, da wir wussten, dass das Überleben des Magazins sowie unserer Tätigkeiten davon abhing. Die Neuigkeiten Michael betreffend erreichten uns nun von mehreren glaubwürdigen Quellen. Wir standen in direktem Kontakt mit MJJ Productions, aber ebenso mit mehreren Verantwortlichen bei Sony Music. Selbstverständlich in Frankreich, aber auch in London, wo über die europäischen Strategien entschieden wurde, und in New York, der Sitz der Hauptniederlassung. Wir standen ebenso in Kontakt mit einer Filiale von Sony Music – genannt Sony Signatures, die gerade gegründet worden war, und mit der Entwicklung von Merchandising und Lizenzverträgen beauftragt war. Im Rahmen seiner neuen Abkommen mit Sony Music, welche die Fusion des ATV-Katalogs mit Sony Music Publishing beinhalteten, übernahm Michael Jackson die Leitung der Herstellung seiner bei Sony Signatures hergestellten Produkte.
Roter Text unten rechts, oberhalb der Abbildung vom HIStory Magazine:
August 1995, die erste Ausgabe vom HIStory Magazine erblickt das Tageslicht. Michael nimmt das Erscheinen des Magazins mit großer Begeisterung auf. Endlich kann er das Magazin in seiner eigenen Sprache lesen. Das HIStory Magazine wird dennoch nicht von dem Erfolg gekrönt, den wir uns erhofften. Es wird weltweit per Abo vertrieben, sowie bei Zeitschriftenhändlern in Großbritannien sowie in den Niederlanden, doch zu hohe Vertriebskosten sollten dessen Verbreitung zu schwer machen. Nach etwas mehr als einem Jahr seines Bestehens, sollte dessen Veröffentlichung unterbrochen werden.
Bemerkung oben rechts, Photo vom RTT-Set (S. 31):
Bei den Dreharbeiten von Remember The Time, in Begleitung von Eddie Murphy, Iman, und John Singleton, dem Regisseur des Clips.
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